Dienstag, 18. Dezember 2012

[Die Story hinter dem Buch] Schriever, Anica - Zuckerguss




heute:


Schriever, Anica  - Zuckerguss



Als ich mit dem Schreiben von „Zuckerguss“ angefangen habe, steckte ich knietief in Arbeit. Zwar hatte auch die mit dem Schreiben zu tun, allerdings mit der doch eher weniger spaßigen Sorte, denn ich saß gerade an meiner Magisterarbeit. Also eigentlich der perfekte Zeitpunkt, um einen Roman zu schreiben. Dachte ich auch.

Offensichtlich gibt es für alles im Leben einen richtigen Zeitpunkt.

Als Autor wird man ja oft gefragt, woher die Idee für das Buch stammte. Tja, so banal es auch klingen mag, aber die Idee für „Zuckerguss“ war irgendwann einfach da. Wie aus dem Nichts. Und ließ mich von da an nicht mehr los. Ich denke, sie schlummerte seit Jahren tief in mir und wartete nur auf den richtigen Augenblick. Denn wie meine Protagonistin Miriam steckte auch ich mitten im Studium, und natürlich stellte auch ich mir manchmal die Frage, wie es danach weitergehen sollte. Erst recht, wenn man sieht, dass die Freunde die Karriereleiter bereits eifrig emporklettern, eine Familie gründen und ihr Leben mit links bewerkstelligen – nur man selber irgendwie nicht so richtig in die Gänge kommt. Genau diese Zweifel, diese Ängste, diese Suche nach seinem Platz im Leben, fand ich ausgesprochen spannend und aktuell, als ich die Figur der Miriam anlegte.

„Zuckerguss“ ist trotz allem eine Geschichte, die frei erfunden ist, in der jedoch sehr viel Herzblut drin steckt. Und auch wenn man vermuten könnte, dass das Buch autobiografisch ist, so muss ich das klar verneinen. Auch wenn es schwerfällt, zu glauben. Es gibt Parallelen (ich konnte schließlich, was die ganze Situation mit der Uni betrifft, von meinen Erfahrungen profitieren), aber mehr auch nicht. Zum Beispiel war mir von Anfang an klar, dass der Roman in Wismar spielen sollte. Nicht nur, weil es meine Heimatstadt ist, sondern weil es als Handlungsort in Büchern bisher eher weniger in Erscheinung getreten war. Obendrein ist Wismar wirklich pittoresk und einen Besuch wert, ganz nebenbei bemerkt.

Innerhalb weniger Tage schrieb ich also die ersten hundert Seiten nieder. Und dann stockte es. Immer wieder ging ich den Text durch, feilte an Formulierungen, strich und ergänzte, aber der Knoten wollte partout nicht platzen. Dazu kam, dass ich mich ja eigentlich auf mein Studium konzentrieren sollte. Folglich wanderte der Anfang fürs erste in die Tiefen meiner Festplatte. Trotzdem ließ mir das Ganze einfach keine Ruhe. Um nicht zu sagen: Es wurmte mich. Ich dachte darüber nach, an welcher Stelle es genau hakte und kam zu dem Schluss, dass ich wissen musste, wo ich mit der Geschichte hinwollte. Genau dieser Punkt hatte nämlich in der Vergangenheit oftmals dazu geführt, dass meine Geschichten nie zu Ende erzählt wurden – stattdessen fing ich immer wieder neue Projekte an. Aber „Zuckerguss“, das spürte ich, musste ein Ende haben! Also erstellte ich ausführliche Lebensläufe für meine Protagonisten und plottete das Buch umfangreich Kapitel für Kapitel durch, sodass ich ein Gerüst hatte, an dem ich mich entlang hangeln konnte, wenn ich vom Weg abkam – oder meine Figuren zu sehr einen eigenen Kopf entwickelten; was sie mehr als einmal taten.

Nach dieser ganzen Vorarbeit setzte ich mich wieder an das Manuskript. Und auf einmal lief es fast wie von allein. Von da an habe ich tagsüber an meiner Magisterarbeit geschrieben und nachts arbeitete ich an meinem Roman. Gut ein Jahr nach dem Abschluss meines Studiums war das Buch fertig.

Und nun?

Ich ließ das Manuskript für einige Wochen ruhen, überarbeitete es danach und gab es schließlich unabhängigen Testlesern. Wichtig war mir, dass es eben niemand aus meiner Familie oder meinem Freundeskreis war. Erst nach deren positiven Rückmeldungen schrieb ich ein Exposé und schickte das zusammen mit einer Leseprobe an verschiedene Literaturagenturen. Nun begann das bange Warten.
Als sich mein jetziger Agent bereits nach kurzer Zeit meldete und mir erzählte, dass ihm „Zuckerguss“ sehr gut gefiel und er gute Chancen für eine Veröffentlichung in einem großen Publikumsverlag sah, konnte ich mein Glück kaum fassen. Ich glaube, ich habe am Telefon irgendwas von „Äh, im Ernst?“ gestammelt. Trotzdem vergingen noch weitere Monate des Hoffens, Bangens und Zweifelns, bis ich den Buchvertrag mit Ullstein unterschrieb.

Mit dem Erscheinen von „Zuckerguss“ geht für mich ein Traum in Erfüllung. Zwar wollte ich immer Bücher schreiben, aber natürlich posaunt man das nicht so einfach in die Welt hinaus. Das ist ja doch mehr ein Wunschgedanke, ein Hirngespinst. Denn die Chancen einer tatsächlichen Veröffentlichung sind, machen wir uns nichts vor, äußerst gering. Aber trotz besseren Wissens habe ich meinen Traum, Schriftstellerin zu werden, nie aus den Augen verloren. Und am Ende kann ich sagen, dass Träume eben doch wahr werden. Man muss nur fest daran glauben und beharrlich sein. Eine ordentliche Portion Geduld schadet ebenso wenig. Und Glück. Das gehört nämlich neben Talent fast mit am meisten dazu.


geschrieben von Anica Schriever




  • Taschenbuch: 300 Seiten
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch (14. Dezember 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548284140
  • ISBN-13: 978-3548284149




Seid ihr neugierig auf die Protagonistin Miriam geworden, die für den 55. Geburtstag ihrer Mutter einfach einen wildfremden Typen als Anhang mitschleppt? Dann ab in den nächsten Buchladen und kaufen, denn der Roman ist vor ein paar Tagen erschienen.



1 Kommentar:

  1. Ich finde die Erzählungen der Autorin sehr symphatisch. Bislang ist mir das Buch noch nie aufgefallen,w enn ich ehrlich bin. Gut, ist auch nicht mein bevorzugtes Genre. Jetzt aber hat es mich doch neugierig gemacht!

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