Freitag, 15. Juli 2011

[Rezension] Rylance, Ulrike - Villa des Schweigens

Nina kann ihr Glück kaum fassen, als sie ein preiswertes WG-Zimmer in einer großen Villa findet. Sie freut sich so sehr darüber, dass sie ihr mulmiges Gefühl verdrängt und einzieht. Kurz danach verschwinden aber Sachen aus ihrem Zimmer und unbekannte Gegenstände tauchen plötzlich auf, sie findet Kleidungsstücke mit Blutspuren und merkwürdige Notizen, deren Aussagen sie nicht versteht. Als Nina nach einer Party auch noch ein Mädchen tot auf dem Flur findet, verwandelt sich ihr Aufenthalt in einen Horror-Erlebnis, aus dem sie ausbrechen muss.


Bei dem Roman "Villa des Schweigens" handelt es sich um einen fesselnden Jugendkrimi, der wirklich sehr gelungen ist. Zunächst ist die Protagonistin Nina, aus deren Sicht der Roman geschildert wird, sofort sympathisch. Aber auch alle anderen Mitbewohner kommen nicht zu kurz, verfügen über gut ausgearbeitete Charaktere und der Leser erfährt nach und nach mehr über deren Leben und ihre Vergangenheit, die so manch Erschreckendes zu Tage fördert.

"Den ganzen Abend lang habe ich das Mädchen beobachtet. Habe vor Wut meine Faust so sehr gepresst, dass sich die Fingernägel in mein Fleisch gebohrt haben. Habe mit ihr geredet und mir dabei vorgestellt, wie sie aussieht, wenn sie heult. Winselt. Mich anfleht. Eine schöne Vorstellung." (Seite 32)
Der Schreibstil von Ulrike Rylance gefällt mir sehr gut und der Roman ist durchgängig flüssig geschrieben und schildert das Verhalten der Jugendlichen jederzeit auf eine authentische Art und Weise. Die einzelnen Erlebnisse und die Erkenntnisse aus der Vergangenheit der WG-Bewohner werden gekonnt mit einander verknüpft und so ist lange nicht klar, wer der Täter ist. Immer wieder wird ein anderer Bewohner in den Vordergrund gerückt und könnte durch sein Verhalten oder sein Motiv für den Tod des Mädchens verantwortlich sein - verdächtig verhält sich nämlich fast jeder. Dadurch ist das Buch sehr spannend und hat mich fesseln können, so dass ich den Roman in einem Schwung durchgelesen habe.

"Von Anfang an hatte die Villa etwas Unheimliches an sich gehabt, ich hatte es nur nicht wahrhaben wollen." (Seite 154)
Die unheimliche Stimmung in dem Roman wird besonders durch kleine Textpassagen verursacht. Diese sind von den anderen Kapiteln sichtlich abgegrenzt und erzählen von den makaberen Gedanken des Täters und seinen morbiden Plänen. Es handelt sich dabei jeweils nur um wenige Zeilen, aber diese vermögen es perfekt die Stimmung anzuheizen und den Gruselfaktor zu erhöhen. Als Erwachsener wurde ich sehr gut von dem Roman unterhalten und ich bin sicher, dass dieser ebenso Teenager begeistern kann, die gerne spannende Jugendbücher lesen.


Fazit:  Ein spannender Jugendroman, der absolut empfehlenswert ist.

  • Taschenbuch: 240 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Februar 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3423782494
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 16 Jahre
  • Autorenhomepage 

    1 Kommentar:

    1. Schöne Rezension. Das Buch klingt echt gut. Bei dem Cover hätte ich nie gedacht, dass es sich um einen Jugendkrimi handelt. Liebe Grüße, Diti

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