Mittwoch, 4. Januar 2012

[Rezension] Heib, Marina - Parasiten

Die Sonderermittler um Kommissar Christian Beyer haben es mit zwei Leichen zu tun, die auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam habe. Sie kommen aus zwei Schichten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und dennoch muss es eine Verbindung zwischen ihnen geben, denn beide Opfer haben zahlreiche Verletzungen am Körper, in denen es vor Parasiten nur so wimmelt. Beyer ist sich sicher, dass diese gezielt vom Täter in die Verletzungen hineingesetzt wurden, aber warum und wer ist für diese Taten verantwortlich...?


Als ich von diesem Roman erfahren habe, dachte ich erst, es sei evtl. das Erstlingswerk der Autorin, da mir diese bisher unbekannt war. Meine Recherchen haben dann allerdings ergeben, dass ich mich dabei komplett geirrt habe, denn "Parasiten" ist bereits der fünfte Thriller aus Heibs "Christian-Beyer"-Serie. Nach den Romanen Weißes Licht (2006), Eisblut (2007), Tödliches Ritual (2009) und Puppenspiele (2010) gibt es nun den aktuellsten Band Parasiten (2011) zu lesen.

"Aber er weiß, dass diese Tiere auf ihm herumkrabbeln und sich in seine Wunden bohren. Er weiß es, und es macht ihn schier wahnsinnig." (Seite 10)
Da Thriller immer noch mein Lieblingsgenre ist, habe ich entsprechend hohe Erwartungen an diese Romane. Dabei fließen verschiedene Faktoren ein, wie das Setting, die Charaktere, der Plot, aber am wichtigsten ist für mich immer noch das Spannungspotential und dieses ist bei dem Roman "Parasiten" leider nicht vorhanden. Die ersten Seiten beginnen viel versprechend. Die anfangs beschriebenen Opfer mit ihren von Parasiten übersäten Verletzungen tauchen auf und es gibt einen kurzen Einblick in die Gedankenwelt des Täters. Anschließend verliert sich der Roman jedoch nahezu in eine Dokumentation.

Die Thematik um organisiertes Verbrechen, Menschenhandel und Zwangsprostitution ist in Thrillern nicht neu, daher ist auch bereits bekannt, dass es durchaus funktionieren kann und dass Autoren aus dieser Thematik einen spannenden Thriller erschaffen können. Marina Heib ist das meiner Meinung nach nicht gut gelungen. Bis auf die ersten Seiten am Anfang ist bei mir keinerlei Spannung aufgekommen. Die Thematik scheint sehr gut recherchiert zu sein, bietet sogar Zahlenmaterial und führt die Ermittler in viele ost-europäische Länder. Trotzdem erschien mir das ganze meistens nur wie ein Bericht über die elende Situation der betroffenen Frauen. Das Thema ist durchaus wichtig und sollte in der Öffentlichkeit mit mehr Brisanz diskutiert werden, allerdings wirkte es in diesem Thriller einfach deplaziert, da es der Autorin nicht gelingt die schrecklichen Schicksale als Thriller zu verkaufen und das wäre hier ihr Job gewesen.

Mir hat der Schreibstil gut gefallen. Jedoch handelt der Roman von sehr vielen Schauplätzen, was es manchmal etwas schwierig machte, dem Ganzen zu folgen. Nach einer Weile hat man sich jedoch hinein gelesen und ich könnte den Roman, bis auf die ganzen osteuropäischen Namen, fließend lesen. Da die früheren Romane von Marina Heib so gute Kritiken erhalten haben, werde ich vielleicht einfach noch mal einen anderen Roman testen. Bei diesem fand ich einfach die Thematik schlecht umgesetzt, um aus dem Buch einen Thriller zu formen.


Fazit:  Wer sich für organisierte Kriminalität und Menschenhandel interessiert und dabei nicht das Spannungsgefühl sucht, welches ein Thriller normalerweise auslösen sollte, der ist mit dem Buch sicherlich gut beraten. Wer jedoch einen Page-Turner lesen möchte, der einen fesselt, wird bei diesem Buch sicherlich enttäuscht werden.

  • Taschenbuch: 336 Seiten
  • Verlag: Piper Taschenbuch (Dezember 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492273009
  • ISBN-13: 978-3492273008
  • Verlag:




1 Kommentar:

  1. Mag sein, dass die ausführlichen Darstellungen des Menschenhandelns einige Leser abschreckt und sie dem Roman Minuspunkte geben, aber gerade das war der Autorin wahrscheinlich ein Anliegen, nämlich über diese skrupellosen Machenschaften zu berichten.

    AntwortenLöschen