Mittwoch, 7. Dezember 2011

[Adventskalender 2011] - Tag 7



„Es ist so, dass du einen neuen Mann kennenlernen wirst …“ 
„Ha! Ich wusste es“, unterbrach Jerome Noras Zukunftsprognose und warf mir einen triumphierenden Blick zu.
„Jerome, du bist wirklich unmöglich. Es ist immer das Gleiche mit dir. Wann lernst du endlich mal mich ausreden zu lassen?“, ermahnte Nora ihn scherzhaft, dabei zuckte es verdächtig um ihre Mundwinkel.
„Jaaa, ich weiß. Ich werde ab jetzt nichts mehr sagen und nur zuhören. Versprochen.“ 
„Wie gesagt“, nahm Nora den Faden wieder auf. „Du wirst tatsächlich einen Mann kennenlernen“, wiederholte sie, während sich in Jeromes Gesicht ein befriedigendes Lächeln ausbreitete. „Es wird ein jüngerer Mann sein, sportlich, laut Karte.“ Nora tippte auf eine Karte, die einen Mann auf einem Pferd zeigte. „Eure Begegnung wird in den Abendstunden, bei einer Party stattfinden.“ Jetzt wies sie auf das Sternmotiv und den Park.  
Jerome grinste mittlerweile so breit wie ein Honigkuchenpferd. 
„Aber wenn ich die Karte korrespondiere, fällt sie direkt auf die vierzehn und das ist der Fuchs. Der Fuchs ist allerdings eine Warnkarte. Dieser Mann, den du kennenlernen wirst, wird nicht ehrlich zu dir sein. Er wird dich in irgendeiner Form belügen. Der anfänglich scheinbar perfekte Typ hat einen ganz großen Haken im Hinterhalt und ich tippe da mit ziemlicher Sicherheit auf einen Nebenbuhler.“
Nora zeigte nun zu einer Spielkarte, die das Skatmotiv des Kreuz Buben und zwei Ruten zierte. Jeromes Grinsen verschwand, dafür wölbte sich nun eine Sorgenfalte auf seiner Stirn. 
„Mist. Warum kann ich nicht ein einziges Mal Glück mit den Männern haben?“, klagte er und fuhr sich mit den Händen über die Glatze. „Das ist jetzt schon das vierte Mal hintereinander, dass ich so jemanden kennenlerne. Ich will ja jetzt nichts gegen dich sagen Nora, aber ich hoffe wirklich, dass es in diesem Fall nicht eintrifft.“ 
„Ich wünsche es dir natürlich nicht, aber du weißt ja, die Karten lügen nicht. Hast du noch eine Frage?“
„Nein danke. Für heute reicht es“, sagte er beleidigt und verschränkte die Arme vor der Brust. 

„Gut, dann zu dir Amy.“
Nora sammelte die Orakelkarten zusammen und begann sie von neuem zu mischen.
„Was willst du genau wissen?“
„Mhm“, brummte ich. Am liebsten gar nichts hätte ich antworten wollen. Doch ich konnte auf gar keinen Fall einen  Rückzieher machen und negativ auffallen. Also grübelte ich über eine möglichst unverfängliche Frage, entschied mich dann aus Einfallslosigkeit ebenfalls für die Liebesfrage.
„Ich würde gerne das Gleiche wissen wie Jerome.“
Nora wiederholte das gleiche Procedere wie zuvor. Mischen. Auslegung des Orakels in vier Reihen. Abzählen. Notizen auf dem Block. Unbehaglich wischte ich mit den Händen über meine Oberschenkel. Was, wenn sie mir auch eine schlechte Prognose machen würde? Wie sollte ich darauf reagieren? Sollte ich es einfach leichthin aufnehmen und mich auf meinen gesunden Menschenverstand verlassen, der mir eh schon die ganze Zeit unmissverständlich mitteilte, dass dies alles Aberglauben und eine Art Spiel war. Wie Scrabble. Nur wurden hier nicht aus zufällig gezogenen Buchstaben Wörter gelegt, sondern durch bunte Zeichnungen meine Zukunft zusammengesetzt. Ich spürte  ein Ziehen in der Magengrube, als Nora mich geheimnisvoll anschaute. 

„Bist du bereit der Wahrheit ins Gesicht zu sehen?“ 
„Ja … ja klar … wieso nicht“, stotterte ich und trank einen Schluck aus dem Wasserglas vor mir. Mein Mund war plötzlich ganz trocken.
„Du wirst auch jemanden kennenlernen. Der Mann liegt direkt neben der Dame, siehst du?“
Sie wies auf zwei Motive, die sich nebeneinander mittig im Blatt befanden.
„Tja, was soll ich dazu sagen? Um euch herum liegen das Herz, das Kreuz, der Schlüssel, der Anker, das Kind, die Sonne, der Ring, der Baum, die Blumen und die Sterne. Ich glaube so eine Konstellation habe ich vorher noch nie gesehen“, stellte Nora verblüfft fest.
Ich hatte keinen blassen Schimmer, worauf sie hinaus wollte. „Ähm … und was … heißt das jetzt übersetzt für absolute Newcomer?“ 
„Das heißt einfach nur herzlichen Glückwunsch. Diese Kartenkombination ist der Wahnsinn, Amy“, erklärte sie, wobei ihr Blick wie gebannt an den farbenfrohen Motiven klebte. „Ein Mega-Jackpot. Dieser Typ ist dein Schicksalsmann, dein Seelenpartner, der Hauptgewinn in der Lotterie.“ 
„Aha“, sagte ich völlig verdattert, mehr fiel mir dazu nicht ein.
„Das nenne ich aber einen Volltreffer. Da könnte ich glatt neidisch werden.“
Jerome schüttelte ungläubig den Kopf, als schien er sich insgeheim zu fragen, ob es nicht doch besser gewesen wäre, seine Frage nach mir zu stellen.
„Was würde ich für dieses Kartenbild geben.“
© Emily Kay


Emily Kay und ich sind sehr gespannt, wie euch die Story bisher gefällt, daher freuen wir beide uns über jedes Feedback, gerne hier als Kommentar. Emily Kay wird nämlich hier vorbei schauen, um sich eure Meinung anzuschauen, von daher einfach fleißig kommentieren und eure Meinung kund tun :)


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