Freitag, 4. Mai 2012

[Rezension] Müller, Titus - Der Kuss des Feindes

Um 800n Chr. in Kappadokien sind Christen und Araber aufgrund ihrer unterschiedlichen Religionsansichten extrem verfeindet. Um Angriffen der kampferprobten Araber zu entgehen, ziehen sich die Christen immer wieder in unterirdische Städte zurück. Doch das Leben unter der Erde ist besonders für Savina oft eine Qual, da sie die Natur liebt. Als sie sich eines nachts erneut heraus schleicht, lernt sie Arif kennen. Er ist nicht nur Araber und somit der Feind, sondern auch noch der Sohn des arabischen Hauptmannes, sein Vater führt die Gruppe an. Obwohl die beiden sich gegenseitig bekämpfen und verraten müssten, verlieben sie sich ineinander, aber wie soll diese Liebe je eine Chance erhalten...

"Der Kuss des Feindes" führt den Leser in eine Welt, die mir recht unbekannt war. Bisher hatte ich keine Ahnung davon, dass um 800n Chr. in Kappadokien zum Teil Städte mit 10.000 Menschen unterirdisch existierten und die Bevölkerung sich so vor Angriffen schützen konnte. Wie man im Anhang des Romans erfährt, war Titus Müller selbst vor Ort und hatte die Gelegenheit Teile einer unterirdischen Stadt selbst zu besuchen und diese Erfahrung und das damit verbundene Wissen hat er gekonnt in seinen Jugendroman einfließen lassen. Mit seiner bildhaften Sprache schafft er es, diese Welt dem Leser näher zu bringen, so dass man sich das Setting sehr gut vor Augen führen kann.

"Die ganze Hässlichkeit des Krieges lag zwischen den Häusern: Menschen, die gestern noch gesprochen hatte, geatmet, gegessen, gewünscht hatten, die gelaufen waren und den Wind auf der Haut gespürt hatten - sie rührten sich nicht mehr, waren zu leblosen Formen geworden." (Seite 167)

Sehr gut gefällt mir auch, wie der Autor mit den unterschiedlichen Religionen umgegangen ist. Er vergleicht die Bibel und den Koran, lässt seine Charaktere manchmal objektiv, manchmal aber auch subjektiv über die Unterschiede diskutieren, stellt jedoch auch Gemeinsamkeiten heraus und schafft es nie abwertend über eine der beiden Religionen zu urteilen. Diesen Religionspart fand ich sehr interessant, da er erstens sich nicht anfühlt wie Religionsunterricht, sondern diese Informationen geschickt in die Handlung eingearbeitet wurden, und ich mich bisher noch nicht so intensiv mit dem Koran auseinander gesetzt hatte.

Der Roman ist sehr flüssig geschrieben und es macht Spaß die Handlung zu verfolgen. Neben der glaubhaften Liebesgeschichte zwischen Savina und Arif, welche natürlich sehr sehr schnell entstanden ist, war es auch interessant weitere Handlungsstränge zu verfolgen. Das Finale war nicht wirklich überraschend, aber das vorhersehbare Ende gehört einfach zu dieser Art von Geschichte dazu und ist somit auch absolut zufrieden stellend. Wie der Klappentext bereits verrät ist der Roman ein Plädoyer für Toleranz und Menschlichkeit und dieses Ziel wird im Roman gut vermittelt und ich finde es sehr unterstützenswert. Liebe kennt halt keine Grenzen und so soll es auch sein!





Fazit:  Romeo und Julia in der Religions-Edition ist Titus Müller sehr gut gelungen und sorgt dafür, dass man sich weitere Jugendbücher von ihm wünscht.


  • Gebundene Ausgabe: 282 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1 (2. April 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596854458
  • ISBN-13: 978-3596854455
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 16 Jahre
  •  Verlagsgruppe:

Kommentare:

  1. Guten Morgen,

    ich freue mich schon sehr auf das Buch, ich mag die Bücher von Titus Müller sehr gerne.

    Hast du auch schon andere Bücher von ihm gelesen?

    LG
    Nina

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  2. Hallo Nina!

    Nein, das war mein erstes :)

    LG Claudia

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