Dienstag, 28. Juni 2016

[Die Story hinter dem Buch] Beuther, Christina - Ist das jetzt schon Liebe?



heute:


Beuther, Christina - Ist das jetzt schon Liebe?

 


Bis vor ein paar Jahren habe ich mir nie groß darüber Gedanken gemacht, wo meine Heimat ist. Aufgewachsen in einem kleinen fünfhundert Seelen Ort in Ostwestfalen, hat es mich zum Studium nach Köln gezogen, schließlich für ein paar Jahre nach Cambridge in Massachusetts, USA, bevor wir als Familie vor nun mehr als zehn Jahren in Heidelberg angekommen sind.
Home is where the heart is, heißt es, und klar ist mein Herz hier, bei meinem Mann und unseren drei Kindern.
Nun starb 2011 mein Vater, und meine Mutter beschloss, mein Elternhaus zu verkaufen und nach Minden, in die nächst größere Stadt, zu ziehen. Das machte Sinn; meine Schwester in Köln, ich in Heidelberg, das große Haus mit dem riesengroßen Garten, die Abhängigkeit vom Auto, wenn man einkaufen, Freunde treffen, zum Arzt wollte, ... Ich bin froh über ihre Entscheidung und der Meinung, dass sie richtig war und ist, dazu wundere ich mich jedoch über mich selbst, dass ich den Ort meiner Kindheit und Jugend, den ich nach dem Abi gar nicht schnell genug verlassen konnte, vermisse.
Poldi
© Christina Beuther

Ich bin nicht hauptberuflich Autorin, das heißt, ich schreibe in meiner Freizeit. Nun ist freie Zeit in dem Alltagstrubel, den drei Kinder und ein voller Job mit sich bringen, eher rar, trotzdem wusste ich nach „Aber so was von Amore“, dass ich das Schreiben nicht mehr missen wollte. Auf einer Autofahrt aus Berlin zurück nach Heidelberg war dann plötzlich eine Idee da, eher waren die Gedanken, die schon seit einer Weile in meinem Kopf hingen, zu einer Idee gewachsen, aus der nun „Ist das jetzt schon Liebe?“ geworden ist, Julis Geschichte.

„Klar geht es also auch um Liebe, aber nicht nur darum; es geht um die Frage, was Heimat ist ...“, habe ich im Exposé geschrieben. Damit ist es ein sehr persönliches Buch geworden:
Beekelsen hat viel von dem Ort, an dem ich aufgewachsen bin; es gibt den Dicken Berg, über den man fahren muss, um dorthin zu kommen, die Wesermarsch mit den Weserwiesen, das Loch, das in Wirklichkeit Kippe heißt, den kleinen Supermarkt, den Friedhof mit Blick auf die Weser, die Weite. Das alles festzuhalten, war mir wichtig. Für mich, auch für meine Kinder, die sich später nur noch vage an den Ort erinnern werden, und für meine Schwester, mit der ich mich während des Schreibprozesses sehr viel über unsere Erinnerungen ausgetauscht habe und die fertige Seiten direkt gelesen hat. Auch meine Mutter hat das Buch vorab gelesen. Ich gebe zu, dass ich aufgeregt, sie kurzfristig verstimmt und ich sehr froh war, als sie am Ende meinte, sie wäre mit der Geschichte versöhnt. Ria hat übrigens nichts von meiner Mutter, Oma Lene hingegen viel von meiner Großmutter, die herzlichen Augen, das liebe Wesen, die Knopfkiste, die Handcreme mit Kamillen-Duft, ...

Rosi, die Glückskatze
©
Christina Beuther

Anders aus Juli bin ich nicht bei meiner Großmutter aufgewachsen, aber sie war dennoch immer da. Meine Eltern, meine Schwester und ich haben zusammen mit meinen Großeltern in einem großen, ehemaligen Bauernhaus gelebt. Ich denke, man kann sagen, dass ich ein Oma-Kind war. Meine Großmutter ist seit vielen Jahren tot. Die Erinnerungen an sie beim Schreiben wieder lebhaft gemacht zu haben, war wunderschön. Auch Petermann gab es. Mein Petermann hieß Shakespeare. Und meine Kinder würden jetzt sicherlich sagen, dass Petermann auch viel von Poldi und Rosi, unseren beiden Familienkatzen, hat.

