Montag, 9. Januar 2012

[Rezension] Eva Mozes Kor, Lisa Rojany Buccieri - Ich habe den Todesengel überlebt

Eva Mozes Kor ist Jüdin. Als sie gerade einmal 10 Jahre alt ist, werden sie und ihre Familie in das Konzentrationslager nach Ausschwitz gebracht. Dort muss sie nicht nur miterleben, wie ihre Eltern und ihre beiden älteren Schwester in der Gaskammer umkommen, sondern sie und ihre Zwillingsschwester Miriam müssen die fürchterlichen medizinische Experimente des Dr. Mengele über sich ergehen lassen, der sich mit Zwillingsforschung beschäftigt. Für Eva und Miriam beginnt ein täglicher Kampf ums Überleben.


"Ich habe den Todesengel überlebt" ist ein Erfahrungsbericht der Eva Mozes Kor, eine der noch wenigen lebenden Mengele-Opfer. Ihre wahre Geschichte wurde von Lisa Rojany Buccieri in einer Art und Weise aufgeschrieben, die es auch Jugendlichen ermöglicht, einen einfach Zugang zu Eva Mozes Kors schrecklichen Erlebnissen zu erhalten. Der Bericht ist größtenteils chronologisch ausgerichtet, jedoch findet der Leser des Öfteren auch Exkurse in spätere Jahre, solange die dann gesammelten Erkenntnisse etwas mit den damaligen Geschehnissen zu tun haben.

"Allein die Machtlosigkeit unserer Eltern zu erkennen, die ich immer als unsere Beschützer gesehen hatte und die nun nicht mehr in der Lage waren, unsere Familie zu beschützen, allein dies zerstörte grundlegend jedes Gefühl von Sicherheit, das ich jemals gehabt hatte." (Seite 45)
Als eine der letzten Zeitzeugen erzählt Eva Mozes Kor ihre Lebensgeschichte. Die Autorin verzichtet dabei auf Effekthascherei, die die Glaubwürdigkeit in Frage stellen würde, sondern präsentiert die Erlebnisse authentisch. Nichts wird dramatisiert und die Spannung wird nicht absichtlich erhöht. Es handelt sich einfach um die nackte Wahrheit, die genauso präsentiert wird, nackt, ohne Spezialeffekte, und jeder weiß, dass nichts erschreckender ist, als die reine Wahrheit.

Der Roman ist berührend, vor allem aufgrund der Authentizität. Eva Mozes Kors Erlebnisse sind einfach erschreckend und man fragt sich beim Lesen ständig, woher sie und ihre Schwester diesen Überlebenswillen hatten und wie ein Mensch so grauenhafte Erfahrungen sammeln kann, ohne daran zu Grunde gehen. Der Roman beinhaltet nicht nur die Nazi-Zeit, sondern begleitet Eva Mozes Kor auch die nächsten Jahre, während sie versucht wieder eine Heimat zu finden und die Erlebnisse zu verarbeiten. Sie ist eine erstaunliche Frau, denn sie hat es sogar geschafft Dr. Mengeles für seine grausamen Experimente zu vergeben, etwas, wozu viele Menschen nicht fähig wären.

Dieses Jugendbuch wäre eine großartige Schullektüre. Die Lebensgeschichte wird in einer einfachen Sprache präsentiert, die auch Jugendlichen einen Zugang zur Geschichte bietet. Der Roman besitzt zusätzlich ein Glossar am Ende des Buches, welches Begriffe aus der Nazi-Zeit und dem Judentum erklärt. Eva Mozes Kor betonte selbst einmal, dass  das Vergeben wichtig sei, aber man nicht Vergessen dürfte. Daher sind Bücher mit dieser Thematik meiner Meinung nach Pflicht für Jugendliche, damit die grausamen Taten eben nicht in Vergessenheit geraten. Dieser Roman stellt eine Lektüre dar, die sowohl Lehrer, als auch Schüler ansprechen wird und ist außerdem zu einem fairen Preis erhältlich.


Fazit:  Ein sehr bewegender Roman über das Leben eines Mengeles-Opfer, der einen nicht so schnell los lässt.

  • Taschenbuch: 224 Seiten
  • Verlag: cbj (9. Januar 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 357040109X
  • ISBN-13: 978-3570401095
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 15 Jahre
  • Verlag:


Kommentare:

  1. Ich bewundere Leute wie dich die sich so "schwere Kost" antun können...ich kann das nicht! Das hängt mir dann dermaßen nach das ich nicht mehr schlafen kann und Albträume ohne Ende bekomme!

    Und wenn ich dann das empfohlene Alter 12-15 lese dann frag ich mich immer ob das nicht schon recht tief angesetzt ist!

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  2. Oh vielen Dank für diesen Tipp!!!

    Dieses Buch werde ich mir auf jeden Fall besorgen...

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  3. Genau das was ich gerne lese, da meine Mom Zeitzeugin ist, und mir viele Erlebnisse geschildert hat. Lese ich solche Bücher total gerne, da ich mich dann mehr mit ihrer Kindheit verbunden fühle, auch wenn es eine tragische Zeit war.

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  4. Danke für eure zahlreichen Kommentare!

    @Luminchen: Ich finde schon, dass Kinder mit 12 Jahren die deutsche Geschichte "ertragen" können. Das Buch ist außerdem für diese Zielgruppe gerecht geschrieben und geht z.B. nicht detailliert auf brutale Experimente ein.

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  5. Eine wirklich toll geschriebene Rezi. Das Buch hat man mich schon bei den Neuerscheinungen sehr interessiert. Wenn ich wieder Lust auf solch schwere Kost habe, kenne ich ja jetzt ein gutes Buch..

    Liebe Grüße, Diti

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