Montag, 11. April 2011

[Kreatives Schreiben] #1 Schreibübung

Hallo Ihr Lieben!

Ihr werdet jetzt zum Versuchskaninchen ^^ Mit der lieben Yvonne habe ich mich am Samstag online zum kreativen Schreiben getroffen. Wir haben alle 5 Minuten abwechselnd ein Wort zufällig aus einem Buch ausgewählt und mussten dann dieses in unsere begonnene Geschichte einbauen. Das haben wir acht Mal gemacht und somit ca. 40 Minuten lang geschrieben. Ich war total gespannt, da ich außerhalb der Schule noch nie wirklich geschrieben habe, es aber immer schon einmal austesten wollte. Mir hat das Ganze unheimlich viel Spaß gemacht, aber nun "nötigt" mich Yvonne mein Ergebnis zu veröffentlichen :-D

Da ich einen Blog habe, bietet sich das ganze natürlich auch noch an *mist* :-D Bitte bedenkt beim Lesen, dass es sich um meinen ersten Schreibversuch handelt, es ganz spontan geschrieben und inhaltlich nicht mehr überarbeitet wurde. Ich hoffe trotzdem, dass es keine allzu vernichtende Kritik geben wird, wem es nicht gefällt, der schaue sich dann bitte einfach schnell eine andere Seite meines Blogs an :)

Yvonne hat in den 40 Minuten eine kleine Kurzgeschichte geschrieben, die es definitiv wert ist gelesen zu werden. Diese findet ihr spätestens morgen früh auf ihrem Blog Bücherkuscheln. Und hier wäre dann mein kreativer Erguss, wobei die fettgedruckten Wörter, die acht ausgewählten Wörter sind, die in der Geschichte vorkommen mussten.

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Es sollte eigentlich ausreichen, zweimal in der Woche die Wäsche zu machen, zumindest wenn es jedes Mal 3-5 Stunden werden. Allerdings schafft es meine Gastfamilie, mich jede Woche aufs Neue zu überraschen. Freitags mache ich die ganze Wäsche der Kinder. Es gibt dann im Haus wirklich kein Stück schmutzige Wäsche mehr, alles liegt frisch gewaschen und gefaltet in den Kleiderschränken, keine dreckige Socke liegt mehr in der Ecke und keine Hose mit Grasflecken ist zu finden. Aber wenn ich dann nach einem Wochenendausflug Montag morgens die obere Etage betrete, auf der die vier Kinder ihre Zimmer haben, trifft mich regelmäßig der Schlag.

Der Wäschekorb ist komplett gefüllt, was sage ich, er sieht aus als wäre er explodiert und die Wäsche hätte sich vermehrt. Das schreit nach Inzucht! Die dreckigen Kleidungsstücke türmen sich in doppelter Höhe des Plastikkorbs auf. Daneben haben sich ebenfalls kleine Ausläufer gebildet und von den ganzen Kleidungsstücken, die in den Kinderzimmern verteilt liegen, will ich gar nicht erst anfangen.

Klar benötigen Kinder oft neue Kleidung, da sie ja sehr talentiert darin sind, Eis aufs T-Shirt zu kleckern oder Erde auf die Hose zu schmieren, manchmal scheint da eine magische Kraft auch gewaltig nachzuhelfen. Aber wie kann es sein, dass ich nach nur einem Wochenende 18 Handtücher im Wäschekorb finde? Achtzehn! Gab es an einem Abend eine große Poolparty? Das würde mich doch sehr stark wundern, denn dann würde das gesamte Haus wahrscheinlich noch chaotischer aussehen als jetzt schon, denn außer mir räumt ja niemand auf. Und ein viel triftigerer Grund, der gegen die Poolparty spricht: Wir haben gar keinen Pool.

Wie ist es dann aber machbar? 4 Kinder, 2 Tage und 18 Handtücher! Das entzieht sich jeder Logik für mich. Jede Woche versuche ich aufs Neue herauszufinden, was an dem Wochenende passiert sein könnte. Ich selbst brauche beim Duschen auch immer 2 Handtücher. Eins zum Abtrocknen und eins für die Haare, denn auch wenn Mario Barth behauptet, es gäbe bei Frauen auch „Duschen ohne Haare“, so scheine ich da eine Ausnahme zu sein. Es gibt bei mir fast nie „nur Haare“ und ansonsten immer „Duschen mit Haare“, „ohne“ kommt mir nicht ins Haus. Daher zwei Handtücher.