Was die anderen Personen betrifft, ist es mir wichtig zu schreiben, dass meine Fantasie mit mir durchgegangen ist und ich keine konkreten Vorbilder im Kopf hatte, als es darum ging, Friedekings Helga, Bultemeiers Ingo und wie sie alle heißen, aufs Papier zu bringen (Man sagt es, da wo ich herkomme, wirklich so herum. Ich war immer Owen Christina, eigentlich Jürgens Christina, aber irgendwie hatten alle Nachnamen noch ältere Spitznamen.). Sicherlich gilt der Ostwestfale als solcher als besonderer, ein wenig eigentümlicher Menschenschlag, stolz und stur, eher schweigsam, trotzdem sehr herzlich, was kein Widerspruch sein muss, ebenso wenig wie die auf den ersten Blick vielleicht widersprüchliche Bezeichnung der Region, doch man ist nun mal kein Westfale, sondern Ostwestfale.

Vor über zwanzig Jahren bin ich vollkommen bewusst fortgezogen, und trotzdem ist dieser Fleck meine Heimat. Heidelberg ist mein Zuhause, dort, wo meine Familie ist, aber Heimat ist da, wo das Herz sich weitet, wenn der Horizont weiter wird, Heimat ist die Landschaft, die vertraute Melodie der Sprache, die auch wenn man sich in der Fremde trifft, ein Gefühl von Heimat vermitteln kann.

© Christina Beuther

Zurück zu „Ist das jetzt schon Liebe?“ und zum Satz aus dem Exposé. Klar ist das Buch auch eine Liebesgeschichte.
Ich lese gerne Bücher, in denen es Liebesgeschichten gibt, aber diese Liebesgeschichten müssen nicht zwangsläufig im Vordergrund stehen. Auch die Liebesgeschichte zwischen Juli und Jan stand für mich beim Schreiben nicht im alleinigen Fokus, darum hatte ich auch erst Probleme, mich mit dem Titel anzufreunden, und richtig leicht geht er mir noch immer nicht über die Lippen. „Juli im August“ war mein Arbeitstitel, „Juli und die Heimat im Herzen“ oder „Juli und die Weite des Horizonts“ waren weitere Vorschläge. Letztendlich hat der Verlag anders entschieden, aber das so wunderschöne Cover hat meinen ersten Unmut komplett vertrieben.
Insgesamt hat der ganze Lektorats-Prozess dieses Mal recht lange gedauert. Das erste Manuskript habe ich vor fast zwei Jahren eingereicht. Da sind die erste Version, Anregungen und Wünsche des Verlags, Ideen und Gedanken der Lektorin, die oft auf Anhieb wunderbar sind , auf den zweiten Blick passen hin und wieder aber auch beim erneuten Überdenken aus Autorensicht nicht stimmig sind, ... In diesen zwei Jahren hat sich das Buch doch auch verändert. So ist die Liebesgeschichte zwischen Juli und Jan sicherlich weiter herausgearbeitet als in der ersten Version. Gleiches gilt für Ria, die anfangs vager angelegt war und meiner Lektorin eigentlich noch immer nicht konkret genug ist. Ich mag die Leerstellen, die bleiben und bin gespannt, wie meine Leserinnen und Leser Ria sehen. Auch Sami gab es im ersten Manuskript noch nicht. Selbst Lehrerin nicht unbedingt der leichtesten Schülerinnen und Schüler war er mein Kompromiss in Richtung Verlag, der sich auf Seiten meiner Protagonistin eine stärkere Entwicklung, auch beruflich, gewünscht hat. Ich mag es aber, dass Juli Kinderbücher illustriert und wollte hier keinen Wechsel. Ihre Beziehung zu Sami ist für mich eine glaubhafte Entwicklung, die zu Juli passt und sie nicht verbiegt.
Dennoch hat dieser stete kritische Blick meiner Lektorin, diese intensive Auseinandersetzung mit den Personen und der Handlung, Juli und ihrer Geschichte mehr Tiefe verliehen.

