Samstag, 29. Januar 2011

[Rezension] Gabi Kreslehner - Das Regenmädchen

Die Kripobeamten Franza Oberwieser und Felix Herz werden zu einem Unfallort an der A9 Richtung Berlin gerufen. Eine junge Frau wurde dort im frühen Morgengrauen von einem Auto erfasst und starb auf dem Asphalt. Franza wundert sich, warum sie die Ermittlungen aufnehmen sollen, da die ersten Indizien auf einen Selbstmord hinweisen. Aber dann wird Blut gefunden und zwar nicht in der Nähe des Opfers, sondern 100m entfernt auf einem Rastplatz. Franza und Felix nehmen sofort die Ermittlungen auf und stoßen dabei auf etliche Verwirrungen und Geschichten aus der Vergangenheit.

"Dumpf war der Aufprall, doch laut genug, dass er für alle Zukunft  
   in seinen Ohren nachhallen würde. " (Seite 6)
Die leitenden Ermittler der Kripo werden sehr ausführlich beschrieben, da im gesamten Buch immer wieder Einzelheiten erwähnt werden. Auch wenn beide ihren Job sehr gut machen, so sind sie doch keine Supercops, sondern jeder hat sein Päckchen zu tragen, was ihnen meiner Meinung nach Sympathie verleiht. Franza hat nach Jahren in der Kripo so langsam jeden Glauben verloren und vor jedem Toten denkt sie, dass sie einen anderen Job bräuchte. In ihrer Ehe läuft es auch nicht mehr rund, Treue und Liebe werden schon lange nicht mehr groß geschrieben, und sie hat schwer damit zu kämpfen, dass sich ihr gerade erst erwachsener Sohn ziemlich schnell abkapselt und selbständig wird. Herz hingegen hat manchmal mit seiner Familie zu kämpfen. Er vermisst das deftige Essen seiner Mutter, da seine Frau nicht kochen kann, er hat bereits drei Kinder und seine Frau entschied quasi im Alleingang, dass noch ein viertes her muss, obwohl Herz sich gerade um sein ältestes Mädchen und ihre Essprobleme sorgt. Es gefällt mir sehr, dass im Fortschreiten des Romans immer mehr über die Ermittler erzählt wird und man somit als Leser ein rundes Bild von Ihnen erhält.

Ich bin vor ein paar Wochen durch eine Leseprobe auf dieses Buch aufmerksam geworden. Da hatte ich das Problem, dass mich der Schreibstil fasziniert hat und ich auch der Meinung war, dass er hervorragend zur Story passt, aber dass ich dadurch nicht leicht in das Buch gekommen bin. Gabi Kreslehner schreibt sehr kurze Sätze, viele Aneinanderreihungen, oft wirkt es abgehackt, so dass ich öfters ins Stocken geriet. Allerdings war ich mir da schon ziemlich sicher, dass es einfach nur daran liegt, dass ich so einen Schreibstil nicht gewöhnt war. So war es dann auch, denn als ich nun, ein  paar Wochen später, den ganzen Roman gelesen habe, bin ich nicht mehr darüber gestolpert sondern habe den für mich ungewohnten Schreibstil genossen.

Das Buch hat einen tollen Aufbau. Es ist in viele Kapitel unterteilt und jedes Mal, wenn die Geschichte aus einer anderen Erzählperspektive weitergeführt wird, wird der Text in kursiv dargestellt. Somit weiß man sofort, dass es nun nicht mehr um die Ermittlungsarbeit von Franz und Herz geht, sondern dass etwas anderes im Vordergrund steht. Was das ist, ist aber nicht immer sofort klar, denn am Anfang des Romans gibt es einige Kapitel, die man nicht zusortieren kann. Aber durch die geschickte Erzählkunst der Autorin schafft sie es nach und nach die einzelnen Handlungsstränge zu verbinden, so dass beim Leser erste Ahnungen entstehen, die sich nach einer Weile in Gewissheit umwandeln.

Fazit: Die Story ist ein unblutiger Krimi, der sein Hauptaugenmerk darauf legt, verschiedene Handlungsstränge miteinander zu verbinden. Obwohl ich sonst eher die etwas blutigeren Romane lese, hat mir das Buch gut gefallen, es hätte lediglich einen kleinen Tick spannender sein können. Ich hoffe, dass Gabi Kreslehner weitere Geschichten rund um das Ermittlerduo Franz & Herz schreiben wird. Das Buch erhält von mir 4 von 5 Sternen.


Der Buchtrailer


  • Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
  • Verlag: Ullstein Hc (16. Dezember 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3550088604
  • ISBN-13: 978-3550088605

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