Donnerstag, 29. März 2012

[Das Autoren 1x1] Boris Pfeiffer

Heute bei "Das Autoren 1x1": 


Boris Pfeiffer




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Autorenwelt
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1. Seit wann schreibst du?
Ungefähr, seit ich 12 bin. Ich habe damals begonnen, Gedichte zu schreiben, mich mit Sprache in Klangräumen und Rhythmus zu bewegen und dabei auszuloten, was in mir los ist und wie ich zur Welt stehe. Am Anfang waren das viele Kopien von Rilkeformen. Dann kamen als erste ‚ungereimte Texte’ Kafkakopien dazu. Irgendwann schrieb ich jeden Tag und allmählich formten sich dabei meine eigene Sprache und mein eigener Rhythmus und meine eigenen Bilder traten hervor. Ab und zu las ich das Freunden vor. Das Sprechen darüber führte wiederum dazu, dass ich meine Gedichte schließlich an eine Galerie schickte, in der Lesungen stattfanden. Der Galerist rief bei uns zu Hause an. Meine Mutter antwortete am Telefon und ich hörte, wie sie sagte: „Das ist nicht mein Mann, Sie suchen meinen Sohn. (Pause) Ja, er ist 14.“ Leider legte der Galerist in diesem Moment wieder auf. Vielleicht hätte ich doch als Dichter starten können?!
Gleichzeitig habe ich sehr viel gelesen. Meine Freundin damals schenkte mir (als absolut verrufene Nummer, sozusagen unter dem familiären Ladentisch) Bücher von Anais Nin und Charles Bukowski. Von dem Moment an waren die Kinderbücher erst Mal als Lektüre vorbei. Meine Gedichte allerdings blieben noch lange eher elegisch und wurden erst viel später handfest und tiefer.
Bukowski hat übrigens einen der wichtigsten Sätze für mich gesagt: „Ein Gedicht ist eine Geschichte, in der in zu kurzer Zeit zu viel erzählt wird.“

2. Warum ist „Autor“ für dich der beste Beruf der Welt?
Ich schreibe gerne, es gefällt mir in Fluss zu kommen und eine gute Idee, einen Geistesblitz und den großen Bogen einer Geschichte zu finden sind absolut feine, schöpferische Momente. Autor ist allerdings nur unter der Bedingung ‚freier Autor’ ein guter Beruf für mich. Als Drehbuchsklave beim Fernsehen, wenn jeder von denen, die das Geld in der Tasche haben, in ein Stück reinredet und Bestimmer sein will, ist es ein Beruf wie am Fließband. Und ich weiß, wovon ich spreche.

3. Beschreibe dein Buch / eins deiner Bücher in weniger als zehn Worten und verrate, auf welchen Titel sich die Beschreibung bezieht.
Eine freche, lebendige Fabel.
(Rückwärts zu lesen kcapedliwsad)

4. Wo schreibst du am Liebsten bzw. hast du besondere „Rituale“ beim Schreiben?
Am liebsten schreibe ich am alten Schreibtisch meines Großvaters. Und mein einziges Ritual ist es, mich an den Schreibtisch zu setzen. Damit fängt jede Zeile an.

5. Hast du einen Tipp für zukünftige Autoren?
Als ich das vor vielen Jahren den Gründer und Leiter des Grips Theaters in Berlin, Volker Ludwig gefragt habe, der der international meistgespielte deutsche Theaterautor ist, meinte er zu mir, er habe einfach immer angefangen zu schreiben. Und genau diesen Rat geben ich allen, die es als AutorIn schaffen wollen. Man muss schreiben und schreiben und schreiben. Erst kommt die Arbeit. Und dann sucht man sich seine Wege ans Tageslicht. Und die sind vielfältig: Vorlesen, öffentlich und privat, Literaturzeitschriften, gemischte Blogs, jede Form von Bühne, Filmhochschule, Buchverlag, Agent. Alles ist möglich. Die Frage ist, welchen Weg einer oder eine für sich und sein Werk wählt.  


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Private Welt
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6. Was ist deine Lieblingsfarbe?
Sonnenuntergänge

7. Was war als Kind dein Traumberuf?
Den hatte ich nicht.

8. Was ist dein Lieblingsessen?
Da gibt es viel. Der Sauerbraten meiner Großmutter, die Tagliatelle in der Emilia Romagna, die Weihnachtskekse meiner Mutter, das Hühnerfrikassee meiner anderen Großmutter und Augustas Mattone. Jetzt kriege ich aber langsam Appetit ...  
 
9. Welches Genre liest du selbst am Liebsten?
Das mischt sich. Es gibt Krimizeiten, Science-Fiction-Zeiten (da liegt die letzte allerdings lange zurück) und immer wieder Einzelgängerliteratur. Damit meine ich z.B. Miller, Bukowski, Hemingway, Alice Munroe, Toni Morrison, O. Henry, Manzoni, Pavese, Virginia Woolf, Werner Koch, um auch einen deutschen Autor zu nennen, Michael Ende, um einen Zweiten zu nennen, Astrid Lindgren, alles Leute, die einen eigenen Blick haben und  die Welt damit erweitern.
 
10. Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?
Ich möchte die Küste entlang ums ganze Mittelmeer reisen, in freier Zeiteinteilung und ohne zwischendurch irgendwo anders hin zu müssen. 


Diese Bücher von Boris Pfeiffer könnten z.B. in deinem Bücherregal stehen:



Vielen Dank Boris, dass du beim "Das Autoren 1x1" teilgenommen hast :)


1 Kommentar:

  1. Danke für dieses tolle Interview. Hat wie immer Spaß gemacht es zu lesen. Sehr interessante Antworten waren auch dabei :)

    LG
    Lilly

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