Am Ende steht Julis Zauberbuch; Oma Lenes Rezepte und Julis Rezepte in einem Buch. Und so schließt sich der Kreis. Ich habe eine ganz lebhafte Kindheitserinnerung an meine Großmutter, eine Schürze umgebunden in der Küche, wie sie mir beibringt, Pfannkuchen zu machen. Etwas, das ich mit Juli teile.

Und nun sind sie endlich in der Welt; Juli und Jan, Mo, Onkel Georg, Beekelsen und seine Bewohner.
Viel Spaß in Ostwestfalen. Mit Juli. Im August.

geschrieben von
Christina Beuther


  • Taschenbuch: 240 Seiten
  • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (17. Juni 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3746632250
  • ISBN-13: 978-3746632254





Montag, 27. Juni 2016

[Stefanies Rezension] Golding, Elizabeth - Das Anti-Stress Stickermalbuch

Gastrezension von Stefanie


Wunderschön, so, wie es ist!

Als Tier- und Pflanzenliebhaberin war mir das neue „Das Anti-Stress Stickermalbuch“ vom Loewe- Verlag, illustriert von mehreren Illustratorinnen, sofort ins Auge gefallen. Ich liebe Anti-Stress-Malbücher, aber dieses hier ist etwas ganz Besonderes.




Inhalt: Das großformatige Buch im Format 22 x 26 cm mit flexiblem Einband bietet erst einmal ca. 60 Seiten botanische Malereien. Auch Tiere finden sich auf manchen Seiten, aber die Blumen stehen klar im Vordergrund. Gefolgt werden diese Illustrationen von 12 voll bepackten Stickerseiten mit ganz unterschiedlichen Pflanzen und Tieren. Insgesamt ist vom Kaktus zur Blume in der Vase, vom Schneeglöckchen zum Mohn und zur japanischen Zierkirsche hier alles vertreten.

Qualität: Die Illustrationen sind so toll und hochwertig, dass ich es bisher weder gewagt habe, in die weißen Stellen zu zeichnen oder zu kleben. Man muss auch sagen, dass die Seiten so, wie sie sind, stimmig sind, zusätzliche Sticker oder Zeichnungen würden die so liebevoll gestalteten Seiten überladen. Es gibt übrigens auch nichts zum Ausmalen, wie man vielleicht erwarten würde. Hier kann man selbst zeichnen oder kleben.

Mein Fazit: Dieses Buch mit 60 Aquarellbildern sieht für mich perfekt und fertig aus. Ich kann hier nichts hinzufügen. Ich werde daher wohl die wunder-wunderschönen Sticker anderweitig verwenden, z.B. für Geburtstagspost und dieses Buch so lassen, wie es ist. Das heißt nicht, dass man hier nicht weiter gestalten könnte. Aber es entstresst völlig, das Buch einfach nur anzuschauen!

  • Broschiert: 64 Seiten
  • Auflage: 1 (13. Juni 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3785585640
  • ISBN-13: 978-3785585641
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 5 - 12 Jahre
  • Originaltitel: Therapeutic Sticker Art Seasons
  • Verlag:


Sonntag, 26. Juni 2016

[In my Mailbox] KW # 25/2016


Hier meine Neuzugänge aus dieser Woche!

für die Klappentexte klickt bitte auf die Cover, dann gelangt ihr zu Amazon

Martens, Anna - Engelsschmerz
Keep calm and enjoy 2017
 
Ahern, Cecelia - Celestine (1/2) Flawed - Wie perfekt willst du sein? 
Gilissen, Elfi H. M. - Reise Know-How CityTrip Sydney
Teckentrup, Britta (Illus.) - Mein erster Puzzle-Würfel
Schönborn, Anja - Reise Know-How CityTrip Wellington, Neuseeland

Choux, Nathalie (Illus.) - Meine erste Geschichte Die kleine Katze



Samstag, 25. Juni 2016

[Gastrezension] Thürmer, Christine - Laufen. Essen. Schlafen.: Eine Frau, drei Trails und 12700 Kilometer Wildnis

