Sonntag, 10. April 2011

[Rezension] Grant, Sara - Neva

Neva ist gerade 16 Jahre alt geworden und lebt in Heimatland, welches unter einer Energiekuppel liegt. Niemand darf diese Protektosphäre verlassen und die Regierung behauptet, dass es außerhalb kein Leben mehr gebe und die Kuppel zur Sicherheit der Bevölkerung erschaffen wurde. Neva empfindet sie aber eher als Gefängnis und hat viele Fragen, die sie nicht stellen darf. Alles wird tot geschwiegen - warum ständig Menschen verschwinden, was wirklich ausserhalb dieser Protektosphäre liegt, wie das Leben vor dem Bau der Energiekuppel war oder warum die Regierung jeden und alles kontrolliert.

Das Leben in Heimatland ist ziemlich trostlos. Durch das Abschotten der Außenwelt werden die Ressourcen immer knapper. Alles wird mehrfach recycelt und viele Technologien sind verschwunden. So gibt es keine Flugzeuge mehr, viele Lebensmittel und Materialien sind ebenfalls nicht mehr verfügbar. Des Weiteren nimmt die Bevölkerung stetig ab. Um dem entgegen zu wirken hat die Regierung verkündet, dass Menschen mit 16 volljährig sind und sich vorpflanzen sollen.  Zu diesem Zwecke gibt es auch keine Verhütungsmittel mehr auf dem Markt zu erwerben. Außerdem bestimmt die Regierung den auszuübenden Beruf, sie verwaltet alle verfügbaren Ressourcen und entscheidet sogar über den Einsatz von Regen. Ziel ist es eine Gleichheit in der Bevölkerung zu erschaffen, die sowohl das Aussehen als auch den Charakter der einzelnen Menschen betrifft. Neva entwickelt immer größere Zweifel an der Regierung und an der Sinnhaftigkeit der Protektosphäre. Sie hat nur zwei Möglichkeiten, sich dem System zu unterwerfen oder Widerstand zu leisten. Sie tritt in die Fußstapfen ihrer verschwundenen Großmutter und entscheidet sich für letzteres, was für sie lebensbedrohliche Konsequenzen haben wird.

"Mein Netz aus Lügen wächst.
Bald weiß ich nicht mehr, was die Wahrheit ist."
(Seite 185)
Bei Neva handelt es sich um einen dystopischen Jugendroman. Scheinbar ist dieses Thema mittlerweile zu einem Trend geworden, den ich bisher aber verpasst habe. Dieser Roman war für mich der erste, der sich um beängstigende Zukunftsvision dreht, daher kann ich ihn auch nicht mit ähnlichen Werken vergleichen. Für mich ist diese Thematik neu und höchst interessant, denn einige Vorkommnisse sind gar nicht so unwahrscheinlich, wenn man sich die aktuelle Entwickelung der Gesellschaft anschaut, was solche Romane noch viel erschreckender wirken lässt.

Der Schreibstil von Sarah Grant hat mir sehr gut gefallen. Ihr Roman ist flüssig zu lesen und die Entwicklung des Charakters von Neva wurde gut beschrieben, von den ersten Zweifeln am System, über den ersten kleinen Widerstand und das endgültige Aufgeben ihres bisherigen Lebens, in der Hoffnung, dass es außerhalb der Kuppel mehr zu bieten hat. Das beklemmende Gefühl, welches für Neva Alltag geworden ist, überträgt sich gut auf den Leser, welcher selbst dazu animiert wird über diese Situation nachzudenken. Was würde man selbst tun, wenn man in dieser Protektosphäre gefangen wäre. Würde man den leichten Weg nehmen und sich dem vorgeschriebenem System beugen oder für seine Freiheit und seine Individualität kämpfen?

Der Roman bleibt die ganze Zeit über spannend. Immer wieder geht es kleine Erfolge für Neva und die anderen Widerständler, gefolgt von Rückschlägen und gefährlichen Situationen. Ich war daher bis zum Ende nicht sicher, wie der Roman ausgehen würde, auch wenn ich natürlich eine Vermutung hatte. Es tauchen immer wieder neue Charaktere auf, Neva muss Menschen vertrauen, wird dabei oft enttäuscht und kann es doch nicht ohne fremde Hilfe schaffen. Diese Hin- und Hergerissenheit verleiht dem Lesen das nötige Spannungsgefühl.

Die Covergestaltung ist dem PAN Verlag sehr gut gelungen. Mir gefällt es sehr, dass der Titel besonders geprägt und deshalb spürbar erhöht ist. Außerdem passt die Schneeflocke hervorragend zur Geschichte, da Neva von ihrer Großmutter immer so genannt wurde.

Ich hätte mir lediglich etwas mehr Tiefgang an einigen Stellen gewünscht. Nevas Mutter und ihre Großmutter spielen zum Beispiel eine wichtige Rolle, werden aber nicht so stark eingebunden, wie es ihre Charaktere eigentlich ermöglicht hätte, und auch über die Denkweise des Vaters dem System gegenüber hätte ich mir mehr Informationen gewünscht.


 Der Buchtrailer für euch


Fazit: Der Roman behandelt ein interessantes Thema, welches sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene gut umgesetzt wurde, und damit definitiv lesenswert ist.

  • Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
  • Verlag: PAN (14. März 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426283484
  • ISBN-13: 978-3426283486
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 13 Jahre

Ich bedanke mich ganz ♥-lich beim PAN Verlag für dieses interessante Rezensionsexemplar.


Kommentare:

  1. ... ist jetzt dank Dir auf meinem Wunschzettel gelandet.

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  2. Über solche Kommentare freue ich mich besonders :)

    LG Claudia

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