Mittwoch, 29. August 2012

[Die Story hinter dem Buch] Lorenz, Wiebke - Alles muss versteckt sein



heute:


"Alles muss versteckt sein" von Wiebke Lorenz





"Warum schreibst du unter deinem Namen jetzt so düstere Sachen?"

Eine Frage, die ich als Teil der Autorinnen-Duos "Anne Hertz" häufiger gestellt bekam, als vor zwei Jahren mein erstes Psychodrama "Allerliebste Schwester" veröffentlichte. Eine vollkommen andere Geschichte als die, die man bisher von mir kannte – ein Roman über Schuld, Zweifel, menschliche Abgründe, kurz gesagt: alles andere als heiter. Und jetzt mit "Alles muss versteckt sein" ein echter Thriller, die Geschichte über die Mörderin Marie, die nach ihrer Tat im Maßregelvollzug in der forensischen Psychiatrie landet, sich aber an nichts erinnern kann und verzweifelt versucht, herauszufinden, was in der Mordnacht wirklich passiert ist. Was also ist da los?

Gar nichts.

Ich liebe einfach spannende Geschichten, ganz gleich, ob es sich dabei um einen Liebesroman oder einen Krimi handelt. Schließlich esse ich auch nicht jeden Tag das gleiche oder trage immer dieselben Klamotten, das hängt stark von meiner jeweiligen Stimmung ab, und so geht es mir auch mit dem Schreiben. Das Leben ist prall gefüllt mit Geschichten, die alle erzählt werden wollen, da macht es für mich persönlich keinen Unterschied, welchem "Genre" man sie zuordnen würde. Ich selbst lese auch alles von der epischen Familiensaga über "echte" Literatur bis hin zum Nerven zerfetzenden Schocker. Nur eine Sache ist mir dabei wichtig: Die Figuren müssen spannend und facettenreich sein, sie müssen mich mitreißen, ich will mit ihnen mitfiebern und gemeinsam mit ihnen ihre Entwicklung durchleben. Und weil das so ist, versuche ich natürlich, auch genau so zu schreiben. Meine Geschichten sind immer "charakter driven" im Gegensatz zu "plot driven", das heißt, sie entwickeln sich aus einer Figur heraus, daraus, wie sie ist, was sie fühlt, was sie fürchtet, was sie liebt. Dabei möchte ich hinter die Fassade eines Menschen blicken, herausfinden, was ihn innerlich antreibt, denn das, was man von außen nicht sieht, ist meiner Meinung nach das, was erzählenswert ist. Das, was im Kopf eines Menschen vor sich geht ist oft aufregender als jeder Action-Film!

Jetzt also zu "Alles muss versteckt sein":

Es geht dabei um Marie, die nach einem schweren Schicksalsschlag an aggressiven Zwangsgedanken erkrankt und darüber vor Angst fast wahnsinnig wird. Aber was genau sind eigentlich aggressive Zwangsgedanken? Kurz gesagt ist es der nahezu unbezwingbare Drang beziehungsweise die Angst davor, anderen Menschen – vor allem denjenigen, die man liebt – etwas anzutun. Betroffene werden gegen ihren Willen von Gewaltfantasien heimgesucht und leben in der ständigen Angst und Unsicherheit, dass sie ihre schrecklich realen Vorstellungen irgendwann nicht mehr kontrollieren und sie die Tat umsetzen könnten. Was allerdings nicht passiert, Zwangserkrankte nennt man auch "Täter ohne Tat". Ein unglaublich spannendes Thema, zumal die Störung alles andere als selten ist, von den Betroffenen allerdings so gut es geht verheimlicht wird, da die Krankheit verständlicher Weise mit großen Scham- und Schuldgefühlen besetzt ist. Daher auch die Idee zum Titel (die übrigens von der wunderbaren Ulrike Netenkajob vom Blessing Verlag stammt): "Alles muss versteckt sein." Denn Marie, die eben an dieser Störung leidet, versucht alles, um sie geheim zu halten – und gerät so in einen Strudel von Ereignissen, bis sie tatsächlich eines nachts zur Mörderin wird. Aber wie konnte das passieren? Wo doch quasi der Leitsatz der Zwangserkrankten lautet: "Denken ist nicht tun." Tja, das ist eine spannende Frage, um die ich eben meinen Thriller gesponnen habe.