Gastrezension von Starbucks

Christine Thürmer ist (zumindest anfänglich) der Hape Kerkeling der amerikanischen Weitwanderwege: nicht so ganz fit, etwas unbedarft und unbeholfen, dafür aber spontan und beruflich sehr erfolgreich. Fast schon impulsiv tauscht sie nach einer Entlassung den Bürostuhl gegen die Wildnis des Pacific Crest Trail – und wird danach von den Weitwanderwegen Amerikas und später auch der ganzen Welt nicht mehr losgelassen. Ich selbst gehe den Jakobsweg am Stück, wannimmer der Beruf das zulässt, und im März sind wir auch die ersten 120 km des Pacific Crest National Scenic Trail gewandert. Auch die meisten anderen Landschaften, in denen die Autorin sich bewegt, kenne ich gut, und so fühle ich mich in diesem Buch immer ganz nah am Geschehen, obwohl ich niemals zu den thruhikern (die die Weitwanderwege in einem Sommer am Stück zurücklegen) gehören werde.

Zum Inhalt: Wie schon erwähnt, ist Christine Thürmer zu einer Weitwanderin geworden, die die drei großen Fernwanderwege der USA, Pacific Crest Scenic Trail, Continental Divide Trail (ein Weg, der bis heute nicht fertig gestellt ist und wo man sich selbst zum Teil die Route suchen muss) in drei Sommern komplettiert hat. Danach hat sie noch viele weitere Projekte überlebt (das kann man hier zu Recht so sagen), aber ihr Buch „Laufen Essen Schlafen“ handelt von den Erlebnissen auf diesen drei Wegen. Dabei beschreibt sie Extremsituationen ebenso wie berührende Zusammenkünfte mit Menschen auf dem Weg. Auch die Landschaft und der Weg selbst werden thematisiert, stehen aber etwas hinter den Erlebnissen, die die Autorin mit den Wanderern und trail angels (Menschen am Weg, die sich um die thruhiker kümmern) hat. Wer einen Reiseführer oder Tipps für den Weg sucht, ist hier falsch - „Laufen Essen Schlafen“ ist der ganz persönliche Weg der Christine Thürmer, so wie sie ihn (oder sie, da es drei waren) erlebt hat.

Ich habe das Buch ganz gebannt gelesen, denn erstens kenne ich den ersten Teil des PCTs selbst – da ist man quasi mit dabei – kenne die Ängste vor der eigenen Courage, bevor es losgeht. Dann geht man die ersten Schritte, und das Laufgefühl wird immer besser, der Weg immer vertrauter. Christine Thürmer schönt nichts – ihr Weg klingt zumindest ehrlich und authentisch. Sie hat Höhen und Tiefen, und es lässt sich auch nicht leugnen, dass sie so manches Mal dem Tod vielleicht sehr nahe war. Die Weg in den USA sind wild, das Wasser rar, die Zivilisation nicht um die Ecke. Wandern mit Einkehren wie in Europa ist quasi nie angesagt.

Dennoch schildert Christine Thürmer weniger den Weg, sondern die Erlebnisse auf ihren Zwischenstopps eben in der Zivilisation. Dies zeigt ein wenig, dass die Höhepunkte eben nicht auf dem Weg liegen, sondern in der echten Dusche und der Nacht im richtigen Bett. Vielleicht muss man eben erst solche Strapazen auf sich nehmen, um die Gaben der Zivilisation und Sozialisation schätzen zu lernen.

Fazit: Ich könnte so ewig weiter rezensieren, so gut hat mir dieses Buch gefallen. Gern hätte ich doch einmal in die Packliste der Autorin hineingeschaut, aber dafür wurde dieses Buch ja nicht geschrieben. Dafür runden kurze Karten der drei Fernwanderwege sowie viele Fotos, die das Buch lebendig machen, das Leseerlebnis ab. Vielleicht hat mir das Buch so gut gefallen, weil ich mich diesen Wegen so verbunden fühle, weil ich die Landschaften gut kenne, weil ich selbst fernwandere oder einfach nur, weil die Autorin so gut schreibt? Es hat auf jeden Fall mit fünf aus fünf Sternen oder mehr seinen Platz in mein Behaltregal gefunden.

