Donnerstag, 26. Januar 2012

[Rezension] Bekker, Alfred - Herrschaft der Alten

Die Zukunft für Deutschland sieht nicht rosig aus. Denn im Jahr 2100 bestehen drei Viertel der Bevölkerung aus Menschen, die älter als 75 Jahre sind und Jugendliche stellen eine verschwindende kleine Minderheit dar. Deshalb versucht das Land alles, um die wenigen jungen Menschen daran zu hindern, Deutschland zu verlassen. Daher ist es per Gesetz verboten ins Ausland zu reisen, so lange man jünger als 75. Benn und seine Freunde fühlen sich mehr als gefangen und sehen für sich keine Zukunft mehr in Deutschland. Sie wollen versuchen ins Ausland zu flüchten, auch wenn dieses aufgrund der hohen Sicherheitsvorkehrungen unmöglich erscheint.

Die Idee des Jugendromans, dass die alten Menschen die Herrschaft über ein Land übernommen haben, gefiel mir von Anfang an sehr gut und machte mich neugierig, da ich zu dieser Thematik bisher noch keinen Zukunftsroman gelesen hatte. Lediglich die Zeitangabe 2100 empfand ich als unrealistisch, denn auch wenn die Deutschen immer älter werden, glaube ich nicht, dass in 90 Jahren bereits drei Viertel alle Menschen älter als 75 Jahre sein werden.

"Der Personengleiter, in dem er saß, war voll besetzt. Das Durchschnittsalter der etwas zwei Dutzend Insassen schätzte Benn auf etwa neunzig bis hundert. Daran änderte nicht einmal der Junge von etwa fünf Jahren etwas [...]" (Seite 38)
Die Herrschaft der Alten hat natürlich Konsequenzen, da die Wähler nun größtenteils dieser Altersgruppe entsprechen und somit viele Regeln und Gesetze für die alten Menschen optimiert wurden, während die jungen Mitbürger nicht mehr zur Schule gehen, da sich Schulen aufgrund der geringen Schülerzahl nicht mehr lohnen, und junge Erwachsene den größten Anteil ihres Einkommens an den Staat abgeben müssen. Alfred Bekker hat sich dazu etliche Gedanken gemacht und viele beachtenswerte Ansätze gehabt. Des Weiteren gibt es etliche technische Erneuerungen, die zum Teil sehr interessant waren und gut in die Geschichte eingebaut wurden. 

Leider sind mir beim Lesen auch ein paar Dinge aufgefallen, die mich gestört haben. Zum einen empfand ich besonders am Anfang des Romans einige Dialoge ziemlich holprig und zu gekünstelt. Das hat sich allerdings mit den fortschreitenden Seiten gebessert oder ich hab mich einfach dran gewöhnt. Außerdem haben mich persönlich auch ein paar "Namensfindungen" gestört. Selbstverständlich wird in der Zukunft nicht alles mehr so heißen, wie wir es jetzt benennen, aber das aus einem "Energy-Drink" ein "Hallo-Wach-Drink" wird, klingt für mich nicht nach Fortschritt und Zukunft, sondern eher nach Rückschritt und Vergangenheit. Ich bin jedenfalls beim Lesen immer wieder über diesen Begriff gestolpert, da er mir irgendwie jedes Mal negativ aufstieß.

Da das Buch im Edition Zweihorn Verlag erschienen ist und dieser viele Romane herausbringt, die sich als Klassen-/Schullektüre eignen, werde ich es auch als solche bewerten. Die Altersempfehlung für das Buch liegt 12 - 15 Jahren und somit bei Klassenstufe 7 und aufwärts. Ich habe noch keinen Zukunftsroman gelesen, der so günstig zu erwerben ist und es somit erleichtert ihn auch in einer Schule einzusetzen. Die Idee ist perfekt für den Schulunterricht, da sie genügend Diskussionsstoff bietet und fächerübergreifend behandelt werden kann. Die Inhalte im Buch stellen einen interessanten Einstieg in den demographischen Wandel Deutschlands dar, der im Unterricht durchaus behandelt und in Zukunft sicherlich noch mehr Beachtung erhalten wird.

Fazit:  Ein interessanter Zukunftsroman, der sich trotz ein paar kleinerer Schwächen für Schulklassen und junge Leser eignet.


  • Broschiert: 146 Seiten
  • Verlag: Edition Zweihorn; Auflage: 1 (Oktober 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3935265891
  • ISBN-13: 978-3935265898
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 15 Jahre
  • Verlag:

1 Kommentar:

  1. "Hallo-wach-Drink" .. lol ernsthaft .. da mußte ich jetzt auch arg lachen und kann mir das so auch nicht vorstellen. Aber gut .. wer weiß ... verbuchen wir es unter künstlerischer Freiheit :)
    Zumal mich diese Drinks noch nie wachgemacht haben ...

    Ansonsten klingts wirklich mal nach etwas anderem - interessanten :)

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