Das war also die Ausgangslage für meine Geschichte. Monatelang habe ich recherchiert, habe eine forensische Psychiatrie besucht, habe zig Fachbücher über Themen wie Zwangserkrankungen, Intimizid (das ist die Tötung des Intimpartners; Marie ermordet schließlich ihren Liebhaber) und den Maßregelvollzug gelesen. So entstand in meinem Kopf Stück für Stück eine neue Welt, von der ich erzählen wollte. Wenn ich ein Buch schreibe, erschaffe ich neben meinen Figuren auch eine Art Mikrokosmos, in dem sie sich bewegen. Marie fürchtet sich vor allem in Gegenwart von Kindern davor, dass sie ausflippen könnte – also lag es relativ schnell auf der Hand, aus ihr eine Kindergärtnerin zu machen, sie also permanent ihrer größten Angst auszusetzen. Eine meiner Grundregeln lautet, dass ich es meinen Figuren so schwer wie möglich mache, denn nur dadurch entsteht Spannung, nur dadurch ist ein Charakter gezwungen, zu handeln und gegen alle Widrigkeiten anzukämpfen. Ich würde hier gern noch mehr schreiben, aber da ich ja nicht zu viel über den Roman verraten möchte, belasse ich es dabei.

Zu meiner Arbeitsweise:

Wenn ich schreibe, passiert das meist so, dass man es von außen nicht sieht. Das heißt: Ich bin vielleicht gerade beim Einkaufen, sitze in der U-Bahn oder manchmal sogar beim Kaffee mit einer Freundin – und in meinem Hinterkopf drehen die kleinen Rädchen permanent meine Geschichte von links nach rechts. Gleichzeitig arbeite ich eng mit der Dramaturgin Alexandra Heneka zusammen, die auch bei allen Anne-Hertz-Romanen immer mit im Boot ist. Gemeinsam mit ihr plotte ich und entwickele die Charaktere, so lange, bis alles "rund" ist. Wenn ich mich dann schließlich an den Computer setze, ist die Geschichte in der Regel fertig, so dass ich so "nur noch" aufschreiben muss. Anders funktioniert das für mich nicht, ich schreibe nie einfach ins Blaue drauflos, dabei würde ich mich gnadenlos verzettelt. Vor allem, wenn ein Stoff so schwierig und kompliziert ist wie bei "Alles muss versteckt sein", da muss ich schon alles ganz genau festgelegt haben. Zu den Leuten, die jeden Tag brav ihre zwei bis drei Seiten tippen, gehöre ich also nicht. Leider, muss ich sagen, denn dadurch artet es bei mir oft zu einem regelrechten Kraftakt aus, bei dem ich manchmal zehn bis zwanzig Seiten auf einmal schreibe. Danach bin ich dann ziemlich ausgelaugt und alles tut mir weh, ich nehme sogar beim Schreiben ab, obwohl ich ja nur auf meinem Hintern sitze ;-) Aber anders kann ich es nicht, das ist eben meine Art, und ich habe damit mittlerweile einigermaßen Frieden geschlossen. Manchmal ist es nervig, weil ich an "Schreibtagen" dann auch nichts anderes mache. Ich kann mich nicht einmal für abends verabreden, denn allein das Wissen, dass ich um acht Uhr weg muss, blockiert mich für den ganzen Tag. Ich muss einfach die Freiheit haben, zur Not auch die Nacht durchschreiben zu können, sonst fange ich erst gar nicht an. Nach außen sieht es daher vermutlich so aus, als würde ich die meiste Zeit Löcher in die Luft gucken und gar nichts tun – aber in Wahrheit arbeitet es eben so lange in mir, bis ich mich quasi innerlich in Startposition gebracht habe und dann ohne Unterlass in die Tasten haue.

Ich hoffe, ich habe jetzt ein paar interessante Einblicke zur Arbeit an "Alles muss versteckt sein" geben können – und freue mich, wenn der Roman dem einen oder anderen Leser gefällt!

geschrieben von Wiebke Lorenz


  • Broschiert: 352 Seiten
  • Verlag: Karl Blessing Verlag (3. September 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3896674692
  • ISBN-13: 978-3896674692


Buchrtrailer
"Alles muss versteckt sein" ist der zweite Thriller von Wiebke Lorenz und ich freue mich schon sehr aufs Lesen des Romans. Seid ihr auch schon gespannt darauf?
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