  • Broschiert: 288 Seiten
  • Verlag: Malik (1. April 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3890294715
  • ISBN-13: 978-3890294711
  • Verlagsgruppe:


Freitag, 24. Juni 2016

[Rezension] Hayers, Johannes & Meier, Mia L. - Du bist viel schöner, wenn ich recht habe

Nachdem die rosarote Brille an Farbe verloren hat, fängt es manchmal an, dass einem am Partner etwas zu stören beginnt, was vorher gar nicht aufgefallen ist. Will oder kann man dieses nicht hinnehmen, klärende Gespräche oder Rumnörgeln hilft nicht, dann bleiben nur noch (nicht ganz legale) Beziehungstricks und genau darum geht es bei diesem Hörbuch. Johannes Hayers und Mia L. Meier haben Paare nach ihren Tricks gefragt, mit denen man den Partner „umerziehen“ oder ihm/ ihr zumindest die Augen öffnen kann. Herausgekommen sind 23 Kurzgeschichten in ebenso vielen Kapiteln, die kurzweilig unterhalten.

Nach „Schnall dich an, sonst stirbt ein Einhorn“, bei dem es scheinbar um die Erziehung von Kindern ging, dreht sich nun alles um die „Erziehung“ des Partners. 23 Personen haben ihren persönlichen Beziehungstipp bzw. -trick verraten, wobei diese nicht alle zum Nachahmen geeignet sind. Das Hörbuch verkauft sich zwar als humorvoller Ratgeber - das ist es aber nicht und ich habe dieses zum Glück auch nicht erwartet. Den Leser erwarten Anekdoten, die ich teilweise humorvoll fand, welche teilweise aber auch nur zu einem kleinen Schmunzeln geführt haben. Ich hatte mir erhofft, dass mich das Hörbuch öfter zum herzhaften Lachen bringen würde, das hat es nur sehr, sehr selten geschafft

Oliver Rohrbeck, der Sprecher, ist mir durch seine Sprechrolle des Justus Jonas aus „Die drei???“ bereits bekannt. Gekonnt wechselt er zwischen verschiedenen Erzählstimmen hin und her und man hört ihm sehr gerne zu. Ich fand jedoch, dass er den Humor in seiner Stimme nicht gut transportiert sondern die Geschichten eher nüchtern vorgetragen hat. Ich glaube, bei einer anderen Art des Vortragens hätte mich der Humor etwas mehr gepackt.

Fazit: Als Ratgeber nicht geeignet, sondern eher für kurzweilige, humorvolle Unterhaltung über das Miteinander zwischen Partnern und ihren Problemen. Ich vergebe knappe 4 Sterne, da ich mich leider nicht so humorvoll unterhalten gefühlt habe, wie ich es mir erhofft hatte.

  • Audio: 2 CDs - ca. 152 min
  • Verlag: audio media verlag; Auflage: 1 (21. Mai 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3956391004
  • ISBN-13: 978-3956391002



Donnerstag, 23. Juni 2016

[Rezension] Tsokos, Michael/Gößling, Andreas - True Crime (02) Zersetzt

Dr. Fred Abel, Rechtsmediziner beim BKA, bekommt oft Ungewöhnliches auf den (Sezier-) Tisch. Manchmal kommen die Leichen aber gar nicht zu ihm, sondern er muss zu den Toten. So auch in diesem Fall, denn sein aktueller Auftrag lautet zwei Leichen in Transnistrien zu identifizieren, die in Kalkfässern gefunden wurden. Gleich zwei Probleme lauern auf ihn: Transnistrien ist ein international nicht anerkanntes Regime und die Leichen sind mittlerweile fast vollständig zersetzt.


