Montag, 8. Oktober 2012

[Rezension] Ahrens, Renate - Ferne Tochter

Wer weitere Infos zu diesem Buch möchte, 


Wie lange benötigt man, um ein Leben ins Wanken zu bringen? Bei Judith sind es genau drei Minuten. Drei Minuten, so lange dauert ein Anruf aus Deutschland, der ihr Leben verändert und ihr dunkles Geheimnis wieder ans Tageslicht befördert. Zwanzig Jahre lang konnte Judith alles verdrängen, nahezu vergessen, und ihr neues Leben in Rom genießen. Doch jetzt muss sie erfahren was es heißt, wenn man von der Vergangenheit eingeholt wird. Eine Vergangenheit, die nun ihre Gegenwart beeinflussen wird, denn ihre Ehe basiert auf einer Lüge und Judith wird sich den vergangenen Ereignissen in Hamburg stellen müssen.

"Ferne Tochter" ist nach "Fremde Schwestern" der zweite Roman von Renate Ahrens, der im Knaur Verlag erschienen ist. Beider Male bedient sich die Autorin schwierigen Familiengeschichten. In ihrem aktuellen Buch geht es um komplizierte Mutter-Tochter-Beziehungen. Seit über 20 Jahren hat Judith nämlich jegliche Verbindung zu ihrem früheren Leben in Hamburg abgebrochen und wird erst durch einen Anruf daran erinnert, dass dieses Verdrängen vielleicht doch nicht die Lösung aller Probleme ist.

"Ich wünschte, ich könnte noch mal von vorn anfangen.
Womit?
Mit allem."
(Seite 24)

Die Geschichte in "Ferne Tochter" hat mir sehr gut gefallen. Sie wird stets glaubhaft präsentiert und es herrscht kein eitler Sonnenschein, sondern die Charaktere müssen sich mit ernsthaften Problemen auseinander setzen. Die Handlung wird dabei einfühlsam präsentiert, die Autorin vermag den Leser zu berühren und auf eine emotionale Reise mitzunehmen (ohne dabei jemals schnulzig zu sein). Gut hat mir auch gefallen, dass das Familiengeheimnis keine exotische Tragödie ist, sondern etwas, dass etliche Menschen ereilt. Die Autorin versucht also keine Punkte durch extra außergewöhnliche Katastrophen zu sammeln, sondern will durch ihren Schreibstil überzeugen, was ihr auch gelingt.

"Der Anruf hat etwas in mir zum Einstürzen gebracht, mein mühsam errichtetes Konstrukt, das die Vergangenheit von mir fernhalten sollte."
(Seite 32)

Zu diesem Schreibstil möchte ich noch etwas erwähnen, denn ich habe ihn als besonders empfunden. Ich bin normalerweise kein Freund von Romanen, in denen kurze Sätze dominieren, denn meistens wirkt dieses abgehackt und führt dazu, dass man keine Verbindung zum Roman aufbauen kann. Anders bei Renate Ahrens. Sie bedient sich sehr oft kürzeren Sätzen, erzählt schnörkellos und sehr direkt, aber trotzdem kommen die Emotionen beim Leser an und ihre Worte hallen nach. Der Leser wird nicht erschlagen von ellenlangen Beschreibungen und bekommt genug Raum für eigene Gedanken geboten. Es mag natürlich trotzdem sein, dass das nicht jedermanns Geschmack ist (einfach mal die Leseprobe testen), aber ich finde, dass die Autorin das perfekt umgesetzt hat. Geschildert wird die Handlung übrigens aus Judiths Perspektive  und ihre Erinnerungen werden sehr oft eingeblendet, um dem Leser ein Gesamtbild vermitteln zu können.


Autorenfilm


Fazit:  Ein toller Schicksalsroman mit einem Familiengeheimnis, das bewegt. Daher meine Empfehlung: Selbst lesen und Renate Ahrens' ungewöhnlichen Schreibstil erleben.

  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. Oktober 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426510936
  • ISBN-13: 978-3426510933
  • Homepage der Autorin
  • Verlag:

PS: Wer nun den Roman gerne selbst lesen möchte, der sollte es sich schnell kaufen
oder heute Abend zusammen mit seiner Glücksfee noch einmal auf meinen Blog zurückkehren :)

Kommentare:

  1. Sehr gelungene Rezension. "Fremde Schwestern" steht schon auf meiner Wunschliste, nun auch "Ferne Tochter".

    Liebe Grüße, Diti

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  2. Hmm .. ich bin so unsicher, ob es ein Buch für mich ist oder nicht ... selbst nach Deiner Rezi jetzt noch *grübel*

    Schöne Rezi übrigens, genau wie der Bericht zur Lesung!

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