Donnerstag, 22. September 2011

[Rezension] Herrmann, Elisabeth - Zeugin der Toten

Judith Kepler ist ein Cleaner. Sie sorgt also dafür, dass Wohnungen in denen Menschen starben oder ermordet wurden, wieder bewohnbar werden. Ein ziemlich dreckiger Job, aber einer muss ihn ja machen. An einem Tatort entdeckt sie beim Reinigen Hinweise darauf, dass die ermordete Frau ihr Geheimnis kannte, denn Judith wuchs als Kind in einem Heim auf. Ihre Herkunft ist unbekannt und bei der Aufnahme ging etwas nicht mit rechten Dingen zu. Als Judith anfängt Nachforschungen über ihre eigene Vergangenheit und die damaligen Umstände zu betreiben, schafft sie es schnell, sich mächtige Gegner zu zulegen.

Die Kurzbeschreibung des Romans sprach mich von Anfang an. Ich lese unheimlich gerne Krimis und Thriller, habe aber noch nie einen Roman aus der Sicht eines Cleaners gelesen und war unglaublich auf Judiths Perspektive gespannt. Am Anfang der Geschichte erhält der Leser einen guten Einblick in ihren Tagesablauf und ihren Joballtag, danach verliert sich der Fokus allerdings in einer anderen Handlung.

Ich hatte vorher bereits erfahren, dass der Roman etwas mit der DDR zu tun hat und es um Vorfälle geht, die immer noch tot geschwiegen werden und nicht vollends aufgeklärt wurden. Dieses hat mich ebenfalls interessiert, die Umsetzung hingegen konnte mich dann nicht ganz überzeugen. Der Einstieg in den Roman fiel mit bei den Passagen aus Judiths Leben sehr leicht, der Schreibstil war angenehm. Aber bereits am Anfang gibt es sehr ausführliche Ausblicke in den Bereich der Geheimdienste, dabei werden die Stasi und der BND ausführlich beleuchtet. Dieser Teil der deutschen Vergangenheit ist an sich recht interessant und scheint vor allem von der Autorin Elisabeth Herrmann sehr gut recherchiert zu sein, aber mir gingen diese Ausblicke teilweise zu tief. Sie haben mir zu viele Informationen geboten, die ich nicht wissen musste und die mich nicht gereizt haben, und so sind für mich etliche Längen im Roman entstanden.

Der Schreibstil ist toll, ich mochte die Protagonistin Judith sehr gerne, aber thematisch hatte ich mir etwas anderes vorgestellt. Des Weiteren konnte mich der Roman auch bezüglich des Spannungsniveaus nicht begeistert, vielleicht auch nur aufgrund der von mir empfundenen Längen. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass Leser, die sich für diese Thematik (DDR, Geheimdienste, Stasi) sehr interessieren, das Buch gerne lesen und informativ finden werden.



 Buchtrailer

Video zur Buchpremiere


Fazit:  Ein Kriminalroman mit Augenmerk auf die Stasi, der eine sehr interessante Grundidee bietet, deren Umsetzung aber eher etwas für Leser ist, die sich speziell für diese Thematik interessieren.

  • Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
  • Verlag: List Hardcover (2. März 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3471350373
  • ISBN-13: 978-3471350379
  • Verlagsgruppe:




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