Mittwoch, 30. Mai 2012

[Rezension] Brendler, Claudia - Eiertanz

Gina (29), die ihre Großstadt Köln über alles liebt, erhält von Ihrer Chefin einen ganz besonderen Auftrag - besonders nervtötend. Sie muss in ein kleines Dorf in Oberbayern nach einem Testament suchen. Gina ist alles andere als begeistert, merkt aber schnell, dass ihre größte Aufgabe erst einmal darin bestehen wird, mit den Einheimischen gut auszukommen und sich z.B. an Dinge zu gewöhnen wie eine Haxn-Hotline, die im Ort scheinbar den Pizzadienst ersetzt. Von ihren Highheels verabschiedet sie sich recht schnell, denn auf der Kuhwiese sind diese eher hinderlich, aber vielleicht sorgt immerhin der süße Surflehrer dafür, dass das bayrische Abenteuer kein kompletter Reinfall wird.

Ich würde "Eiertanz" als einen Vorreiter eines neuen Sub-Genres bezeichnen und zwar des Regio-Chicklits, der evtl. einen neuen Trend auslösen könnte, nachdem bereits seit Jahren regionale Krimis den Buchmarkt überlaufen. Ich muss gestehen, genau um diese Romane mache ich einen großen Bogen, da ich einfach gemerkt habe, dass Regionalkrimis mich im Normalfall nicht begeistern können. Auch mit Chicklit-Romanen ist es oft schwer, da mich diese eher langweilig, als lustig zu unterhalten. Genau aufgrund dieser zwei Aspekte hätte ich mir niemals einen Regio-Chicklit gekauft und "Eiertanz" wäre somit nie in meinen Einkaufskorb gewandert. Da ich das Buch jedoch geschenkt bekommen habe, habe ich ihm eine Chance gegeben, mich zu überzeugen.

">>Entschlossen ist sie<<, sagte meine Mutter gern über mich, >>leider entschließt sie sich oft für das Falsche.<<" (Seite 20)
"Eiertanz" bietet genau das, was man von einem Regio-Chicklit-Roman erwartet. Ein typisch bayrisches Landleben inkl. Kühe kuscheln, Lederhosen und aufgepeppten Dirndln, in dem Gina natürlich wie ein bunter Paradiesvogel auffällt. Claudia Brendler verknüpft diese regionalen Aspekte mit typischen Elementen der lustigen Frauenunterhaltung. Somit gibt es natürlich eine beste Freundin, mit der Gina über alles reden kann, und ein paar mehr oder minder brauchbare Exemplare auf dem Männermarkt. Zum Teil wirkt manches etwas übertrieben und fast alles läuft schief, aber dieses Schicksal teilen ja die meisten Protagonistinnen aus Chicklit-Romanen.

Ganz wichtig ist bei diesem Roman, dass der Leser keine Probleme damit hat, dass viel im bayrischen Dialekt gesprochen wird. Falls man das nicht mag, ist dieses Buch nichts für einen. Ich selbst war positiv überrascht: Regio goes Chicklit scheint zu funktionieren. Es wird nicht mein neues Lieblingsgenre werden und ich werde in Zukunft auch keinen großer Bedarf danach entwickeln, aber scheinbar war meine Lesestimmung für das Buch recht passend, so dass mich Brendler ganz gut unterhalten hat. Wer Chicklit mag und sich für regionale Einflüsse interessiert/begeistern kann, der sollte die Kombinationen ruhig einmal ausprobieren und selbst entdecken, ob dieses Subgenre ins eigene Beuteschema passt. Mit "Eiertanz" wird dem Leser dafür jedenfalls eine gute Möglichkeit geboten, denn der Roman ist flüssig geschrieben und oft humorvoll.


Buchtrailer

Fazit: Interessanter Mix aus bayrischem Regionalroman und lustiger Frauenunterhaltung.

  • Broschiert: 336 Seiten
  • Verlag: Knaur HC (1. März 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 342665282X
  • ISBN-13: 978-3426652824
  • Verlagsgruppe:

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