Sonntag, 11. Dezember 2011

[Adventskalender 2011] - Tag 11


Am Nachmittag kurvten wir in Nates 70er Jahre Mercedes–Benz mit den roten Ledersitzen durch Harrow zum Sportzentrum, den Ort meines vielleicht zukünftigen Jobs.
Es stellte sich heraus, dass Nate professioneller Fahrer in einem BMX–Team war, das im Wheelscape Skatepark regelmäßig trainierte und an Wettkämpfen teilnahm.
Rick, der Geschäftsführer der Anlage, suchte schon länger nach einem Mitarbeiter für die Kasse, und nachdem Nate ihn angerufen und von mir erzählt hatte, bekam ich sofort einen Vorstellungstermin. In Newcastle hatte ich an der Kinokasse des örtlichen Multiplex gejobbt, sodass es mir sehr entgegenkam, dass meine zukünftige Arbeit ähnlich sein würde. Wir fuhren am Pinner Park vorbei, bogen ein paar Mal ab und erreichten dann schließlich die Parkfield Ave. Zwischen typisch englischen Reihenhäusern erhob sich der moderne Komplex, dessen Dach aus einer überdimensional großen Glaskuppel bestand. Wir hielten auf dem großzügigen Parkplatz.

Als ich aus dem Wagen stieg, hörte ich von Weitem schon das charakteristische Klappern der Skateboards. 
„Ist der Skatepark draußen?“, fragte ich.
„Ja, auch. Es gibt einen Outdoor–Park und eine Indoor–Box“, erklärte Nate, während wir den Parkplatz überquerten und zu dem Sportzentrum gingen. „Den Outdoor–Park gibt`s schon seit den 70er Jahren und erst später in den 80ern wurde dann die Sportanlage und auch die Indoor–Box gebaut.“
„Ach so, ich dachte schon, ich müsste draußen arbeiten.“ „Nein, die Kasse ist drin. Es gibt übrigens auch noch ein Schwimmbad mit Außenbereich, eine Billard Lounge und einen Schnellimbiss im Gebäude.“
Harrow Leisure Centre stand in roter Schrift über dem Eingang, vor dem ein Grüppchen Mädchen mit Fahrrädern wartete. Nate hielt Nora und mir die verglaste Eingangstür auf. Im Sportzentrum herrschte reges Treiben. Die großzügige Billard Lounge erstreckte sich gleich hinter dem Eingang, bestand aus zehn mit grünem Tuch bezogenen Tischen, an denen Spieler jeder Altersklasse mit einem Queue versuchten bunte Kugeln einzulochen. Hip–Hop Beats dröhnten aus den Lautsprechern der Flachbildschirme, die an den Wänden angebracht waren. Ich registrierte, dass der neuste Musikclip von Jay–Z gezeigt wurde. Rechts von mir befand sich die Theke des kleinen Imbisses, den Nate erwähnt hatte. Auch dort war jeder Platz durch speisende Gäste belegt. Der Geruch von frittiertem Fish and Chips zog in meine Nase, vermischt mit einer dezenten Chlornote, die zweifelsohne vom angrenzenden Schwimmbad kam. Wir durchquerten die Lounge und gelangten zum Kassenbereich, hinter dem es links in die Skatehalle ging oder rechts zum Schwimmbad mit der grünen Außenrutsche. Ein Mädchen in einem bordeauxroten Baseballshirt mit kurzen roten Haaren drehte uns den Rücken zu und hängte Spindschlüssel an nummerierte Haken.

„Hey Kat“, sprach Nate sie von hinten an und lehnte sich in seinem knielangen Fellmantel lässig an die Theke. 
 Kat drehte sich zu uns. 
„Hi Bedhead, hi Nora“, sagte sie erfreut, auf dem Hemd prangte in gelber Stickschrift Harrow Leisure Centre und darunter trug sie ein Schild auf dem in schwarzen Druckbuchstaben Service: Katharina Ashton gedruckt stand.  „Wen bringt ihr denn mit?“, fragte sie Nate und Nora und dann an mich gewandt:„Hi, ich bin Kat.“
Wir schüttelten uns die Hände.
„Hey Kat, ich bin Amy. Die neue Mitbewohnerin von Nora.“ 
„Ach so, ich weiß Bescheid, dann bist du diejenige, die den Kassenjob haben will. Sagt das doch gleich … ähm, Rick!“ 
Kat drehte sich suchend zur Seite und winkte dann einem etwa fünfzigjährigen, schmächtigen Mann mit einem langen blond-grauen Zopf, der bunte Flyer am schwarzen Brett neben dem Imbiss befestigte.

Ich spürte, wie Nervosität in mir aufkam. Würde ich den Job überhaupt bekommen? Ich sandte ein lautloses Stoßgebet zum  Himmel, als Rick mit schlurfenden Schritten auf uns zu kam. Er humpelte leicht. Rick begrüßte uns und erklärte mir dann ohne Umschweife, worauf es bei dem Job ankam. Kassieren, Tickets ausgeben und auch nett zu schwierigen Kunden sein, das kannte ich bereits vom Kino. Hinzu kam noch das Ausgeben von Spindschlüsseln, Zehnerkarten abstempeln und der gelegentliche Verkauf von Schwimmbrillen. Wir einigten uns schnell auf fünf Arbeitstage in der Woche, jeweils für drei Stunden und fünf Pfund pro Stunde. Ich atmete erleichtert auf, als Nate und Nora mir nach dem Gespräch die Anlage zeigten. Endlich musste ich mir keine Gedanken mehr machen, woher ich das nächste Frühstück bekam. Zuerst besichtigte ich das Schwimmbad, die weitläufigen Rasenflächen, die sich um die Außenpools säumten und das Beach–Volleyball-Feld, abseits der Liegewiesen. Danach folgte ich den beiden über einen Trampelpfad zu einer Tür an der Rückseite einer Halle. Nate klopfte einige Male gegen das kleine Fenster neben der Tür, hinter der sich ein Büro befand. Ein kahlrasierter schlaksiger Skater öffnete und ließ uns hinein.                                                       

© Emily Kay


Emily Kay und ich sind sehr gespannt, wie euch die Story bisher gefällt, daher freuen wir beide uns über jedes Feedback, gerne hier als Kommentar. Emily Kay wird nämlich hier vorbei schauen, um sich eure Meinung anzuschauen, von daher einfach fleißig kommentieren und eure Meinung kund tun :)


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen