Mittwoch, 2. Mai 2012

[Rezension] Falk, Rita - Hannes

Bei einer Motorradtour verunglückt Hannes und liegt seitdem im Koma. Niemand weiß, ob er je wieder erwachen und in sein altes Leben zurückkehren wird. Sein bester Freund Uli ist jedoch davon überzeugt. Seit über 20 Jahren sind die beiden befreundet und sein einziger Wunsch ist es, dass Hannes wieder aufwacht und er somit seinen Freund zurück bekommt. Er besucht Hannes beinahe täglich und um die Geschehnisse selbst besser verarbeiten zu können, schreibt er ihm Briefe, die Hannes später, wenn es ihm wieder besser geht, lesen soll, um zu erfahren, was während seiner geistigen Abwesenheit passiert ist.


Die Kurzbeschreibung hat einen berührenden Roman versprochen und genau darauf hatte ich mich gefreut. Ein Roman über Freundschaft, Liebe, Krankheit und ums Festhalten wollen. Passend dazu hat das Buch ein schönes Cover bekommen: Schlicht, aber durch die grünen Blätter strahlt es auch Hoffnung aus und wie ich beim Lesen des Buches erfahren sollte, haben die Kastanienblätter auch eine tiefere Bedeutung.

Der Roman von Rita Falk, die bisher durch ihre Provinzkrimis um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer bekannt ist, besteht lediglich aus Briefen. Briefe, die Uli an Hannes schreibt, damit dieser nach dem Aufwachen die verpasste Zeit nachholen kann. So schreibt Uli ihm von seinem gewöhnlichen Alltag, seinem Zivildienst in einem Heim für psychisch Kranke, lässt zwischendurch Erinnerungen einfließen von Dingen, die Hannes und Uli zusammen erlebt haben und berichtet von Hannes Zustand und wie seine Freunde und seine Familie damit umgehen. Das Ganze ähnelt damit sehr einer Tagebuchform, auch wenn Uli meint hauptsächlich für Hannes zu schreiben.

"Dein Blut läuft langsam in den Rinnstein und nimmt mein Herz mit sich. Beides verliert sich in der Ferne." (Seite 5)

Das knapp 200 Seiten dicke Buch lässt sich schnell und flüssig lesen, leider konnte es nicht alle meine Erwartungen erfüllen. Begeistert hat es mich durch die dargestellte Freundschaft zwischen Uli und Hannes. Letzterer liegt ziemlich lange im Krankenhaus und Uli wird nie müde ihn ständig zu besuchen, mit ihm zu sprechen und nie die Hoffnung auf eine Genesung zu verlieren. Diese Freundschaft verleiht einem beim Lesen ein Gefühl von Wärme und ich kann nur für jeden Menschen hoffen, dass er oder sie genauso einen wahren Freund hat, der auch in der Not zu einem hält.

Mir hat in dem Roman leider das Berührende gefehlt, lediglich das Ende konnte mich auf einer emotionalen Ebene fesseln. Ich war zwar auch froh, dass die Autorin das ernste Thema nicht mit einer Tränendrüse präsentiert hat, sondern oft sogar locker und witzig mit der Thematik umgegangen ist, jedoch hätten ein paar mehr Gefühle beim Lesen aufkommen müssen. Der Humor im Roman wird leider an einigen Stellen auch übertrieben dargestellt, da Rita Falk etliche Klischees erfüllt. Einige Beziehungen drohen aufgrund des Unfalls zu zerbrechen, eine strenge Heimmitarbeiterin entpuppt sich als trinkende Raucherin, es gibt ein Kind, dessen Vaterschaft unbekannt ist usw. Das war streckenweise einfach etwas zu viel, zumal die Autorin tolle Ideen für andere Charaktere hatte, wie z.B. Frau Stemmerle und Florian, die ich beide sehr lieb gewonnen habe. Da hätten die ganzen Stereotypen gar nicht Not getan.

Ein weiteres Problem für mich war die gewählte Sprache. Obwohl "Hannes" nichts mit den Provinzkrimis gemein hat, scheint die Autorin die Sprache nicht wirklich angepasst zu haben. Ich habe zwar nie einen ihrer Krimis gelesen, kam mir bei "Hannes" jedoch oft wie in einem vor, wobei das nicht an dem "Krimi"- sondern am "Provinz"-Part lag. So bekommt jeder Vorname immer einen Artikel vorweg (der Kalle macht dies, die Nele macht das und der Florian und der Uli waren auch dabei) und Sätze wie "du bist am Fenster gesessen" (Seite 170) haben mir das Lesevergnügen getrübt. In Norddeutschland redet man so jedenfalls nicht und da es sich bei "Hannes" nicht um einen Regionalroman handelt, hätte ich mir eine Anpassung gewünscht, denn im Standarddeutsch kommen Personennamen nun einmal ohne Artikel aus.
 


Buchtrailer


Fazit:  Der Roman lässt sich einfach lesen, kann hauptsächlich durch das Aufgreifen der Bedeutung von Freundschaft überzeugen, hat ansonsten jedoch ein paar Schwächen.

  • Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (19. März 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423280018
  • ISBN-13: 978-3423280013
  • Verlag:


Kommentare:

  1. Hallo Claudia,
    danke für die ausführliche Rezi.
    Ich war mir nicht sicher, ob das Buch etwas für mich ist. Und der Hype darum ist ja auch relativ groß.
    Jetzt habe ich mich gegen das Buch entschieden, mein SuB wird es mir danken :)

    LG
    Emma Bücherkeks

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  2. Ich habe das Buch im Zuge der Lovelybooks Leserunde gelesen und muss sagen, mir ging es ähnlich. Ich fand es schon emotional und auch berührend, aber manches war auch mir 'zu viel'. Unverständlich fand ich das ganze mit Nele und Karl, da hätte ich mir ein klärendes Gespräch gewünscht, um Nele die Chance zu geben, sich und ihr Verhalten zu erklären, denn ohne das, war die Figur einfach nur unsympathisch und ihre Handlungen nicht nachvollziehbar.
    Außerdem fand ich die Sprache auch sehr, sehr jugendlich und die Artikel vor den Namen störend. Allerdings habe ich mich mit der Zeit dran gewöhnt und alles in allem ist das Buch seinem ernsten Thema gerecht geworden. Eine Widmung an echte Freundschaft und den schweren Weg des Abschieds.

    Deine Rezi trifft es sehr gut. :)

    LG
    Lilly

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  3. Zuerst dachte ich .. der Inhalt klingt super. Dann .. ochne, schon wieder Briefe .. dann, na gut, macht aber Sinn bei der Geschichte.


    Spätestens aber als Du zur Sprache kamst, war ein NEIN bei mir klar. Diese Artikel vor den Namen haben für mich immer so nen Touch ins hmmmmmmmm wie drück ichs aus .... ins "schlichte" ... was ich nicht mag. Ich hab da sofort Sätze wie "Schantalle mach die Mäh mal ei" vor Augen *grusel*

    Schade .. aber es wird bestimmt auch Liebhaber für so etwas geben. Allerdings frag ich mich, in welcher Provinz spricht man denn so? Hier in Düsseldorf jedenfalls nicht. (hmm ausser in den sehr "schlichten" Kreisen vielleicht)

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  4. Huhu, ich hoff, du hast nichts dagegen, dass ich deine Rezi auf meinem Blog verlinkt habe

    Viele liebe Grüße

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