Mittwoch, 14. Dezember 2011

[Adventskalender 2011] - Tag 14


Nate und Bucks lehnten an der hüfthohen Kassentheke, als wir das Leisure Centre betraten. Nate schaufelte eine Portion Fish and Chips in sich hinein, während Bucks offenkundig mit Kat flirtete, deren gerötete Wangen keinen Zweifel daran ließen, dass ihr dies sichtlich schmeichelte. In ihrem kurzen Haar trug sie ein blaues Haarband mit weißen Tupfen. Sie grinste mich an, als sie mich entdeckte.
„Oh, da ist Amy!“
„Hi Leute. Sorry, dass ich jetzt erst komme, aber an der Notting Hill Gate Station ging gar nichts mehr. Die Züge sind ganze zwanzig Minuten nicht gefahren“, entschuldigte ich mich, ging in den Kassenbereich und stellte meine Tasche ab.
„Tja, ich würde mal sagen, willkommen bei der Londoner Bahn. Kein Problem. Das passiert öfters, da muss man sich dran gewöhnen“, winkte Kat ab.
„Danke Kat. Oh, das ist übrigens Jarvis, mein bester Freund“, ich lehnte mich über die Theke und zog dabei an der Kordel seines Pullis. „Ich hatte ihm eigentlich eine Führung versprochen, aber dafür ist es jetzt zu spät“, sagte ich, wobei ich Nate einen bittenden Blick zu warf. 
„Kein Thema, dann werde ich dich doch glatt mal spontan vertreten. Mein Kumpel und ich wollten eh noch die Pipe rocken. Ich bin übrigens Nate und das ist Bucks.“ 
„Hey Nate, cool von dir.“
„Geht klar.“

Wenig später schoben Jarvis, Nate und Bucks zur Halle vom Wheelscape ab. Ich zog rasch mein Baseballshirt über, steckte mir den Service Button an und löste Kat ab.
Es piepte, als ich die Registrierkarte am PC durchzog, um mich im System anzumelden. Mein Name erschien auf dem Flachbildschirm, verbunden mit der Aufforderung in das untere Feld mein Passwort einzugeben. Wieder verschwamm alles, schwarze Punkte sprenkelten meine Sicht. Die Buchstaben auf der Screen waren bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, selbst das über dem Eingang angebrachte leuchtende Reklameschild nahm ich nur undeutlich wahr. Ich blinzelte kurz, doch alles um mich herum zeigte sich weiterhin unscharf. Mit kreisenden Bewegungen massierte ich mir die pulsierenden Schläfen und schloss die Augen. Ich spürte Unruhe in mir aufkommen. Was konnte das nur sein? Der Schmerz vom Nacken strahlte bis in den Kopf, es fühlte sich an, als hätte mir dort jemand einen Schraubstock eingepflanzt.
„Ich geh dann jetzt – ähm, alles klar mit dir?“ Kat stand neben mir und beäugte mich aufmerksam. 
„Ach, ich habe irgendwie tierische Kopfschmerzen und es wird nicht besser. Gerade konnte ich das Display vom Bildschirm gar nicht mehr erkennen. Alles verschwommen.“
„Meinst du denn, dass du die Schicht überhaupt schaffst? Du siehst total kalkig aus und deine Augenringe sind echt Horror-Streifen verdächtig.“  
„Ja, es wird schon irgendwie gehen“, sagte ich wenig überzeugend. 
„Mhm …“ Kat schaute mich unschlüssig an, öffnete dann den Reißverschluss ihres Rucksacks und zog das rote Shirt heraus. „Weißt du, ich möchte nächsten Samstag unbedingt zum Kings of Leon Konzert und ich habe mich schon grün und blau geärgert, dass ich ausgerechnet an dem Abend eine Schicht habe. Aber wenn du mich vertrittst, könnte das klappen.“

Sie schlüpfte in das Baseballshirt und brachte den Button über ihrer Brust an.
Meine Finger umklammerten die gepolsterte Sitzfläche des Drehstuhls, auf dem ich saß. Ich hatte das Gefühl, kurz vor einer Besinnungslosigkeit zu stehen. Das Dröhnen in meinem Kopf schwoll an und erreichte die Intensität eines Presslufthammers. Ich hörte, was Kat sagte und doch konnte ich es nicht wirklich verstehen. „Ok“, murmelte ich.
Kat trat an meinen Platz und blickte mich erwartungsvoll an, als ich keinerlei Anstalten machte mich zu rühren. „Lässt du mich wieder an den Schalter?“
Irritiert strich ich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, ich verstand immer noch nicht, was Kat von mir wollte. „Wieso?“
„Weil ich jetzt deine Schicht übernehme, damit du dich zu Hause ins Bett legen kannst, um gesund zu werden“, sagte sie eindringlich. „Und du wirst dafür meine Schicht am Samstag übernehmen. Alles klar?“ 
„Oh. Das ist gut.“ Eines Schlafwandlers gleich, glitt ich vom Stuhl um ihn Kat zu überlassen.
„Soll ich nicht vielleicht besser einen Arzt rufen? Oder jemanden, der dich begleitet?“
Ich schüttelte den Kopf. „Nein, nicht nötig. Ich schaffe das schon noch bis nach Hause.“
„Na gut, aber sieh zu, dass du ganz schnell in die Koje kommst. Versprochen?“
Ich nickte stumm und wandte mich um zum Gehen, drehte mich dann aber nochmal zu ihr. „Sagst du Jarvis Bescheid?“ 
„Klar. Als ich vorhin ins Wheelscape reingeguckt habe, war er schwer mit einem Skateboard in der Halfpipe beschäftigt. Ich kümmere mich darum, dass er dich nachher nicht sucht.“
„Danke Kat.“
„Keine Ursache. Und gute Besserung.“   

© Emily Kay

Emily Kay und ich sind sehr gespannt, wie euch die Story bisher gefällt, daher freuen wir beide uns über jedes Feedback, gerne hier als Kommentar. Emily Kay wird nämlich hier vorbei schauen, um sich eure Meinung anzuschauen, von daher einfach fleißig kommentieren und eure Meinung kund tun :)


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