Freitag, 19. Dezember 2014

[Rezension] Wanner, Heike - O du fröhliche Weibernacht

Zum Firmenjubiläum darf es gerne etwas Besonders sein: eine Weihnachtsfeier auf Helgoland über ein ganzes Wochenende. Die Idee stößt nicht bei allen auf Gegenliebe und als dann noch herauskommt, dass die Belegschaft in Mehrbettzimmern in einer Jugendherberge unterkommt und es Teamwettkämpfe geben wird, tendiert die Vorfreude bei den meisten gegen Null. Aber natürlich kommt es noch besser, denn ausgerechnet die steife Chefsekretärin Ulrike, die karrierebewusste Jana, Mauerblümchen Miriam und die energische Cordula müssen zu einem Team werden und dabei können sie einander überhaupt nicht ausstehen, und auch das Wetter spielt nicht mit.

"O du fröhliche Weibernacht" ist ein Frauenroman und passt somit eigentlich überhaupt nicht mein Beuteschema. Mich hat jedoch die weihnachtliche Thematik derart interessiert, dass ich mich trotzdem für den Roman entschieden habe und ich habe das Lesen des Romans keine Sekunde lang bereut. Ich konnte sofort in den Roman abtauchen. Die Figuren waren mir überhaupt nicht fremd und ich habe mich in deren Gesellschaft gleich wohlgefühlt. Heike Wanner hat einen tollen, flüssigen Schreibstil, so dass man regelrecht durch die Seiten fliegt.

Ihre Protagonisten sind alle sehr gut ausgearbeitet, bleiben ihrer Art treu und entwickeln sich trotzdem. Alle Vier sind interessant, obwohl die Autorin zum Glück darauf verzichtet hat sie übertrieben oder extrem klischeehaft zu zeichnen. Eine ordentliche Portion Humor und etwas Liebeswirrwarr wirken sehr unterhaltsam. Hinzu kommt der weihnachtliche Aspekt, der durch einen süßen Nikolaus, Kekse backen, stürmischer Wind über der Nordsee und Wein trinken in der gemütlichen Unterkunft, Geschenke und Geschichten über vorherige Weihnachtsfeste erreicht wird.

Fazit: Genau so eine Unterhaltung hatte ich mir vom Roman erwünscht. "O du fröhliche Weibernacht" ist ein weihnachtliches Wohlfühlbuch, bei dem man gar nicht merkt, wie beim Lesen die Zeit verfliegt. Meiner Meinung nach nicht zu kitschig, dafür aber humorvoll unterhaltend, mit etwas Liebe und viel Freundschaft. Perfekte Unterhaltung für die (Vor-) Weihnachtszeit.


  • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
  • Verlag: Marion von Schröder (10. Oktober 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3547711959
  • ISBN-13: 978-3547711950
  • Verlagsgruppe:




Donnerstag, 18. Dezember 2014

[Das Autoren 1x1] Aveleen Avide

 proudly presents:



Aveleen Avide


© Marc Senna


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Autorenwelt
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1. Seit wann schreibst du?
Die nächtliche Eingebung zum Schreiben hatte ich ca. 2001 und ich habe dann auch sofort mit dem Schreiben angefangen, aber diese "Ergüsse" wurden damals von Agenturen und Verlagen abgelehnt. Dann musste ich erst eine Abendschule für meinen Brotjob besuchen und danach habe ich 2004 mit dem Fernstudium
bei der Schule des Schreibens angefangen.

Als Spätzünder habe ich meinen Band "Seidene Küsse" 2005, also mit 40 Jahren geschrieben und das innerhalb von 2 Wochen. Diesen Band erotischer Kurzgeschichten schrieb ich mit einer Co-Autorin und innerhalb einer Woche hatten wir eine Agentur und innerhalb sechs Wochen hatte uns der Heyne-Verlag zugesagt.

Nette Story am Rande. Als ich meinem damaligen Exchef erzählte, ich schreibe mit einer Co-Autorin an einem Band mit erotischen Geschichten, meinte er: "Zwei Frauen ... und Sex, das funktioniert."

2. Warum ist „Autor“ für dich der beste Beruf der Welt?
Kein Boss! Ich kann schreiben wo auch immer ein Ladekabel für iPad und Laptop ist und wo es Internet gibt. :-) Lesungen, spannende Leute kennenlernen und das sonstige Drumherum, machen mir wahnsinnig Spaß! Mein Leben wurde dadurch spannend. Vorher war das Spannendste in meinem Leben gewesen, dass ich 2-3 Mal im Jahr alleine weggegangen bin. In den Bayerischen Hof. Durch das Drumherum beim Schreiben wurde ich viel selbstbewusster.

3. Beschreibe dein Buch / eins deiner Bücher in weniger als zehn Worten und verrate, auf welchen Titel sich die Beschreibung bezieht.
LLL, Liebe, Lust und sexuelle Leidenschaft:
"Grenzenlose Lust".

4. Wo schreibst du am Liebsten bzw. hast du besondere „Rituale“ beim Schreiben?
Wenn ich morgens nicht die Kurve zum Schreiben kriege, dann wird's den ganzen Tag nichts. Denn mir fliegen die Geschichten nicht zu und sie treiben mich auch nicht aus dem Bett. Ich muss hirnen, damit daraus eine Idee wird und das ist erst mal anstrengend. Bis ich die Charaktere meiner Protagonisten erfühle, das dauert ein wenig. Aber habe ich es endlich, dann fließt es nur so. Aber ich will schreiben und wenn ich dabei bin, dann macht es mir unheimlich Spaß. Das Gefühl, dass diese Geschichte aus meinem Hirn geboren wurde, ist für mich ein Adrenalinkick sondersgleichen und für einige Sekunden schwappen die Glücksgefühle nur so über mir zusammen.

5. Hast du einen Tipp für zukünftige Autoren?
Schreiben, schreiben, schreiben, nicht aufgeben und sich von schlechten Kritiken nicht unterkriegen lassen, sondern erst recht weiterschreiben und sich konstruktive Kritik zunutze machen.

Nicht von Freunden und Familienmitgliedern Wohlfühl"kritik" holen (sie kritisieren sowieso nicht), sondern sich Kritik von Schreibforenmitgliedern oder von anderen Leuten vom Fach holen. Das macht am Anfang ziemlich AUA (oder besser gesagt immer), hilft einem aber stetig besser zu werden.



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Private Welt
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6. Was ist deine Lieblingsfarbe?
eisblau, pastellgrau, apricot, weinrot, dunkelblau, schwarz, petrol, orange, rostbraun, dunkelbraun, champagnerfarben, rosé, rosenholzfarben, mintgrün, flaschengrün, pistazienfarben, dunkellila, purpurfarben ...

Es ist wohl einfacher zu sagen, welche Farbe ich nicht mag: ocker, gelb, gelbstichige Grüntöne, gelbstichige Brauntöne, also alle Farben, die mir nicht stehen.

7. Was war als Kind dein Traumberuf?
Einen reichen Prinzen heiraten. ;-)

Bis zu meinem 40. Lebensjahr hatte ich keine Berufung gefühlt, also gab es auch in dem Sinn nie einen Traumberuf für mich.

8. Was ist dein Lieblingsessen?
Es gibt viele Speisen, die mein Herz höherschlagen lassen. Ich kann nicht eines nennen, es sind zu viele. Aber was ich immer wieder gerne esse: Selbstgemachter Schweinebraten (der mit Fett und Kruste), selbstgemachter Sauerbraten (beides esse ich niemals in Restaurants). Was ich gerne immer wieder in Gaststätten bestelle: Penne Arrabiata, Saisonspeisen wie Spargel - (nie mit Béchamelsoße) oder Trüffelgerichte und viele italienische Speisen. Und ich liebe Essen aus aller Herrenländer. Allen voran: italienisch, griechisch, asiatisch, österreichisch, arabisch, türkisch, spanisch usw. Und ich liebe alles von Fisch, über Wild, über Innereien. Ich mag beinahe alles, außer Sushi. Mit kalten, pappigen Reis und kalten Fisch, was man noch mit Wasabi überschüttet ... Da geht nicht mein Herz auf, ganz im Gegenteil.

