Mittwoch, 23. März 2011

[Rezension] Thoß, Claudia (Hrsg.) - Schneewittchen und die sieben Geißlein

Wer kennt sie nicht, die Märchen der Gebrüder Grimm. Vielen von uns kennen die Geschichten sogar auswendig und sind sehr vertraut mit den Inhalten. Aber können wir sicher sein, dass die Ereignisse sich wirklich so zugetragen haben? Vielleicht wurde bei der mündlichen Weitergabe einiges verwechselt oder Erinnerungen waren getrübt, bevor diese Märchen von den Gebrüder Grimm schriftlich festgehalten wurden. Schneewittchen und die sieben Geißlein besteht aus 28 Neuerzählungen, in denen die (für mich bisher größtenteils unbekannten) Autoren eine neue Perspektive auf die Geschichten bieten.

"Als Kind nimmt man es hin, dass Gut und Böse ihre klar verteilten Rollen spielen [...]. Doch als Erwachsener [...] hat man gelernt, dass Dinge oft nicht so einfach sind, wie sie den Anschein haben. Die Märchen von damals rücken [...] plötzlich in ein völlig neues Licht." (Seite 7)

In der Anthologie gibt es ein Wiedersehen mit allen bekannten Protagonisten der weltberühmten Märchen. Ein paar Geschichten möchte ich hier kurz erwähnen:
  • ein Wolf, der vielmehr als Opfer der Gesellschaft statt als Täter anzusehen ist
    (Mario Schubert - Der Fall Wolf gegen Sieben Geißlein)
  • eine Müllerstochter, die alles anbot, um nicht selbst spinnen zu müssen, sogar sich selbst
    (Su Moss - Vom wahren Vater)
  • eine Frau Holle, die sich gemobbt fühlt
    (Brigitte Schubert - Land ohne Schnee)
Die Märchen dieser Anthologie lassen sich als neuaufgelegt - quasi reloaded - bezeichnen. Einige Geschichten wurden ins neue Jahrtausend transportiert. So tauchen in diesen Märchen internetfähige Handys auf oder es geht um Speed-Dating, Chatten oder Genmanipulation. Bei anderen Geschichten wurde die Erzählperspektive geändert, so wird das Märchen z.B. nicht aus Schneewittchens Sicht, sondern aus der der Königin präsentiert oder der Wolf erzählt das Rotkäppchen-Märchen neu.  Andere Geschichten bestehen aus einen Patwork von Figuren aus mehreren Märchen. Auf jeden Fall ist nichts mehr wie wir es von den Gebrüder Grimm gewohnt sind, aber dafür gibt es viele witzige, zum Teil ironische Begebenheiten, die die Märchen neu aufleben lassen und den Leser nicht wie sonst mit einer Moral am Ende zurück lassen, sondern mit einem Schmunzeln auf den Lippen und das ist auch gut so, denn Moral sollten Erwachsene bereits gelernt haben, aber Lachen kann man nie genug.

Das Design des Buches gefällt mir sehr gut. Es ist als schöne Hardcover-Ausgabe mit Lesebändchen erschienen und das Cover ist genauso liebevoll gestaltet, wie die Illustrationen auf den einzelnen Seiten, welche von Lydia Pollakowski gezeichnet wurden.

Fazit: Dieses Buch bietet märchenhafte Unterhaltung für Erwachsene und verblüfft mit neuen Erkenntnissen über die wirklichen Geschehnisse in diesen Märchen.

  • Gebundene Ausgabe: 197 Seiten
  • Verlag: Fhl Verlag Leipzig; Auflage: 1., Auflage (10. Juni 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3942025213
  • ISBN-13: 978-3942025218

Ich bedanke mich ganz ♥-lich beim fhl Leipzig Verlag für dieses schöne Rezensionsexemplar.

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