Da ich aber sauber aus der Dusche komme – das ist immerhin der Sinn vom Duschen – finde ich es recht unproblematisch, diese erneut zu benutzen. Das scheint aber in Amerika verpönt zu sein, zumindest bei meinen Gastkiddies. Ich weiß nicht, wie oft ich schon versucht habe ihnen beizubringen, dass das Handtuch lediglich Wasser aufnimmt und nach dem Trocken problemlos weiterverwendet werden kann. Auf Energiemangel, Erderwärmung oder ähnliches brauche ich dabei natürlich nicht einzugehen, schließlich leben sie in den USA und da gibt es diese Probleme Gott sei Dank gar nicht. Hygiene wird hier hingegen groß geschrieben und ein Handtuch zweimal zu benutzen, scheint schon ein großer Fauxpas zu sein.

Auch kleine Tricks haben keine Abhilfe geschaffen. So habe ich die Handtücher in Fionas Zimmer einfach aufgesammelt, nach dem Trocknen zusammengelegt und die beiden Handtücher in ihrem Zimmer platziert. Am nächsten Morgen hatte sie sich zwei neue genommen, die ich dann erneut zusammengefaltet und auf die anderen zwei Handtücher gelegt habe. Das ging dann noch 2 Tage so weiter. Mittlerweile waren die Handtücher zu einem beträchtlichen Stapel angewachsen und wurden weiterhin von Fiona gekonnt ignoriert. Irgendwann ist der Haufen dann in sich zusammen gebrochen, aber auch das konnte den Teenager nicht dazu bewegen, diese Handtücher noch einmal anzufassen. Es war, als würden sie heimlich eine Nachricht an das 13-jährige Mädchen schicken, sie ja nicht mehr zu benutzen. Am Ende habe ich resigniert, mir den Stapel mit beiden Händen geschnappt und in die Wäschekammer gebracht. Da war scheinbar nichts zu machen – es handelt sich wohl um Einweghandtücher.

Es ist ja auch nicht so, als würden wir nicht eh schon ständig Einweghandtücher benutzen. So tolle Zewa Wisch-und-weg-Papierhandtücher, die ich von zu Hause nur aus der Küche kenne. Hier gibt es die Rollen aber überall, in jedem der vier Badezimmer und in der Küche. Die Hände werden in der Küche gewaschen à Papierhandtuch zum Abtrocknen; die Kinder putzen sich die Zähne à Papierhandtuch zum Mundabwischen; ich wasche mir morgens das Gesicht à Papierhandtuch – denn man könne ja fürs nichts garantieren, was die Kinder sonst noch alles mit meinem Handtuch anstellen würden. Okay, danke für die Vorwarnung! Aber ich muss schon sagen, der Mensch ist ein Gewohnheitstier, die Umgewöhnung ist sehr hart, aber irgendwann wird selbst das zur Normalität, wie so vieles hier. Wer sich ins Ausland begibt und ein Jahr mit einer fremden Familie leben will, der muss halt offen für alles sein.

Die Unterschiede sind wirklich gravierend, teilweise erschreckend und in jedem Bereich zu finden. Was war ich erstaunt, als ein Kindergeburtstag bei uns anstand. Hannah, gerade 9 Jahre geworden, hatte 10 Mädels eingeladen. Soweit noch normal, alles gut. Dass aber ein professionelles Team eingeladen wurde, um diesen Geburtstag zu gestalten, war schon etwas ungewöhnlich. Die Mitarbeiter haben dann aus dem Geburtstag einen Videodreh gemacht. Das Geburtstagskind wurde zum Superstar Hannah Montana, alle anderen Kids bekamen ebenfalls ihre Rollen und so wurde ein professioneller Videodreh veranstaltet. Wohlgemerkt, der ganze Trubel wegen eines 9. Geburtstags! Jetzt wundern mich auch die Ausmaße von Paris Hiltons Geburtstagsfeiern nicht mehr, oder die Dimensionen der Sweet Sixteen Partys auf MTV.

Anschließend wurde es wieder etwas alltäglicher: es gab Pizza für alle. Die Normalität hielt aber nicht lange an, denn als ich wieder in die Küche kam, um die Teller abzuräumen, also eigentlich um die Pappteller, von denen wir immer aßen, in den Müll zu schmeißen – ja, ich habe in dem Jahr vielleicht max. 10 Mal von einem normalen Teller gegessen, ansonsten gab es nur Pappteller – fand ich auf jedem Teller den Pizzarand vor. Das schien so üblich zu sein, der Pizzarand wurde genauso wie die einmal benutzen Handtücher gemobbt. Ich fühlte mit dem Pizzarand. Kollektiv von jedem Kind ignoriert, gedisst, achtlos weggeworfen, das Leben ausgehaucht und keinen würdigen Platz im Magen gefunden. Ich erkannte zwar ein System dahinter, schließlich wurde auch beim Sandwich der Rand nie mitgegessen, aber eine anständige Erklärung konnte mir niemand geben, egal wen und wie oft ich fragte. Es sei halt Rand und Rand war in Amerika wohl nicht würdig, gegessen zu werden. Man lebt ja auch im Überfluss hier und Afrika kennt sowieso niemand, denn wer von den Amerikanern war schon mal im Ausland? Richtig, fast niemand. Die meisten behaupten sogar, dass die Welt nur aus Amerika bestünde.