Michael Tsokos (Professor für Rechtsmedizin) und Andreas Gössling (Autor) haben einen weiteren Fall für Dr. Fred Abel entworfen, der erneut sehr nah an der Realität liegt, denn das Besondere ihrer "True Crime Thriller" ist ja gerade, dass sie auf wahren Begebenheiten beruhen und nur wenig Fiktives hinzugefügt wurde. Neben dem Leichenfund in zwei Kalkfässern geht es auch um einen Mord, der auf den ersten Blick nach einer gescheiterten Folter per Waterboarding aussieht. Beide Fälle sind politisch gesehen bedeutend. Für meinen Geschmack hätte dieses gerne etwas weniger dominant sein und damit mehr Raum für die Rechtsmedizin bieten können. 

Gößling und Tsokos haben es zusammen geschafft aus den Fakten der Rechtsmedizin einen flüssig geschriebenen Roman zu erarbeiten. Das Fachwissen wird leicht verständlich integriert. Zu den oben erwähnten Handlungssträngen kommt noch ein dritter hinzu, aber für mich gab es zwischen diesen Fällen keinen Zusammenhang. Dieses fand ich sehr schade, weil es so nicht zu einem großen Ganzen wurde. Es wirkte eher zusammengewürfelt um genug Material für einen Roman zu erhalten. Das war beim Vorgänger "Zerschunden" anders und es hat mir besser gefallen, als die Fäden alle gegen Ende zusammenliefen.

Der Sprecher ist David Nathan, der unter anderem Johnny Depp seine Stimme leiht. Das spricht eigentlich schon für sich, denn die Stimme ist somit sicherlich fast jedem bekannt und meinen eigenen Geschmack trifft sie.

Fazit: Zu viele Fällen, die leider unabhängig voneinander sind, wodurch keine interessante Atmosphäre entsteht. Gute Ansätze, aber nicht so spannend umgesetzt, wie erhofft. Den ersten Teil fand ich gelungener.

  • Audio: 4 CDs - ca. 271 Minuten
  • Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Audio) (13. Mai 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3785753160
  • ISBN-13: 978-3785753163
  • Verlag:


Die True Crime Reihe in der Übersicht:


Mittwoch, 22. Juni 2016

[Gastrezension] Jonuleit, Anja - Rabenfrauen

Gastrezension von Starbucks

Extrem intensives Hörerlebnis

Ich habe Anja Jonuleits „Rabenfrauen“ als Hörbuch im DAV (der Audio-Verlag) gehört und werde hier auch das Hörbuch rezensieren. Dieses ist erschienen als (leider) gekürzte Lesung mit einer Laufzeit von 8 Stunden und 24 Minuten auf 6 CDs. Das Besondere an der Audioversion des Romans ist, dass er von drei Frauenstimmen gelesen wird, denn der Roman wird aus der Sicht von drei Frauen erzählt. Aber dazu später mehr.

Zum Inhalt: „Rabenfrauen“ handelt vor allem von drei Frauen, den quasi gleichaltrigen Freundinnen Ruth und Christa sowie Ruths Tochter Anne. Er erstreckt sich über einen Zeitraum von 1959 bis heute, wobei Ruth vor allem die Ereignisse um 1959 und später, Christa den Lauf der Zeit ab 1959 und Anne die Ereignisse von heute erzählt. Dabei springt die Autorin zwischen den Protagonistinnen und den Zeiten hin und her, ohne dass der Zuhörer dabei nicht folgen könnte.

Es geht vor allem um die Mädchenfreundschaft von Christa und Ruth, die daran zerbricht, dass Christa sich einer religiösen Freikirche (oder Sekte) anschließt, mit diesen nach Chile auswandert und dort über fast 50 Jahre lang die Hölle erlebt. Dabei hatten die Mädchen so kurz vor dem Abitur doch so viele Träume und Pläne, aber die Liebe beider zum Freikirchler Erich verändert alles und nimmt Christa quasi ihr ganzes Leben, und nicht nur ihr eigenes, denn Christa hat bereits ein Kind von Erich...