Und was ich mir wünsche, wenn ich zu meinen Eltern fahre (denn das schmeckt nur im Holzherd und den haben nur meine Eltern und meine Schwester). Es ist ein Armerleute-Essen. Junge Kartoffeln in der Schale im Ofen garen. Wenn sie fertig sind mit echter Butter (ich esse nur echte Butter) und Salz zerdrücken. Dazu eine Brotsuppe, in die noch Milch reinkommt. Hmmmmm! Dafür ein Königreich! Denn das bekomme ich nur so alle 1-3 Jahre einmal.

Dafür gibt es bei Süßem so gut wie gar nichts, was mir schmeckt. Mon Chéri und Kinderschokolade, sonst schmeckt mir nichts. Apfelkuchen, Nuss- oder Mandelkuchen und Schwarzwälder-Kirschtorte. Aber auch nur Selbstgemachte und nicht vom Bäcker und nicht mit irgendeinem Schnickschnack - weil man es gut meint - drauf. Ja, mit Süßem kann man mich nur mit diesen paar Sachen locken.

9. Welches Genre liest du selbst am Liebsten?
Serienmörder-Thriller (je blutiger, desto besser) - huch!, was sagt das jetzt über mich aus??? ;-) -, Liebesromane, witzige Frauenromane, historische Romane und Erotik.

10. Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?
Da muss ich ein wenig ausholen ...

Seit 17. Oktober 2013 gibt es 5 erotische Geschichten von mir, die ich extra für die 5 Produktlinien von Valisère geschrieben habe, kostenlos für jeden zum Downloaden für das iPad3 und den Desktop.

Valisère hat traumhaft schöne Lingerie, die abwandelbar ist. Man geht mit wunderschönen, sexy-"braveren" (nein, das widerspricht sich jetzt nicht) Dessous außer Haus und ist man beim Liebsten, oder hat überraschend ein aufregendes Date, lässt sich die Wäsche in sekundenschnelle in hot-hot-hot Dessous verwandeln.

Ich habe je einmal eine Kurzgeschichten-Variante ohne sexuelle Szene geschrieben (es wird quasi die Tür geschlossen, sobald es von sehr warm zu sehr heiß übergehen würde) und je einmal eine Variante, bei der meinen Leserinnen megaheiß werden wird.

Und alle meine Geschichten wurden ins Englische und Französische übersetzt und werden europaweit angeboten. :-)

Also 5 Geschichten in je 2 Varianten und das in 3 Sprachen und dazu noch kostenlos.

Ja, was wünsche ich mir?? Natürlich, dass das Konzept aufgeht, meine bisherigen Bücher wie verrückt gekauft werden, ausländische Übersetzungen meiner Bücher angefordert werden und noch mehr so "geile" Aufträge aus der Wirtschaft.

Denn ich habe bewiesen, dass ich nach Vorgabe von bestimmten Kriterien und vollkommen in Time meine heißen Geschichten abliefern kann. Was also für die Wirtschaft superspannend sein dürfte.

Mein Lebenstraum: Immer wenn's in Deutschland kalt ist, einfach in ein warmes Land fliegen und dort am Meer oder Pool, mit Blick aufs Meer schreiben. :-)

Hach ... Ich darf ja wohl ein bisschen träumen. :-) Gell? :-)


Diese Bücher von Aveleen Avide könnten z.B. in eurem Bücherregal stehen:


Vielen Dank Aveleen, dass du beim "Autoren 1x1" teilgenommen hast :)


Mittwoch, 17. Dezember 2014

[Rezension] Simon, Lars - Kaimankacke

Torsten Brettschneider steckt in einer Schreibblockade. Das regnerische Schweden ist scheinbar nicht der richtige Ort, um diese zu lösen. Da kommt ihm die Einladung seines Vaters, ihn im Club "Mucho Gusto" zu besuchen, ganz recht. Costa Rica, Sonnenschein und sorglose Stunden - das sollte Torsten Kreativität doch ankurbeln können. Doch im Club-Hotel trifft er auf eine heruntergekommene Unterkunft, skurrile Menschen und kleine Katastrophen. Nach Erholung sieht es nicht aus, aber vielleicht findet sich hier tatsächlich eine Geschichte für seinen neuen Roman.

Nach "Elchscheiße" ist "Kaimankacke" der zweite Band um den Protagonisten Torsten Brettschneider. Den Auftaktroman kenne ich nicht, aber ich hatte beim Hören nicht den Eindruck, dass mir etwas an Informationen fehlen würde. 

