Dienstag, 15. November 2011

[Rezension] Schwindt, Peter - Lebenslang

Es sollte ein lustiger Abend werden, denn Familie Steilberg hatte ein paar Freunde zu sich eingeladen, um lecker zu Grillen und das Eröffnungsspiel der Fußballweltmeisterschaft zusammen zu sehen. Für das leibliche Wohl fehlten nur noch ein paar Kleinigkeiten, die die zehnjährige Tochter Julia schnell im Supermarkt besorgen wollte. Als sie jedoch nach zwei Stunden immer noch nicht wieder zuhause war, alarmierten die Eltern die Polizei und ihr Alptraum begann. Ab diesem Zeitpunkt scheint ihr Leben nur noch aus der verzweifelten Suche nach Julia, zahlreichen Schuldzuweisungen untereinander und einer merklichen Entfremdung zwischen den Elternteilen zu bestehen.

"Lebenslang" schildert ein beklemmendes Szenario. Zu oft musste man bereits in den Zeitungen oder im Fernsehen von verschwundenen Kindern lesen und hören und keiner kann behaupten, er wüsste, was die Eltern durchmachen würden. Peter Schwindt hat sich an dieses schwierige Thema herangewagt und seinen Roman -ein Thriller, kein Erfahrungsbericht- aus Sicht des Vaters geschildert. Diese Perspektive fand ich sehr interessant und ungewöhnlich, da Thriller doch sehr oft auf die Sicht des Ermittlers oder des Täters zurückgreifen.

"Ich klappe das Buch zu und stelle es zurück ins Regal. Wenn Julia wiederkommt, soll sie es weiterlesen. So lange werde ich einfach so tun, als hätte ich es nicht gesehen. Als ich gehe, lasse ich das Licht an, denn die Nacht bricht herein, dunkel und schwer." (Seite 52)
Glaubhaft schildert der Autor, welches Leid die Eltern erleben müssen, welche Stufen der Verzweiflung sie durchlaufen und wie unterschiedlich jeder Mensch mit solch einem Schicksalsschlag umgeht. Während die einen darüber reden müssen, möchte sich die anderen am liebsten ins Bett verkriechen und nie wieder mit jemandem sprechen. Das solch eine Extramsituation eine Ehepaar auseinander brechen zu droht zeigt Schwindt ebenso glaubhaft auf, wie das Verhalten der Polizei und der Presse.

Zusätzlich zu diesem Handlungsstrang liefert der Autor etliche Kapitel aus der Sicht von Yvonne, einer Frau mit epileptischen Anfällen, deren Bedeutung man lange Zeit nicht mit dem Verschwinden von Julia in Zusammenhang bringen kann. Die späte Aufklärung über die Verbindung kam für mich überraschend und das Verknüpfen der Handlungsstränge ist Schwindt sehr gut gelungen.

Der Roman lässt sich flüssig lesen und ist interessant geschrieben. Die Charaktere wirken durchweg authentisch und besonders die Auflösung hat mir gut gefallen. Ich hätte mir für einen Thriller lediglich etwas mehr Spannung gewünscht. Die Story ist durchgehend interessant, aber das Spannungsniveau für einen Thriller meistens nicht hoch genug. Nichtsdestotrotz ein sehr gelungener Roman, den ich weiter empfehlen kann.

Fazit:  Ein Thriller, der etwas mehr Spannung vertragen könnte, aber eine sehr gute Story bietet.

  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Erscheinungstermin: November 2011
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492264654
  • ISBN-13: 978-3492264655
  • Verlag:



1 Kommentar:

  1. Hat der Autor das irgendwie recherchiert oder, was schlimmer wäre, selbst sowas irgendwie miterlebt oder wie kann er sich da so reinfinden?
    Im übrigen sind Thriller, laut klassischer Defintion, aus Opfer-oder Tätersicht geschrieben. Ist es aus Ermittlersicht vermischt es sich mit einem Krimi *klugscheiß* ;o) Da es heir um den Vater geht, würde ich das durchaus als Opfer verstehen!

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