Zur Lesung: Das Hörbuch wird – wie gesagt – von drei Frauenstimmen gelesen, jeweils eine für die drei Erzählerinnen. Dabei hat mich vor allem die Stimme der Ruth – hier Marie Gruber – so begeistert, denn man hört förmlich, dass Ruth eine ältere Frau – sie muss fast 70 Jahre alt sein – spricht, die viel erlebt hat, viele Sorgen hatte, viel Schlimmes durch die ganzen Ereignisse erlebt hat, sich außerdem auch schuldig fühlt. Die Stimme hat so viel Ausdruck, dass man sich hier an der Ruth gar nicht satthören kann. Insgesamt ist die Lesung für mich ein Meisterwerk der Inszenierung. Ich habe das Hörbuch im Auto gehört und konnte nie abschweifen, wie das sonst fast immer einmal passiert; mehr noch, das gesamte Hörbuch ist so konzipiert, dass man als Hörer stets eine große Anspannung empfindet, so fesselnd, so schlimm, so dramatisch ist das Geschehen von Anfang bis Ende.

Der Inhalt ist so gut konzipiert, dass man als Hörer nie den Faden verliert. Die Handlung ist unglaublich verdichtet und gut durchdacht – die Auflösungen erfolgen nach und nach auf verschiedenen Zeitebenen und ergeben immer Sinn und Aha-Erlebnisse. Die Autorin hat an alles gedacht und hier eine literarische Meisterleistung vollbracht (obwohl ich noch gern gewusst hätte, was genau mit Hans passiert ist, aber das kommt in der Lesung nicht vor – vielleicht wegen der Kürzungen?).

Inhaltlich im Mittelpunkt neben einer beeindruckenden Freundschaft (so eine Freundin wie Ruth ist sicher eine Seltenheit) steht vor allem die Colonia Dignidad in Chile, eine Lebensgemeinschaft, die auf der Farce des christlichen Glaubens aufgebaut ist. Was hier passierte, ist kaum in Worte zu fassen, und doch hat die Autorin hier so vieles anhand der Erzählungen aus Christas Leben so umfassend und lebendig wieder gegeben. Man wird dies und damit das Leben dieser geschundenen Menschen kaum mehr vergessen können, man muss mit Christa mitfühlen und empfindet selbst die Enge und Ausweglosigkeit dieser auf Lügen aufgebauten Gemeinschaft, aus der es von Anfang an kein Entrinnen mehr gab (und doch hatten sich die Mitglieder ja aus freien Stücken für dieses Leben entschieden, das sicher auf Versprechungen und Hoffnungen und Charisma aufgebaut war und sich doch so anders entwickelte...).



Fazit: Ich bin sehr ergriffen und werde wohl noch lange an dieses Buch denken. Ich habe das Hörbuch in zwei Teilen, diese aber dann am Stück hören können und bin tief in die Colonia Dignidad und die Leben dieser Frauen eingetaucht. Obwohl ich die Autorin vorher bereits dem Namen nach kannte, kannte ich bisher keinen Roman von ihr. Das wird sich nun ganz sicher ändern. Ich bin gerade der Meinung, dass dies mein bestes und wertvollstes Hörbuch ist, das auf jeden Fall einen guten Platz in meinem Regal finden wird. Einfach unbeschreiblich ergreifend!

  • Audio: 6 CDs | ca. 7 h 54 min
  • Verlag: Der Audio Verlag (27. Mai 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3862316629
  • ISBN-13: 978-3862316625
  • Verlag:


Dienstag, 21. Juni 2016

[Die Story hinter dem Buch] Wieners, Annette - Gesine-Cordes (02) Fuchskind



heute:


Wieners, Annette - Gesine-Cordes (02) Fuchskind

 


Die Krimireihe um die Ex-Kommissarin und heutige Friedhofsgärtnerin Gesine Cordes hat meine Arbeit als Autorin verändert. Es ist das erste Mal, dass eine Romanidee von mir „in Serie“ gegangen ist und dass ich meine Figuren nicht verlasse, sobald ein Buch erscheint, sondern ihren Lebensweg weiterverfolge. Außerdem gibt es viel Trubel um die Krimireihe, auch das kannte ich bisher nicht.

