Samstag, 10. Dezember 2011

[Adventskalender 2011] - Tag 10



„Dann warst du wahrscheinlich auch derjenige, den ich heute Nacht an der Tür gehört habe?“  
„Ja, dabei habe ich mich echt bemüht, leise zu sein. Sorry, wenn ich dich gestört habe.“ 
„Nein, nein, ich war noch wach. Ansonsten hätte ich dich bestimmt nicht gehört“, entgegnete ich und goss mir eine Tasse Kaffee ein. „Kommst du immer erst nachts?“ 
„Mhm …“, machte er zwischen einem Löffel Eiscreme. „Sagen wir`s mal so, ich komme auch in der Nacht. Das hat so gewisse Vorteile, zumal ich dann den neugierigen Blicken von Mrs Ward entgehen kann.“
„Wohnt Mrs Ward auch in diesem Haus?“ 
„Oh ja“, seufzte Nora. „Direkt unter uns, das Fenster neben dem Eingang gehört zu ihrer Wohnung. Du musst wissen, dass sie gerne rumschnüffelt und immer alles wissen muss. Deinen Einzug hat sie übrigens auch hinter der Gardine mit verfolgt. Ihr rosa Kleid hat sich einfach zu stark von der weißen Gardine abgehoben, ich konnte sie gar nicht übersehen.“
Ich lachte. „Oh je, das hört sich ja schlimmer an, als die Polizei. Aber dann bist du ja wahrscheinlich heute Nacht unbeobachtet ins Haus gekommen, denn da wird sie bestimmt geschlafen haben.“
„Sie schon. Aber Charles hat angeschlagen, als ich den Flur betreten habe.“
„Leidet Mr Ward denn unter Schlaflosigkeit?“, wollte ich wissen, wobei ich Mr Ward still und heimlich bemitleidete, da ich aus erster Hand wusste, wie belastend das Nichtschlafen auf Dauer sein konnte. 
„Nee, Charles ist nicht ihr Ehemann“, erklärte Nate, wobei er den Namen nasal wie ein royaler Butler betonte und dabei seine Augen verdrehte. „So heißt ihr Welsh Corgi. Das ist so ein walisischer Zwerghund. Queen Elisabeth hat auch eine ganze Armee dieser Hunde.“
„Du musst wissen, Mrs Ward ist ein großer Fan der Queen und ich bin mir sicher, dass sie es immer noch nicht aufgegeben hat nachzuforschen, ob sie nicht doch über zehn Ecken mit ihr verwandt ist.“                             
„Hört sich fast nach einem Trauma an“, stellte ich fest. „Weißt du, ich glaube ja, dass Charles nur eine bequeme Tarnung für Mrs Ward ist, damit sie beim Spazierengehen unauffällig in alle möglichen Ecken in der Nachbarschaft umherstreifen und ihre Nase in Dinge stecken kann, die sie überhaupt nichts angehen.“ 
Kopfschüttelnd schüttete ich Milch über meine Weetabix. 
„Du lieber Himmel, hört sich nach einer anstrengenden Person an.“ 

Ich entdeckte eine Obstschale mit grünen und roten Äpfeln auf dem Sideboard, an dem Nate als nächster saß.
„Könntest du mir bitte einen roten Apfel geben?“, fragte ich ihn.
„Klar.“ Nate griff nach einem kleinen grauen Gerät, das neben seiner Tasse lag. Es hatte zwei weiße Knöpfe, ähnlich wie eine Fernbedienung. Nate hielt den Apparat an einen Apfel. Grün sagte eine digitale Frauenstimme. Ich runzelte die Stirn und schaute Nora fragend an.
„Nate ist farbenblind. Aber mit dem Farberkennungsgerät ist das alles kein Problem.“ 
Rot meldete die Frauenstimme und Nate reichte mir den Apfel. „Danke“, sagte ich verwundert und schaute fasziniert auf das Gerät. Ich hätte Nate gerne nach seiner Farbblindheit befragt, doch ich wollte nicht so neugierig, wie Mrs Ward wirken und entschied mich dagegen. 
„Kein Problem.“
Ich entkernte das Obst, schnitt es in kleine Schnitzel und vermengte diese mit den Zerealien.

„Hast du schon irgendwelche Pläne für die nächsten Tage?“, wollte Nora wissen. 
„Ich wollte heute noch ein wenig in meinen Studienunterlagen lesen, damit ich die Kursräume auch pünktlich finde. Morgen ist mein erster Studientag und ehrlich gesagt bin ich ziemlich aufgeregt.“ 
„Was studierst du eigentlich?“ 
„Stimmt, hatte ich noch gar nicht gesagt. Fashion Design am London College of Fashion.”
Nate pfiff durch die Zähne. 
„Nicht schlecht.”
„Ähm ja, und nach den morgigen Kursen wollte ich dann noch schauen, dass ich einen Nebenjob finde. Sonst kann ich nur wohnen, aber nichts essen.“ 
„An was hattest du denn gedacht?“, fragte Nate. „Schwebt dir was Bestimmtes vor?“
„Nö. Ist ganz egal. Hauptsache ich verdiene Geld.“
Er rieb sein Kinn.
„Könnte sein, dass ich da was für dich habe.“
 © Emily Kay


Emily Kay und ich sind sehr gespannt, wie euch die Story bisher gefällt, daher freuen wir beide uns über jedes Feedback, gerne hier als Kommentar. Emily Kay wird nämlich hier vorbei schauen, um sich eure Meinung anzuschauen, von daher einfach fleißig kommentieren und eure Meinung kund tun :)


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