Montag, 24. Dezember 2012

[Rezension] Wallant, Edward Lewis - Mr Moonbloom

In der 60er Jahren des letzten Jahrtausends ist Mr. Moonblomm Hausverwalter wider Willen. Sein Job ist es von den Mietern der vier Wohnhäuser seines Bruders die Miete einzutreiben. Dabei trifft er auf einen wild zusammengewürfelten Haufen - Menschen jeder Altersklasse, jeder Religion und alle beschweren sich über Kakerlaken, kaputte Scheiben oder sonstige reparaturbedürftige Dinge in ihren Wohnungen oder über das Leben im Allgemeinen. Mr. Moonbloom wird ungewollt in das Chaos dieser Menschen hineingezogen und versucht das Leben aller ein kleines bisschen zu verbessern.

Edward Lewis Wallant verstarb im Alter von 36 Jahren und dieser Roman erschien posthum. Zum 50. Todestag des Autors erschien sein New-York-Roman zum ersten Mal in deutscher Sprache und spiegelt einen interessanten Eindruck über die damalige amerikanische Gesellschaft wider - mit all seinen Schattenseiten.

Zunächst ist Moonbloom unbeeindruckt von den Schicksalen, denen er begegnet. Er verfolgt lediglich das Ziel seinen Job richtig zu machen und somit die Miete einzutreiben. Doch nach und nach baut er Bindungen zu den Mietern auf und ist plötzlich ein Teil ihres Lebens. Man kann ihn beinahe schon als Therapeut bezeichnen, denn ein deutscher Jude, ein weißer Jazztrompeter, ein Sohn chinesischer Einwanderer, ein afroamerikanischer Schriftsteller, ein Englischlehrer und viele weitere Personen klagen ihm ihr Leid, legen ihre Beichte bei ihm ab und bitten um Rat.

Der Roman, dessen Titelbild eine typische New Yorker Hauswand zeigt, hat mich gefangen genommen. Zum Teil erscheint das Lesen etwas mühselig, denn man merkt dem Roman und seinem Schreibstil an, dass er vor mehrere Jahrzehnten geschrieben wurde, außerdem sind die Schicksale der bedauernswerten Menschen zeitweilig erdrückend und eine gewisse Melancholie schwingt auf den Seiten mit. Umso mehr kann man aber mit den Personen fühlen, ihre Eigenheiten entdecken, liebeswürdige Charakterzüge feststellen und sich über einzelne humorvolle Akzente freuen.

Zudem fand ich Wallants Beschreibung über das New York in der 60er Jahren sehr interessant. Ich kenne Manhattan größtenteils nur als teuren, bunten, lauten, beeindruckenden Stadtteil von New York, aber das Bild damals sah ganz anders aus. Dieses zu entdecken und die Beweggründe, warum die Menschen trotz der miserablen Wohnsituation in New York leben wollten, gefiel mir.

Fazit:  Es ist höchst erfreulich, dass dieser Roman nach über 50 Jahren sein Comeback erlebt und nun auch in deutscher Sprache zugänglich ist. Wer sich fürs frühere New York und deren Menschenschicksale begeistern kann, der sollte Mr. Moonbloom unbedingt lesen.

  • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
  • Verlag: Berlin Verlag (8. Oktober 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 382700974X
  • ISBN-13: 978-3827009746


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