Ich schrieb die ersten Seiten von Band 2 „Fuchskind“, als Band 1 „Kaninchenherz“ gerade erst veröffentlicht wurde – und sich innerhalb weniger Wochen zu einem ziemlich erfolgreichen Buch entwickelte. Ich war überrascht und freute mich natürlich sehr, nur manchmal schoss mir die Sorge durch den Kopf, ob ich auch für „Fuchskind“ noch genügend Zeit und Konzentration finden könnte.

Zum Glück habe ich einen Schreibtisch, an dem ich alles von mir fernhalten kann. Wenn ich mich hinsetzte und an meine Hauptfigur Gesine Cordes dachte, war es, wie innerlich nach Hause zu kommen. Der Trubel wurde nebensächlich und ich war nur noch neugierig, was Gesines in „Fuchskind“ wohl erleben würde.

Das Buch sollte ein eigenständiges Werk sein, auch wenn es sich eng an „Kaninchenherz“ anschließt. Es sollte einen abgeschlossenen Kriminalfall und eigene Figuren neben dem bekannten Hauptpersonal bekommen. Man sollte nicht unbedingt „Kaninchenherz“ kennen müssen, um „Fuchskind“ zu verstehen. 

Doch würde das funktionieren? Würde sich die Hauptfigur Gesine Cordes den Lesern erschließen, mit allen Ecken und Kanten, ohne dass ich erneut ihre Lebensgeschichte erzählen und erklären könnte, so wie ich es in „Kaninchenherz“ getan hatte?

Gesine findet im Rhododendron hinter der Kapelle ein Baby: „Sie ging in die Hocke. Dunkle Blätter hingen lappig am knorrigen Holz und schluckten das Licht.“ („Fuchskind“, S. 10)

Gesine trägt ihr Herz nicht auf der Zunge. Sie ist eine Frau, die vom Schicksal arg gebeutelt wurde und dennoch den unbändigen Willen hegt, eigene Wege zu gehen. Oft wirkt sie schroff und sie hat auch nichts dagegen, als Einzelgängerin in ihrem Wohnwagen ihr Dasein zu fristen. Allerdings beobachtet sie die Menschen um sich herum sehr mitfühlend und hat keine Scheu, sich mit Haut und Haaren für jemanden einzusetzen. Zum Beispiel stellt sie sich wie eine Löwin vor ihre beiden kleinen Nichten. 

Eine Leserin hatte mir nach „Kaninchenherz“ geschrieben, Gesine verhielte sich nicht wie eine typische Frau, das sei irritierend, aber auch bewundernswert. Ich sehe das so: Gesine lässt sich nicht unterkriegen und sie hat gelernt, dass es nichts bringt, sich immer nur anzupassen. Sie hat eine Haltung angenommen, zu der eigentlich jeder gelangen kann. Sie tut nur das, wovon sie überzeugt ist, muss dabei aber täglich mit ihren Dämonen kämpfen.

Gesine ist beklommen zumute, als sie das Feld der Kindergräber betritt: „Efeu wie ein Nest aus dunklen Schlangen.“ („Fuchskind“, S. 103)

Die Leserinnen und Leser von „Kaninchenherz“ haben das Besondere an Gesine bestens aufgenommen und nachvollzogen. Sie haben die Freundlichkeit erkannt, die Gesine verborgen in sich trägt, und sie haben mir als Autorin alles Schöne tausendfach zurückgegeben.

Mit „Fuchskind“ machen wir nun weiter – und Gesine bewegt sich zaghaft auf bestimmte Mitmenschen zu. Sie wagt es, sich millimeterweise zu öffnen, denn der Kriminalfall greift erneut in ihr Privatleben ein.

Selbstverständlich ist auch Marina Olbert von der Kripo wieder mit von der Partie. Bei aller Strenge als Ermittlerin muss sie Stunden der Einsamkeit erleben. Außerdem gibt es noch Episoden-Figuren, die sämtlich versuchen, sich in Sicherheit zu bringen- allerdings vor verschiedenen Gegnern.

Viel Vergnügen damit! Und: Danke für alles, was bisher war.
Annette Wieners


  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: List Taschenbuch (17. Juni 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548612512
  • ISBN-13: 978-3548612515