Lars Simon hat leider meinen Humor größtenteils nicht getroffen. Ich hatte das Gefühl, dass er alles an nur möglichen Klischees und skurrilen Situationen in seinen Roman pressen wollte. Da ist ein sich ständig streitendes hessisches Ehepaar, ein Ökofritze mit Drogen und ohne Karriereaussichten, ein Hotelmanager der auf Amerikaner macht, eine alleinerziehende Mutter mit einer frechen Göre usw. Die Figuren sind total überzeichnet und die Geschichte wird immer skurriler. Spätestens als es um den ominösen Kaimanen mit seiner drogenähnlichen Wirkung geht, hat es bei mir ausgesetzt. Das Spiel mit (gesellschaftlichen) Vorurteilen ist sicherlich vom Autor so gewollt, kann aber meiner Meinung nach nicht überzeugen.

Fazit: Man kann sich das Hörbuch anhören, aber neben wenigen Situationen, die mich dann tatsächlich mal zum Lachen gebracht haben, sah ich mich ansonsten nur Übertreibungen und Klischees ausgesetzt, die mich lediglich mittelprächtig unterhalten haben, aber zum Glück ist Humor ja Ansichtssache.


  • Audio: 3 CDs - ca. 230 Minuten
  • Verlag: JUMBO Neue Medien & Verlag GmbH (24. Oktober 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3833733608
  • ISBN-13: 978-3833733604
  • Verlag:

Bisherige Teile in der Übersicht:





Dienstag, 16. Dezember 2014

[Gastrezension] Wells, Robison - Variant (2/2) Ihr seid nicht allein

Gastrezension von paintedautumn

Ich möchte darauf hinweisen, dass ich für diese Rezension Band 1 als bekannt voraussetze. Somit können für Leser, die "Du kannst keinem trauen" noch nicht gelesen haben, Spoiler vorhanden sein.


Inhalt
Der zweite Teil knüpft nahtlos an den ersten Teil an. Nach der nervenaufreibenden Flucht von der Maxfield Academy, gelangen Benson und die schwerverletzte Becky in das Dorf, welches sie bereits hinter den Mauern der Schule haben erahnen können. Nach dem Schock, Jane lebendig wiederzusehen, erfährt Benson, was es mit der Siedlung auf sich hat. Von den anwesenden Jugendlichen wurden Roboterduplikate gebaut, die ihr Leben auf dem Gelände der Maxfield Academy verbringen. Chips in den Köpfen der Menschen verbinden diese mit ihren Doubles und durch unkontrollierbare „Feedbacks“ erleben sie die Maxfield Academy aus der Sicht der Roboter. Keiner, der im Bündnis mit den Leitern des Internats steht, darf erfahren, dass Benson und Becky sich in der Siedlung verstecken. Doch auch im Fort Maxfield ist nicht jeder das, was er zu sein scheint und die beiden können sich nicht sicher sein, wer Freund und wer Feind ist...

Titel und Cover
Der Titel stellt eine Beziehung zum ersten Teil her, welches mir sehr gefällt. Wurde am Anfang noch darauf hingewiesen, dass es keinen gibt, dem man sein Vertrauen schenken kann, lässt der Titel „Ihr seid nicht allein“ ein kleinen Hoffnungsfunken entstehen.
Auf dem Cover ist wieder das Subjekt in Stacheldraht eingewoben, welches auch bei diesem Teil perfekt passt. Denn auch wenn Benson und Becky vom Gelände der Maxfield Academy geflohen sind, sind sie noch lange nicht frei.

