Samstag, 9. Juli 2011

[Rezension] Rylance, Ulrike - Emma im Knopfland: Eine verknöpft und zugenähte Geschichte

Da ihre Mutter für ein paar Wochen nach Afrika fliegt, muss Emma die Ferien bei ihrem Onkel Hubert und ihrer Tante Mechthild verbringen. Beide sind leicht verschroben und leben in einem großen Haus, in den dem sie alles sammeln, was man kostenlos erhalten kann. Eines Abends schleicht sich Emma in das Knopfzimmer. Als sie die verschiedenen Köpfe bestaunt, fängt plötzlich ein Knopf an mit ihr zu reden und auf einmal befindet sich Emma im Knopfland und ist selbst nur noch so groß, wie die anderen Knöpfe. Emma lernt viele Knöpfleute kennen, aber sie möchte unbedingt wieder zurück in die Menschenwelt. Ihre neuen Freunde helfen ihr dabei und müssen sie erst einmal vor der Knopfpolizei verstecken, die alle Nicht-Knöpfe verfolgt. Für Emma beginnt ein spannendes Abenteuer im Knopfland.

Im Knopfland begegnet Emma liebevoll erschaffenen Wesen. Die Knöpfe sehen aus wie Menschen, nur der Rumpf ist durch einen Knopf ersetzt. Die Art der Knöpfe spiegelt dann auch wieder, um was für Wesen es sich handelt. So sind die Wesen deren Knöpfe einen Stern enthalten die Cowboys oder die goldenen Uniformknöpfe stellen die Polizei dar. Es gibt aber auch zahlreiche Nicht-Knöpfe im Knopfland wie z.B. ein drahtiges Männchen (eine Büroklammer), den Sicherheitsdienst (Sicherheitsnadeln) oder Emma selbst (ein Kind). Die Lebensgeschichten der Knöpfe und Nicht-Knöpfe werden teilweise humorvoll, teilweise tragisch geschildert.

"Emma schauderte. Nicht nur gab es hier die bösartige Isolde, und nicht nur war es aus unerfindlichen Gründen schlecht, wenn man kein Knopf war - es gab auch noch ein furchtbares Monster, vor dem man sich hüten musste!" (Seite 39)

Ulrike Rylance hat mir ihrer verknöpft und zugenähte Geschichten (siehe Untertitel) eine wunderschöne Fantasiewelt erschaffen. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass es sich lohnen würde, eine Geschichte über Knöpfe zu erzählen, aber ich wurde eines besseren belehrt. Ein weiteres Highlight sind die tollen, detailreichen Illustrationen von Silke Leffler, die nicht nur das Cover, sondern auch jede einzelne Seite zieren und die Fantasie der Autorin hervorragend bildlich umsetzen.

Für Kinder beinhaltet das Buch außerdem eine wunderschöne Nachricht: Wahre Freunde können ganz unterschiedlich sein und müssen nicht aussehen wie man selbst. Es kommt nur darauf an, wie diese Personen handeln und so können auch vermeintlich Schwache zu Helden werden. Das Materielle ist nicht wichtig, sondern lediglich der Charakter.

Fazit: Ein wunderschönes Kinderbuch im fantastischen Knopfland, dass ich jedem nur empfehlen kann!

  • Gebundene Ausgabe: 100 Seiten
  • Verlag: Jacoby & Stuart (28. Februar 2011)
  • ISBN-13: 978-3941787285
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 4 Jahren
  • Autorenhomepage 

Kommentare:

  1. Das hört sich sehr interessant hat. Würdest du das Buch auch für Jungen empfehlen? Ich stelle fest, dass mein Sohn (6) bei weiblichen Protas oft das Interesse verliert. Anderseits aber wäre dieses Buch ganz sicher etwas für ihn.
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!
    Viele Grüße
    Sinje

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  2. Hallo Sinje!

    Ich würe schon sagen, dass das Buch auch gut von Jungs gelesen werden kann, es sei denn, sie denken bei Knöpfen gleich an Nähen und verbinden das mit Frauen ;)
    Ansonsten ist das Buch nicht typisch "weiblich", bietet Cowboys und Polizisten und eine interessante Story, auch für Jungs.

    LG claudia

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  3. Liebe Claudia,
    vielen Dank!
    Ich denke, ein Schulanfangsbuch ist somit gefunden.
    Viele Grüße in die neue Woche
    Sinje

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