Wie ich schon sagte, man gewöhnt sich ja an vieles, also habe ich mich auch irgendwann nicht mehr darüber gewundert, dass der Rand scheinbar ungenießbar für Amis ist und dachte, ich tue meinen Gastkindern doch mal einen Gefallen und packe ihnen für die Schule ein Sandwich ein, das schon keinen Rand mehr besitzt. Dann kann ich den immerhin dünn abschneiden, sie können einfach zubeißen und müssen nicht mehr mühsam den Rand abnagen. Klang für mich sinnvoll und gut durchdacht. War es aber scheinbar nicht.

Die kleine Idee, mein „Ich hab es doch nur gut gemeint“, hat ganz schön Staub aufgewirbelt, denn den Kindern hat das gar nicht gefallen. Die fassen zwar den Rand nicht an, geschweige denn ihn zu essen, aber ein Sandwich ohne Rand, das ging ihnen auch gegen den Strich. Hierzu gab es ebenfalls keine Erklärung, zumindest keine, die mich zufriedenstellen konnte, und so habe ich es einfach auf meine Liste „Dinge, die ich in den USA nicht verstehe, die aber scheinbar so sind und die ich dann lieber als gegeben hinnehme“ gesetzt, gleich unter dem Punkt „Handtücher können nur einmalig verwendet werden“.

Apropos Liste, ein gutes Stichwort. Da Deutsche für ihren Ordnungssinn bekannt sind und als gut strukturiert gelten und ich in wenigen Dingen scheinbar typisch Deutsch bin, mag ich Listen. „Listen abhaken macht glücklich“ heißt es so schön und damit war ich gar nicht so weit von meinen Amis entfernt. Meine Host-Mom hat für ihr Leben gerne Listen geschrieben, bzw. ich glaube es war bei ihr eher eine Notwendigkeit, da sie sonst alles vergessen und nichts zeitlich geschafft hätte (Kleine Anmerkung: Die Liste hat dabei nicht wirklich überzeugend Abhilfe geschaffen). Es ist unglaublich, wie viel Zeit manche Menschen damit verbringen, Listen zu schreiben und dabei ganz vergessen, dass sie auch etwas Zeit benötigen, um zumindest ein paar Punkte davon abzuarbeiten. Wenn ich dann wieder so ein Prachtexemplar von Liste entdeckt habe, auf der als erster Punkt stand „finde die alte Liste“, habe ich mich herrlich unterhalten gefühlt, bin mit den Kindern spazieren gegangen, habe in den Himmel geschaut und mich gefreut, dass ich ein Jahr lang unter den 50 Sternen und 13 Streifen leben kann, um all dies zu erleben.
© Claudias Bücherregal

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Danke euch fürs Lesen :)

Kommentare:

  1. Ich finde du hast einen wirklich guten Schreibstil!
    Lg
    Die Buchprinzessin

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  2. Danke schön! Es freut mich das zu hören :)
    LG Claudia

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  3. Finde ich auch! Der Text ist flüssig zu lesen, amüsant und die Situationen kann ich mir sehr gut vorstellen..Mehr davon!

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  4. Sag ich doch!

    Bei so viel Lob bin ich doch gerne schuld. ;-)

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  5. Danke für eure lieben Rückmeldungen *freu* :)

    LG Claudia

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  6. Toll geschrieben. Weiter so.

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  7. Es liegt etwas zurück, aber ich möchte ich auch gern äußern:

    Thematisch passt es als kleine Anekdote gut in Studenten- oder Gesellschaftsromane.

    Dein Stil gefällt mir. Der Text liest sich flüssig und ohne sprachliche Holpersteine oder Kaugummisätze. Das schaffen nicht viele.

    Kannst du mir ein paar Infos zur Entstehungsgeschichte geben? Sprich: Wie oft überarbeitet? Wie viele Fassungen? Usw.

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  8. Danke für dein Feedback.

    Es wurde einmal Korrektur gelesen, inhaltlich gar nicht bearbeitet, also wirklicb ziemlich spontaner Erguß :)

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