Stil
Das Buch ist wie sein Vorgänger aus der Perspektive von Benson geschrieben. Der Sprachgebrauch ermöglicht ein flüssiges Lesen. Robison Wells schafft ein spannenden Handlungsverlauf. Habe ich beim vorherigen Teil gegen Mitte noch eine Abnahme der Spannung bemängelt, bin ich dieses Mal vollkommen zufrieden mit dem Tempo. Dabei steigt auch die Brutalität im Vergleich zum vorherigen Buch. Die Gewalthandlungen nehmen zu und werden fühlbar beschrieben.
Ich hätte mir aber generell mehr Tiefgang in der Ausführung von Bensons Gedanken gewünscht. Von manchen Dingen ist plötzlich wie selbstverständlich die Rede, doch der Leser wird davon vollkommen überrascht. Mit diesen Sprüngen hatte ich aber nicht nur auf der persönlichen Ebene von Benson zu kämpfen, sondern auch der gesamte Handlungsverlauf präsentierte sich nicht immer schlüssig. Zum Teil wurden Handlungen scheinbar komplett vom Protagonisten vergessen, um dann viel später wieder eine Rolle zu spielen. Zwischenzeitlich wurde kein Gedanke daran verschwendet, wie es diesbezüglich weitergehen könnte. Des Weiteren hat der Autor vergessen, dem Leser entscheidende Informationen zu geben, wodurch ich regelrecht nach einer von Bensons Aktionen auf der nächsten Seite gestutzt habe und dachte „Hä?“

Charaktere
An Benson hat sich nicht geändert, dass immer wieder seine Kämpfernatur zum Vorschein kommt. Er gibt nie auf und tüftelt immer wieder neue Pläne zur Flucht aus. Seine unüberlegten Handlungen, die bereits im ersten Teil auffallend waren, schlugen mir jedoch in diesem Teil zunehmend auf mein Gemüt. Einen Ausgleich zu seiner naiven Art bringt aber Becky. Ihre Handlungen erscheinen sinnig und und ihre starke Persönlichkeit zeigt sich zunehmend. Ihr Fortschritt hat mir wirklich sehr gefallen.
Im Vergleich zu „Du kannst keinem trauen“ bleiben die meisten anderen Charaktere für mich aber leider ziemlich farblos. Meiner Meinung nach sind sie einfach nur dagewesen, ohne dass ich emotional von ihrem Schicksal ergriffen gewesen wäre. Ich denke, dies liegt zum Teil an der fehlenden zwischenmenschlichen Beziehung zwischen Benson und dem Großteil der anderen auftretenden Dorfbewohnern, sodass auch der Leser von ihnen unberührt bleibt.

Fazit

„Ihr seid nicht allein“ ist deutlich schwächer als sein Vorgänger. Trotz des hohen Tempos verringerten nicht nachvollziehbare Handlungsfolgen den Lesespaß. Das schwache Ende lässt mich unbefriedigt zurück und ich denke nostalgisch an den wirklich guten ersten Teil der Dilogie zurück. Insgesamt vergebe ich 2 Sterne an das Buch, die es sich durch die Idee und durch die sich trotzdem aufbauende Spannung verdient.

  • Broschiert: 400 Seiten
  • Verlag: FISCHER FJB; Auflage: 1 (21. August 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3841421415
  • ISBN-13: 978-3841421418
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
  • Originaltitel: Feedback 
  • Verlag:


Der Zweiteiler in der Übersicht:



Montag, 15. Dezember 2014

[Die Story hinter dem Buch] Martin Krist - Engelsgleich



heute:



Martin Krist - Engelsgleich

 


Ein verschwundenes Mädchen. Eine verzweifelte Mutter. Eine grauenhafte Entdeckung.

In Berlin wird Hauptkommissar Paul Kalkbrenner zu einem Tatort gerufen. Auf einem Fabrikgelände wurde der verstümmelte Leichnam einer jungen Frau entdeckt. Unweit davon befinden sich stinkende Kloakebecken. Fassungslos müssen Kalkbrenner und seine Kollegin Sera Muth zusehen, wie eine Leiche nach der anderen aus den Gruben geholt wird. Ist unter ihnen auch die verschwundene Merle, die von ihrer Pflegemutter Juliane Kluge verzweifelt gesucht wird?

