Montag, 4. Juni 2012

[Rezension] Joyce, Rachel - Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

Die Rezension steht im Zusammenhang mit der Pilger-Aktion dieses Buches

Als Harold Fry einen Brief seiner ehemaligen Kollegin Queenie Hennessy erhält, in dem sie ihm mitteilt, dass sie im Sterben liegt, verfasst er ein Antwortschreiben und will es zum nächsten Briefkasten bringen. Er merkt dann jedoch, dass er seine Gefühle nicht in einem Brief ausdrücken kann und beschließt zu ihr zu laufen. 87 Tage, 1000 Kilometer, vom seinem Heimatort in Südengland bis an die schottische Grenze, wo Queenie in einem Hospiz untergebracht ist. Er ist überzeugt, wenn er die gesamte Strecke zu Fuß bewältigen kann, wird er Queenie damit retten können. Also läuft er...

Auf dieses Buch bin ich durch die Wanderbuchaktion des Verlages aufmerksam geworden und fand es toll, dass die Pilgerreise des Harold Fry thematisch aufgegriffen wird und nun auch etliche Bücher auf "Pilgerreise" gehen sollen. Auf 378 Seiten begleitet der Leser Harold auf seiner Wanderschaft und erfährt nicht nur, wie ihn die Reise physisch und teilweise auch psychisch belastet, wodurch er jedoch immer wieder neue Energien sammelt oder wie die Umwelt auf ihn reagiert, sondern auch etliches über seine Vergangenheit und warum gerade Queenies Brief ihn so bewegt hat. Schnell wird jedoch klar, dass Harold nicht nur für Queenie läuft. Er läuft auch für sich, für andere Menschen, für den Glauben und die Hoffnung.

"Das Leben war ganz anders, wenn man sich zu Fuß darin bewegte."
(Seite 54)
Rachel Joyce hat einen gefühlsbetonten Roman geschrieben, der den Leser bewegt. Sie berichtet über zufällige Begegnungen, deren Wert unschätzbar ist, über Geheimnisse, die schon viel zu lange im Dunkeln liegen, über Liebe, Verlust, Mut und Durchhaltevermögen. Dabei driftet sie fast nie in Gefühlsduselei ab, sondern schreibt nachdenklich, gefühlvoll und mit Tiefgang. Besonders interessant fand ich die bereits erwähnten zufälligen Begegnungen. Harold stößt bei seiner Wanderschaft auf viele Personen. Manche sind hilfsbereit und wollen mehr erfahren, ihm vielleicht sogar helfen. Für andere ist er lediglich ein Spinner, ein alter Mann, der sich selbst überschätzt, um den man besser einen großen Bogen machen sollte.

Ich musste für mich leider die Erfahrung machen, dass ich scheinbar nicht die richtige Zielgruppe für diesen Roman bin. Die Geschichte und die große Umsetzung fand ich interessant, der Roman lässt sich flüssig lesen und trotzdem kam mir alles etwas zäh vor. Ich kann auch nicht behaupten, dass nicht viel passieren würde, denn Harold trifft ständig auf neue Personen, aber trotzdem konnte mich der Roman nicht fesseln und wirkte oft eher etwas langatmig. Den gewollten Tiefgang habe ich zwar gespürt, aber mir hätte es gereicht, wenn mir jemand die Handlung in einer Kurzfassung geschildert hätte. Das Buch ist jedoch keineswegs schlecht, man muss nur diese ruhige Art mögen, dann kann man sicherlich die bewegende Handlung, die teilweise sogar mit einem Augenzwinkern geschrieben wurde, genießen.



Buchtrailer


Fazit:  Für mich leider nicht das richtige Buch, obwohl es flüssig und mit Tiefgang geschrieben ist.


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