Freitag, 10. Juni 2011

[Rezension] Rollo, Gord - Amputiert

Michael Fox lebt seit ein paar Jahren auf der Straße und plant seinen Selbstmord. Quasi in letzter Sekunde erhält er ein merkwürdiges Angebot: Jemand bietet ihm 2 Millionen Dollar für seinen rechten Arm. Nach kurzem Zögern nimmt Michael den Deal an und erfährt kurz darauf, dass er nicht der einzige Spender sein wird. Ein brillanter Chirurg hat mehrere Männer in seine Privatklinik gebracht und erzählt ihnen die Beweggründe, warum er diese Körperteile benötigt. Alle erklären sich, natürlich unter Berücksichtigung der 2 Millionen Dollar, bereit ihm bei seinem Vorhaben zu unterstützen und willigen der OP ein. Aber dann wird Michael misstrauisch, was steckt wirklich hinter der Geschichte und kann er dem Chirurgen trauen?

Der Roman beginnt mit einer kurzen Einleitung über das bisherige Leben von Michael Fox. Diese ist ausreichend, damit der Leser nach und nach erfährt, wie Michael in seine verzweifelte Lage kam und warum er zustimmte, seinen rechten Arm für 2 Millionen Dollar zu verkaufen. Seine Geschichte wird durchgängig aus der Ich-Erzählperspektive geschildert, welche das ganze Geschehen sehr glaubhaft wirken lässt und den Leser noch stärker berührt.

"Dieser brillante Mann kämpfte seit Jahrzehnten gegen die Grenzen der Wissenschaft an [...]." (Seite 87)
Der größte Teil des Romans spielt sich in der Privatklinik des Chirurgen ab, der zwar ein genialer Wissenschaftler ist, aber dem Wahnsinn verfallen zu sein scheint. Er kennt keine Grenze mehr bzgl. Ethik und Anstand und versucht alles um sich seinen größten Wunsch selbst zu erfüllen.

Dieses Buch ist definitiv nichts für schwache Nerven oder Leser mit einem empfindlichen Magen. Es strotzt vor grausamen Taten und abgetrennten Körperteilen. Immer wenn ich dachte, was soll denn jetzt noch Geschehen - schlimmer, grauenhafter kann es doch nicht mehr werden, hat mich der Autor überrascht und noch eins oben drauf gesetzt, in dem das Grauen doch noch steigern konnte. Der Roman verleiht dem Leser fast durchgängig ein beklemmendes Gefühl und vermittelt eine düstere Atmosphäre, die besonders durch den Ich-Erzähler noch verstärkt wird und präsenter wirkt. Die Handlung ist schockierend und brutal. Immer mehr unfassbare Details werden bekannt gegeben und teilweise schreibt der Autor wirklich an der Ekelgrenze.

"Es heißt, das Frühstück sei die wichtigste Mahlzeit des Tages. Das mag sein, aber es ist auch die nervenaufreibendste, wenn man dabei versucht, ein Pokergesicht zu wahren, während dem Gastgeber bekannt ist, dass jemand am Tisch  mehr weiß, als er zugibt." (Seite 105)
Der Schreibstil ist einfach, aber gut. Er fesselt den Leser an die Geschichte und vermittelt eine Vielzahl an Gefühlen wie Trauer, Mitleid, Ekel und Angst. Der Roman ist als tolle Klappbroschur erschienen, deren Titel so geprägt ist, dass man ihn erfühlen kann.

Der Roman zwingt den Leser zum Nachdenken, ob er bereit wäre ein Körperteil für so viel Geld herzugeben oder ob das Geschehen wirklich so abstrus und realitätsfern ist. Ich fürchte nämlich, dass zumindest Ansätze davon gar nicht so abwegig sind. Wer gerne ekelerregende, grausame Bücher liest, wird sich bei diesem Buch sicherlich nicht langweilen, allerdings ist der Roman meiner Meinung nach erst ab 18 Jahren geeignet, Jugendliche würde ich es nicht lesen lassen.


Leseprobe

Fazit: Ein erschreckender Roman, der an die starken Nerven des Lesers appelliert.
  • Broschiert: 336 Seiten
  • Verlag: Otherworld (Januar 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3800095384
 Für das Rezensionsexemplar bedanke ich mich ganz ♥-lich bei


Kommentare:

  1. Ich habe das Buch auch gelesen und kann es bis jetzt mit keinem anderen Buch vergleichen. Das Grauen wohnt zwischen den Seiten und bis zum Schluss war ich dermaßen gefesselt, daß mich das Ende völlig umgehauen hat. Ich liebe dieses Buch!

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  2. Ich kann mich nur anschließen... dieses Buch weiß das Grauen in Worte zu fassen und bei mir gab es ab und an wirklich Szenen, da hab ich selbst Gänsehaut bekommen. Einfach nur genial !!!

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  3. Wow wie spannend. Klingt voll interessant. Muss ich haben. Danke, schöne Rezension. Lg Diti

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  4. @Merle, Schmitti: Schön, dass es euch genauso ging wie mir :)
    @Diti: Sehr gerne, und viel Spaß beim Lesen!

    LG Claudia

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  5. Klingt auch wieder super!

    Für meinen Lesesamstag: ACHTUNG: NEUER HASHTAG FÜR TWITTER: #FFSL (der andere hat was mit Sex zu tun und wird bombardiert mit einer Flut von Beiträgen).

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  6. danke für deine tolle Rezi, das Buch hat sich auch schon auf meine Wunschliste geschmuggelt

    LG Kerry

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  7. @Kerry: Danke für die Rückmeldung, das freut mich sehr! Hoffentlich gefällt es dir dann auch.
    LG Claudia

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