© Martin Krist

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Mein neuer Thriller »Engelsgleich« ist der zweite Band einer geplanten Trilogie. Das Besondere an dem Roman ist: Um ihn zu verstehen, muss man den Vorgängerband »Drecksspiel« (Ullstein, 2013) nicht gelesen haben.
»Drecksspiel« erzählte eine in sich abgeschlossene Geschichte. Es geht um den grausamen Mord an einer Prostituierten, um die Entführung einer Tochter aus prominentem Hause, um den Überfall auf eine junge Berliner Familie. Mein Protagonist David Gross, eine Art Privatermittler, findet heraus, was diese drei Schicksale verbindet.
Im Unklaren allerdings bleibt für die Leserinnen und Leser, was es mit der Vergangenheit Davids auf sich hat, die ihn im Verlauf des »Drecksspiels« einzuholen droht.
»Engelsgleich« klärt über eben diese Vergangenheit auf. Der Thriller spielt fünf Jahre vor »Drecksspiel« - trotzdem ist auch er ein Roman, der als eigenständige Geschichte funktioniert. Und noch mehr: Er beschert meinen Leserinnen und Lesern auch das langerhoffte Wiedersehen mit Kommissar Kalkbrenner, der Hauptfigur meiner ersten Thriller »Wut«, »Gier« und »Trieb«.

© Bianca Krause, Fotosinfonie

Als mir vor drei Jahren zum ersten Mal die Idee zu David Gross kam, der eine etwas andere Hauptfigur ist als die sattsam bekannten Krimi- und Thrillerermittler, da war mir ziemlich schnell klar, dass ich Davids Geschichten auch ganz anders erzählen möchte.
Ich gebe zu: Ich bin ein großer Fan skandinavischer, britischer, amerikanischer TV-Serien: Der Adler, Kommissarin Lund, Borgen, Sherlock, Luther, Hautnah – Die Methode Hill, The Wire, The Sopranos, Breaking Bad, Dexter, Boardwalk Empire, Ray Donovan, Lilyhammer, The Walking Dead, Orphan Black ... Irgendwas vergessen? Bestimmt.
Was mich an diesen Fernsehserien fasziniert? Dass sie über viele Staffeln hinweg eine ganz große Geschichte erzählen. Und dass sie in der ersten oder zweiten oder dritten Staffel immer wieder fast schon beiläufig kleine Details enthalten, bei denen man sich nichts weiter denkt, weil sie den Hauptfiguren Tiefe oder der Geschichte Atmosphäre verleihen, mehr nicht.
Und dann, ganz plötzlich, bekommen diese Nebensächlichkeiten in der zweiten oder dritten oder vierten Staffel eine Bedeutung, mit der man nie gerechnet hätte. Alles ist irgendwie mit allem verbunden, und auf diese Weise entwickeln die Serien einen faszinierenden Sog, dem man sich beim besten Willen nicht entziehen kann.
Genau so wollte ich auch die Geschichten um David Gross erzählen.

Man könnte also sagen: »Drecksspiel« ist die erste Staffel, die von David Gross im Hier und Jetzt handelt. »Engelsgleich« ist die zweite Staffel, die in Davids Vergangenheit führt. Und was seine Zukunft bringt? Man darf gespannt sein.

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© Bianca Krause, Fotosinfonie

Martin Krist ist das Pseudonym des Berliner Schriftstellers Marcel Feige. Geboren 1971 arbeitete er als leitender Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften. Seit 1997 ist er als Schriftsteller tätig und veröffentlichte in unterschiedlichen Genres Bücher. Nach einer Biografie über eine Rotlichtgröße aus dem Ruhrgebiet, über Tattoo-Theo, über die Punk-Diva Nina Hagen, den Rap-Rüpel Sido und die Grunge-Ikone Kurt Cobain sowie zahlreichen anderen Buchprojekten, konzentrierte er sich ab 2005 auf Krimis und Thriller.

geschrieben von Martin Krist
www.martin-krist.de





  • Taschenbuch: 576 Seiten
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch (5. Dezember 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548286399
  • ISBN-13: 978-3548286396



Sonntag, 14. Dezember 2014

[Gastrezension] Florin, Elisabeth - Commissario Pavarotti küsst im Schlaf



Vielleicht hat sich Elisabeth Florin einfach zuviel vorgenommen, als sie „Commissario Pavarotti küsst im Schlaf“ schrieb. Der Kriminalroman ist der zweite in einer Reihe um den Kommissar Pavarotti und seine sehr ungleiche Freundin und „freie“ Mitarbeiterin Lissie. Dabei muss man den ersten Teil der Reihe durchaus nicht kennen, um die Handlung zu verstehen.



Zum Inhalt: In einer psychiatrischen Anstalt wird ein Mann mit einem gewöhnlichen Küchenmesser erstochen. Zuerst ist unklar, ob dies nur die Tat eines der kranken – irren oder nur weg gesperrten – Mitpatienten in der Klinik war oder doch eine komplexere Tat. Commissario Pavarotti, der mit dem Fall betraut ist, lockt seine Freundin Lissie mit unlauteren Methoden nach Meran, und die gemeinsame Aufklärung des Falles kann beginnen….Die Ermittlungen, in deren Rahmen der Ermordete nicht der einzige Tote bleibt, führen auf ein Kreuzfahrtschiff, in die Sprechstunde des mysteriösen Sigmund Frahm, natürlich immer wieder in die psyhiatrische Klinik und ganz weit in die Vergangenheit…

Meine Meinung: Die Handlung entwickelt sich rund um das ungleiche Ermittlerpaar einer attraktiven jüngeren Frau, Lissie, die schon etwas Zuneigung zum Commissario verspürt, und den meines Erachtens überhaupt nicht liebenswerten Commissario Pavarotti, der eigentlich nur schlechte Charakterzüge trägt. Falls diese nur wie kleine Marotten scheinen sollen, die ihn liebenswerter oder auch nur menschlicher machen, so ist dies bei mir nicht angekommen, denn ich denke, für einen erwachsenen Mann seines Alters müsste er sich oft anders, im Beruf auch professioneller, verhalten. Man muss z.B. auch mal mit einem Mitarbeiter auskommen, den man nicht mag. Außerdem lockt er Lissie nach Meran, besorgt ihr zwar eine Unterkunft, sagt ihr aber auch, sie könne froh sein, dort kostenlos wohnen zu können. Nun ja, wenn ich mir Hilfe hole, sollte ich diese vielleicht eher wie einen Gast behandeln, zumal der Commissario ja auch etwas für die Freundin empfindet.

Der Commissario kümmert sich eigentlich auch noch um Justus, einen 14jährigen, der wohl in einer richtigen Familie besser aufgehoben wäre, ein Vorbild ist Pavarotti hier aber auch nicht. Der Junge macht so ziemlich genau das, was er möchte, obwohl deutlich wird, dass er mehr Halt gebrauchen könnte. Oft weiß der Commissario auch gar nicht genau, wo der Junge sich so herumtreibt. In Lissie findet Justus dann eher, was er sucht, noch mehr aber in Spock, dem Hund, den Lissie mitgebracht hat.

Die Kriminalhandlung wird vor allem verschleiert dadurch, dass eine Schlüsselfigur, über deren Vergangenheit berichtet wird, nicht beim richtigen Namen genannt wird. Hier darf der Leser miträtseln, wer dieser „Dorian“ wirklich ist. Auch die Protokolle der Sitzungen bei Dr. Frahm, die eine erst unbekannte Person dort hat, sind erst nichtssagend und verwirrend. Da sie hinten noch einmal aufgelistet sind, ist dem Leser gleich klar, dass es sich um Schlüsselszenen handeln muss.

Die Anzahl der Personen ist meines Erachtens sehr groß und teils verwirrend. Warum dann die letzte Leiche, ein mir bis relativ am Schluss Unbekannter (vielleicht habe ich auch etwas überlesen), noch gefunden werden musste, ist mir unklar. Außerdem gibt es Szenen, die ich erst als wichtig eingestuft hatte, wo ich es dann aber fraglich fand, warum diese sein mussten. (Beispiel: Lissie weint wegen ihrer früheren Freundin Angie. Diese hat aber nichts mit dem Fall zu tun. Ich meinte aber erst, es gäbe Verbindungen).

Weiterhin versucht das Buch, einige historische Ereignisse einzuflechten, von den Optanten über den Terrorismus der PLF, die Demokratisierung der Psychatrie und die Katakombenschulen, wo man heimlich die deutsche Sprache erlernen konnte, als dies eigentlich verboten war. Wenn ich auch hier einiges erfahren und gelernt hatte, was ich auch durchaus interessant fand, so hat mir doch ein Zusammenhang oft gefehlt. Zuviele verschiedene Themen wurden hier eingeflochten.

