Sonntag, 4. Dezember 2011

[Adventskalender 2011] - Tag 4


 
„Amy, diese Show mit dem Leichenwagen war wirklich extrascharf und mega abgefahren. Aber ich wusste sofort, dass du die richtige Mitbewohnerin bist.“ 
„Wieso?“, lachte ich. „Wie viele haben denn noch angerufen, aus denen du hättest auswählen können?“
„Keine Ahnung“, sagte sie achselzuckend. „Ich bin nach deinem Anruf nicht mehr ans Telefon gegangen.“  

Das Zimmer war größer, als meins, das ich in Newcastle bei meinen Eltern bewohnte. Es war hell und ganz in weiß eingerichtet. Die Möbel sahen nagelneu aus, als wäre ich die erste Nutzerin. Ich schaute durch das Fenster des Raumes, hinaus in einen kleinen Garten.
„Und? Gefällt`s dir?“
„Ja, es ist toll“, ich strich mit meiner Hand über die glatte Schreibtischplatte und blickte mich um. „Es sieht alles so neu aus. Man könnte fast meinen, dass in dem Bett vor mir noch nie jemand geschlafen hat.“ 
Ich deutete auf das bequem aussehende Nachtlager neben dem Fenster. 
„Und das stimmt sogar“, antwortete Nora. „Vor dir hat meine Schwester in dem Zimmer gewohnt. Aber dann ist sie Hals über Kopf zu ihrem Internet - Lover nach Manchester gezogen und hat ihre gesamten Möbel mitgenommen. Nate und ich haben das Zimmer komplett neu gestrichen und eingerichtet. Du bist meine erste Mitbewohnerin und wirst deinen Rücken heute Nacht auf eine, tadaaa, garantiert absolut jungfräuliche Matratze betten.“ 

Nora strahlte und machte dabei eine präsentierende Bewegung mit ihren Armen.  
„Wow“, sagte ich überrascht. „Das … ist echt cool. Danke.“  In dem Moment sprang eine getigerte Katze auf die Tagesdecke des Bettes und ließ sich behaglich darauf nieder.
„Also, Mr Bilbo! Macht man sowas? Du hast Amy ja noch nicht mal gefragt, ob du das darfst“, schimpfte Nora. „Sieh zu, dass du da schleunigst runter kommst.“ 
Ich setzte mich zu Mr Bilbo auf das Bett und kraulte ihn hinter den Ohren. Sein Fell glänzte und fühlte sich seidig an. Mr Bilbo grunzte einmal laut, bevor er zu schnurren begann.  
„Ist das dein Kater? Weswegen du mich am Telefon gefragt hast?“  
„Ähm, ja. Tut mir echt leid, dass er so vorwitzig ist, aber Mr Bilbo ist es gewöhnt, überall hingehen zu können. Falls er dich stört, dann schmeiß ihn einfach raus und mach die Tür zu.“ 
„Nein, nein! Ist schon gut. Ich mag Katzen“, winkte ich ab, während sich Mr Bilbo auf den Rücken drehte und ganz lang streckte.
„Ok. Dann lass ich dich mal alleine. Du willst sicherlich erst mal auspacken. Ich bin in der Küche, wenn du was brauchst.“ Nora verließ den Raum und wenig später hörte ich geschäftige Klappergeräusche.
Ich packte meine ganzen Sachen aus und verstaute sie an die dafür vorgesehenen Schränke. Auf dem Schreibtisch platzierte ich mein Notebook und die restlichen Bücher und CDs, die nicht mehr auf die Regalbretter passten. Schließlich entrollte ich ein Schwarzweißposter von Ville Valo und befestigte es an der Wand über meinem Bett und trat einen Schritt zurück, um es zu betrachten. 

Ich war mir sicher, Nora würde begeistert davon sein. Einen ähnlichen Musikgeschmack schienen wir jedenfalls zu haben, auch wenn man mir das nicht auf den ersten Blick ansah. Ich bewunderte Nora für ihr Styling, ihre Tattoos und Piercings. Ich würde mich nie trauen so ausgefallen zu sein, beziehungsweise aufzufallen. Klar schminkte ich mir meine Augen auch dunkel, Smokey Eyes eben. Aber das machten viele Mädchen und war nicht mit dem vergleichbar, wie Nora sich schminkte und stylte. Dazu gehörte selbst in London eine gehörige Portion Mut und Selbstbewusstsein. Gedankenverloren strich ich durch mein blondes Haar und zwirbelte mir dabei eine Strähne um den Finger. Wie oft hatte ich schon davon geträumt, mir die Haare schwarz zu färben, mich am Ende aber nicht getraut. An Tattoos gar nicht zu denken. Diese Körperkunst bestaunte ich immer nur sehnsüchtig an anderen aus der Ferne. 

Dann sah ich mich in meinem neuen Zimmer um. Es machte den Eindruck, als hätte ich dort schon immer gewohnt und es fühlte sich richtig an. Ich konnte mir gut vorstellen, dass ich mich schnell in das mintfarbende Puppenhaus einleben würde. Mr Bilbo schlief immer noch grunzend auf meinem Bett. Er ließ sich beim Schlafen nicht stören, während um ihn herum gestellt und geräumt wurde. Ich schaute noch einmal zu Ville Vallo an die Wand, grinste ihn schief an und verließ den Raum.                                                            
© Emily Kay




Emily Kay und ich sind sehr gespannt, wie euch die Story bisher gefällt, daher freuen wir beide uns über jedes Feedback, gerne hier als Kommentar. Emily Kay wird nämlich hier vorbei schauen, um sich eure Meinung anzuschauen, von daher einfach fleißig kommentieren und eure Meinung kund tun :)


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