Montag, 26. März 2012

[Rezension] Seibold, Jürgen - Kinder

Annette und Rainer Pietsch leben mit ihren drei Kindern im Großraum von Stuttgart. Bisher mussten sie lediglich mit den typischen Elternsorgen kämpfen, aber seitdem die Sommerferien vorbei sind, werden diese Probleme scheinbar immer größer. Bei Sarah  könnte man das noch auf die Pubertät schieben, aber auch die jüngeren Söhne verhalten sich plötzlich auffällig und aggressiver. In der ganzen Schule scheinen Sticheleien und Mobbing immer mehr zuzunehmen, bis die Situation sich zuspitzt und ein Schüler ums Leben kommt. Ob die Veränderungen an der Schule etwas mit dem neuen Lehrerehepaar Moeller und deren unkonventionellen pädagogischen Methoden zu tun haben könnte?

Bevor man den neuesten Thriller von Jürgen Seibold liest, sollte man sich von seinen bisherigen Erfahrungen mit Psychothrillern verabschieden und Neuem gegenüber offen sein, denn Seibold nimmt eine ganz andere Fährte auf. In diesem Roman geht es nicht um einen Psychopathen im "herkömmlichen Sinne", der Menschen entführt, quält oder tötet, sondern es geht um die Lehrer Franz und Rosemarie Moeller, die ein bestimmtes pädagogisches Ziel verfolgen und mit aller Macht umsetzen wollen. Sie möchten Kinder fordern und fördern und sind bereit dafür einige schwache Schüler zu "opfern", um die erfolgversprechenderen Schüler weiter voran zu treiben. Die Resultate sprechen zunächst für das Lehrerehepaar. Die Noten vieler Schüler werden besser, sie sind konzentrierter und auch respektvoller den anderen Lehrern gegenüber. Jedoch wirbeln sie auch etlichen Staub auf, den manche Eltern gekonnt schnell wieder unter den Teppich kehren, zumindest dann, wenn ihre Kindern auf einmal zu den Schülern gehören, die nun bessere Noten nach Hause bringen.

"Das ist nett von dir, aber ich will euch Schülern nichts vorwerfen, was allein eure Eltern losgetreten haben. Und vielleicht haben sie ja auch recht und wir haben zu viel von euch verlangt." (Seite 132)

Der 411 seitenstarke Roman ist in zehn Kapitel unterteilt, die damit ziemlich umfangreich sind. Jedoch bestehen die einzelnen Kapitel aus einer Vielzahl von kleinen Absätzen, die jeweils aus unterschiedlichen Perspektiven geschildert werden und im Durchschnitt eine Länge von weniger als einer Seite haben. Durch diesen ständigen Perspektivwechsel war es zunächst etwas schwieriger den Überblick zu behalten, da Seibold nicht nur auf die Eheleute Pietsch, deren Kinder und das Lehrerehepaar eingeht, sondern auch auf andere Lehrer, viele Mitschüler sowie deren Eltern. Zu Beginn des Romans musste man daher erst einmal alle Charaktere sortiert bekommen, aber dann hat mir dieser Erzählstil gefallen, da er dem Autor die Möglichkeit bietet die Einflüsse des Lehrerehepaares auf viele Personen zu schildern und es stets interessant zu lesen war, wie unterschiedlich die zahlreichen Charaktere reagieren.

Die Grundidee des Thrillers gefällt mir richtig gut und die Thematik wurde auch recht gut umgesetzt. Die Handlungsstränge laufen gekonnt nebeneinander her, verweben sich zum Teil und ergeben ein interessantes Gesamtbild. Auch die Motivation des Lehrerehepaares wird nach und nach deutlicher und die Reaktionen der Schüler, Eltern und Lehrer sind zum Teil sehr erschreckend. Seibold vermag mit seinem Roman aufzuzeigen, wie sehr Menschen manipuliert werden können und zwar nicht nur Kinder oder Jugendliche, sondern Erwachsene gleichermaßen, und wie gerne Personen die Augen vor negativen Auswirkungen verschließen, solange diese sie nicht persönlich betreffen. Ich hätte mir lediglich noch gerne ein paar weitere Informationen darüber gewünscht, wie die Methoden der Moellers im Detail aussehen. Der Leser erhält lediglich Aussagen darüber, welches Ziel die Lehrer verfolgen und welche Auswirkungen das hat, aber es gibt nur kleine Einblicke in die tatsächlichen Handlungen im Klassenraum.


Leseprobe

Fazit:  Ein Roman, der gekonnt präsentiert, welche erschreckenden Folgen es haben kann, wenn fanatische Lehrer versuchen eine Elite zu formen und ihnen dabei alle Mittel recht sind.

  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: Piper Taschenbuch (13. Februar 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492273076
  • ISBN-13: 978-3492273077
  • Homepage zum Thriller
  • Verlag:

Kommentare:

  1. Eine wirklich ungewöhnliche Thematik. Gefällt mir und deine Rezi ist wie immer toll :)

    LG
    Lilly

    AntwortenLöschen
  2. Mir ging der Roman ziemlich nach, ich hab ihn nach der Hälfte wieder zur Seite gelegt und werde ihn nicht weiter lesen. Ich bleib doch lieber bei den Krimis.

    AntwortenLöschen