Als Fazit kann ich sagen, dass sich „Commissario Pavarotti küsst im Schlaf“ sehr gut lesen lässt, wenn auch vieles für mich verwirrend, anderes unwichtig war. Ich denke, die Autorin verliert sich in verschiedenen Fakten und Handlungssträngen, weil sie einfach zuviel in einen Roman packen wollte. Es gibt noch viele weitere Nebenhandlungen, die ich gar nicht angesprochen habe. So kann ich die Sternvergabe der anderen Rezensenten hier leider nicht teilen und vergebe 3 Sterne mit Tendenz zu 3,5. Ein Tipp noch für alle Leser dieses Kriminalromans: Unbedingt dranbleiben und dieses Buch nicht länger aus der Hand legen, um den Faden nicht zu verlieren!


  • Broschiert: 432 Seiten
  • Verlag: Emons Verlag (7. Oktober 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3954514397
  • ISBN-13: 978-3954514397


[In my Mailbox] KW # 50/2014


Hier meine Neuzugänge aus dieser Woche!

für die Klappentexte klickt bitte auf die Cover, dann gelangt ihr zu Amazon

Johnson, Maureen - Die Schatten von London (01) Die Schatten von London
Lindgren, Astrid - Tomte Tummetott
Bond, Michael - Geschichten von Paddington
Berwein, Saskia - Ein Fall für Leitner und Grohmann (01) Todeszeichen
Berwein, Saskia - Ein Fall für Leitner und Grohmann (02) Herzenskälte
Berwein, Saskia - Ein Fall für Leitner und Grohmann (03) Seelenweh





Samstag, 13. Dezember 2014

[Rezension] Hartlieb, Petra - Meine wundervolle Buchhandlung

Eine eigene Buchhandlung zu besitzen klingt für die meisten Leseratten himmlisch, doch wird es immer ein kleiner, unkonkreter Traum bleiben. Nicht so für Petra Hartlieb, die plötzlich Besitzerin einer Buchhandlung in Wien ist, die nun nicht nur in einer arbeitet, sondern auch noch direkt über einer wohnt, und deren Leben plötzlich nur noch aus einem Laden voller Bücher zu bestehen scheint. Wie ist das eigentlich möglich, wo sie doch gar nicht wusste, auf was sie sich einließ?


Petra Hartlieb erzählt ihre eigene Geschichte. Sie kam tatsächlich urplötzlich dazu eine Buchhandlung zu kaufen und musste mit ansehen, wie ihr romantischer Büchertraum schnell der Realität wich, denn es geht bei einem Buchladen nicht nur darum Leseempfehlungen auszusprechen, sondern es hängt eine ganze Menge Organisatorisches daran und vor allem auch das Einkommen, welches das Überleben und den Bestand des Ladens sichern muss. Diese biografische Geschichte ist für alle interessant, die Bücher lieben und schon immer einmal wissen wollten, wie es in einer Buchhandlung tatsächlich abläuft. Genau dieses hat die Autorin aufgeschrieben, ungeschönt, vom glücklichsten Gefühl überhaupt im Herzen bis zur tiefsten Erschöpfung des Körpers. Meistens dabei schlagfertig, ohne eine Blatt vor den Mund zu nehmen und mit einer großen Prise Humor. Auch auf den Überlebenskampf in Zeiten von Amazon und dem Internet geht sie ein und zeigt, was ihren Buchladen so besonders macht.

Gesprochen wird das 223 Minuten lange Hörbuch von Irene Kugler, die stets einen kleinen wienerischen Akzent an den Tag legt. Angenehm begleitet sie durch das Hörbuch und sorgt für eine gute Unterhaltung. Lediglich an manchen Stellen erschien mit der Roman zu biografisch, zu sehr Punkt für Punkt des Lebenslaufes abhakend, und somit nicht immer ganz rund.

Fazit: Hartlieb erzählt und ihre interessante Lebensgeschichte, die vor allem Buchliebhaber ansprechen wird. Einblicke in das Führen einer Buchhandlung hatte ich bisher nicht, daher waren ihre Erlebnisse für mich sehr spannend mitzuverfolgen. Manche Passagen wirkten jedoch eher wie eine Aufzählung von Ereignissen und ließen das belletristische Drumherum vermissen. Alles in allem aber interessante Unterhaltung zum Weiterempfehlen.

  • Audio: 3 CDs - ca. 223 min
  • Verlag: JUMBO Neue Medien & Verlag GmbH (23. September 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3833733632
  • ISBN-13: 978-3833733635