Freitag, 9. Dezember 2011

[Adventskalender 2011] - Tag 9



Kapitel 2  

In der Nacht hörte ich, wie sich ein Schlüssel im Schloss drehte, es klickte und dann wurde die Haustür leise geschlossen. Zwei Stimmen wisperten im Flur und wenige Sekunden später war es wieder ganz still.           
Ich schreckte hoch und blinzelte. Mein Nacken schmerzte und fühlte sich irgendwie steif an. Ich massierte ihn mit einer Hand und drehte meinen Kopf dabei vorsichtig nach links und rechts. Dann realisierte ich, dass ich tatsächlich eingeschlafen sein musste. Das erste Mal seit über einer Woche. Während ich schlief hatte es aufgehört zu regnen, helle Sonnenstrahlen fluteten mein Zimmer und draußen vor meinem Fenster erhob sich erneut das Zetern, das mich geweckt hatte. Schläfrig rieb ich meine Augen und wankte auf das Fenster zu, um herauszufinden, wer diesen Höllenspektakel veranstaltete. Mr Bilbo kauerte draußen auf dem Fenstersims und meckerte wie ein Rohrspatz, wobei er heisere Laute von sich gab, die mich eher an eine Ziege, als an einen Kater erinnerten. Ich schirmte das Sonnenlicht mit einer Hand ab und spähte in die Richtung, in die der Kater schimpfte. Erst sah ich nichts, doch dann entdeckte ich zwischen den Ästen des Kirschbaumes den Auslöser für Mr Bilbos Wutanfall. Dort saß eine Elster, die ebenfalls ihre Giftpfeile verschoss. Die Szene war zum Piepen, Mr Bilbo wetterte gegen die Elster, wenn diese schwieg und umgekehrt. Der Kater fand es offensichtlich unerhört, dass dieser Eindringling sich erdreistete, auf seinem Kirschbaum eine Pause zu machen. Ich lachte leise, griff mir aber sofort wieder an den schmerzenden Nacken. Wahrscheinlich hatte ich falsch gelegen oder mir durch das gekippte Fenster über Nacht ein bisschen Zug geholt. Ich beschloss eine heiße Dusche zu nehmen, dies würde bestimmt helfen. Schnell sammelte ich Handtücher, frische Unterwäsche, Socken, mein pinkes T-Shirt und eine Cargohose zusammen und ging ins Bad, das gleich gegenüber meinem Zimmer lag. Schon am Vortag hatte ich meine Toilettenartikel in die freie Hälfte des verspiegelten Badezimmerschranks gestellt. Der warme Wasserstrahl aus dem Duschkopf tat mir gut. Ich schloss meine Augen und stand einen Moment ganz still, ließ das Wasser auf meinen Kopf prasseln. Vielleicht wurde ja doch alles besser, dachte ich. Schließlich hatte ich heute Nacht wieder geschlafen, das war doch schon mal ein guter Anfang. Mir fielen Noras Worte wieder ein. Und du weißt ja, was man in der ersten Nacht träumt, geht in Erfüllung. Hatte ich denn etwas geträumt? Wenn ja, so konnte ich mich an nichts erinnern. Ich überlegte angestrengt, beschloss wenig später aber es dabei zu belassen, mir keine weiteren Gedanken zu machen. Dann schnappte ich mir das Melonen–Duschgel und seifte mich ein. 

Frisch geduscht und mit noch feuchten Haaren schlurfte ich zur Küche, mein Magen verlangte laut und deutlich nach Nahrung.
Als ich durch den Korridor ging, vernahm ich zwei Stimmen, anscheinend hatte Nora schon Besuch. Wahrscheinlich war Jerome in aller Herrgottsfrühe gekommen, um sich ein neues Kartenbild legen zu lassen, in der Hoffnung, dass es das andere revidierte. Bei dem Gedanken grinste ich. Umso überraschter war ich, als ich das Esszimmer betrat und ein unbekannter Junge mit nacktem Oberkörper und bloß mit Shorts bekleidet bei Nora am Frühstückstisch saß.
„Oh, guten Morgen“, sagte ich überrumpelt und wich automatisch ein Stück zurück. „Ich kann auch später frühstücken, wenn …“
„Guten Morgen, Amy. So ein Quatsch. Schau, wir haben extra für dich mit eindeckt“, sagte Nora und wies auf ein drittes Gedeck und bedeutete mir Platz zu nehmen. „Das ist übrigens Nate, mein Freund.“ 

„Hi Amy, schön dich kennenzulernen“, grinste er und streckte mir seine Hand entgegen. Sein muskulöser Körper war übersät mit kunterbunten Tattoos, sogar seinen Hals zierten gelborangefarbene Flammen, die aussahen als würden sie an ihm emporlodern. In den gedehnten Ohrlöchern steckte ein Plug, mit der Form und mit dem Aussehen eines Würfels und durch das andere Ohr wand sich eine schwarze Spirale. Erstaunlicherweise trug Nate keine Piercings im Gesicht, dafür aber silberne Stäbe mit Kugeln durch seine Brustwarzen. Nates braune Haare standen wild von seinem Kopf ab, als hätte er sich noch nicht gekämmt.
„Ich bin hier öfters zum Frühstück“, bemerkte er.  

Mein Blick fiel auf die Schale vor ihm. In ihr schwamm eine cremige Masse, mit flüssiger Schokolade vermengt. „Eis?“, fragte ich. „Du isst tatsächlich Eis zum Frühstück?“ „Ja, ich weiß, das ist ungewöhnlich und du bist auch nicht die Erste und wirst vermutlich auch nicht die Letzte sein, die mich darauf anspricht.“ Nate fuhr sich durch seinen Strubbel–Look. „Aber ich sterbe für Eis. Vier Mal täglich muss das einfach sein und ein Frühstück ohne Vanilleeis mit Schokosauce geht gar nicht.“

„Wie ich dir ja bereits sagte, normal gibt`s hier nicht“, zwinkerte Nora.
                                              
© Emily Kay




Emily Kay und ich sind sehr gespannt, wie euch die Story bisher gefällt, daher freuen wir beide uns über jedes Feedback, gerne hier als Kommentar. Emily Kay wird nämlich hier vorbei schauen, um sich eure Meinung anzuschauen, von daher einfach fleißig kommentieren und eure Meinung kund tun :)


1 Kommentar:

  1. huhu~

    schau mal hier
    http://meineallerliebsten.blogspot.com/2011/12/news-hab-was-gewonnen.html

    und danke nochmal!

    AntwortenLöschen