Freitag, 20. Juli 2012

[Rezension] Hill, Casey - Tabu

Als erfolgreiche CSI-Spezialistin verlässt Reilly Steel Kalifornien zusammen mit ihrem Vater, um in seiner Heimat Irland ein neues Leben zu beginnen. Beruflich stößt sie zunächst auf Widerstand, welcher sich erst auflöst, als es ihr gelingt einen Zusammenhang zwischen zahlreichen ungeklärten Morden zu finden. Sie erkennt, dass sich der Täter jeweils auf das Werk Sigmund Freuds bezieht und seine Opfer vor ihrer Ermordung zwingt große Tabus zu brechen. Reilly Steel versucht die Spuren weiter zu deuten und Hinweise auf den Täter zu erhalten, während sie selbst bereits ins Visier des Täters geraten ist, der für sie noch das schlimmste aller Tabus bereit hält.

"Tabu" war eins der Bücher, auf die ich mich dieses Jahr schon sehr gefreut hatte. Schickes Cover und eine Kurzbeschreibung, die mich von Anfang an begeistern konnte, denn ich mag es, wenn ein Autor in seinem Thriller mit bestimmten Ängsten oder Grenzen, die überschritten werden, spielt. Das einzig Gute an diesem Roman war leider der recht einfache Schreibstil, der es ermöglichte das Buch leicht zu lesen, und die angesprochenen Tabus, die das Motiv für etliche Morde darstellten. Obwohl der Thriller durch diese Motive ein wirklich tolles Potential hatte, wusste das Autorenduo Kevin and Melissa Hill (alias Casey Hill) dieses nicht zu nutzen.

"Reynolds glotzte sie an, offenkundig hin und her gerissen zwischen Überraschung, Begierde und Scham. Dann ließ Jess den Rock genauso plötzlich wieder fallen, klaubte einen Stein vom Boden auf und warf ihn mit aller Kraft nach dem Alten. Damit hatte der Mann nicht gerechnet – er strauchelte, kippte nach hinten und landete zusammengekrümmt auf seinem Rasen." (Seite 9)

Die ersten Probleme hatte ich bereits mit der Protagonistin. Es fällt sehr schwer, sich mit Reilly Steel zu identifizieren oder eine Verbindung zu ihr aufzubauen. Sie und fast alle anderen Charaktere im Roman wirken recht flach und wenig authentisch. Ein Beispiel habe ich dafür rausgesucht: Zunächst wird ihre Vater-Tochter-Beziehung als recht schwierig dargestellt und scheint von Abscheu geprägt zu sein. Gegen Ende des Romans ändert sich dieses jedoch schlagartig und plötzlich scheint ihr Vater einen viel höheren Stellenwert in ihrem Leben zu haben. Der einzige Charakter, der mir im gesamten Buch gut gefallen hat war Kennedy, ein Detective, der realistisch, mit Ecken und Kanten geschildert wird, aber im Roman leider keine große Rolle spielt.

Mit der Handlung hatte ich ebenfalls meine Probleme. Zum einen wirkte die anfängliche Verbindung, die Reilly Steel zwischen den Mordfällen entdeckte, sehr an den Haaren herbei gezogen. Die vorliegenden Beweismittel hätten vielleicht Indizien geben können, aber es erschien unglaubwürdig, dass sie daraus sofort den richtigen Schluss ziehen konnte. Hier hätte sich das Autorenduo mehr Zeit lassen sollen, damit die Kombinationsfähigkeit von Steels realistischer rüber gekommen wäre. Zum anderen konnte mich der Roman bezüglich seiner Spannung überhaupt nicht überzeugen. Es gibt kaum Überraschungsmomente, Originalität sucht man vergebens, da das meiste schon alt bekannt war, und nach ca. 100 Seiten war mir bereits klar, wer der Mörder ist. Damit war das Thriller-Lesevergnügen leider ziemlich schnell verschwunden. Zurück blieb nur der schale Nachgeschmack, dass man aus der tollen Idee viel mehr hätte machen können.



Fazit:  Ein vorhersehbarer, dadurch recht langweiliger Thriller, der mich überhaupt nicht fesseln konnte.

  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: rororo; Auflage: 2 (1. November 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499256649
  • ISBN-13: 978-3499256646
  • Originaltitel: Taboo
  • Verlagsgruppe:

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