Freitag, 25. Januar 2013

[Rezension] Rudolph, Carmen - Nebelhaft

So eine Klassenfahrt hat Catharina Johannsen auch noch nicht erlebt. Mit ihrer 6. Klasse wollte sie zwei idyllische Wochen auf einem Schulbauernhof in einem kleinen Dorf in Bayern verbringen, um den Kindern ein Gefühl dafür zu geben, wo Lebensmittel herkommen und wie hart dafür gearbeitet werden muss. Doch bereits nach wenigen Tagen finden die Kinder beim Pilze suchen Knochen, die scheinbar von einem Säugling stammen. Wie lange liegt dieses Skelett schon dort? Starb das Baby eines natürlichen Todes oder liegt ein Tötungsdelikt vor? Die mysteriösen Grabbeilagen werfen weitere Fragen auf. Johannsen beginnt unangenehme Fragen zu stellen und weckt damit die Geister der Vergangenheit.

"Nebelhaft" konnte mich leider nicht überzeugen. Zu vieles hat gestört bzw. wirkte unglaubwürdig. Da wären zum einen die beiden Lehrer, die diese Klassenfahrt betreuen. Sie sind relativ jung, aufgeschlossen und haben ein gutes Verhältnis zu ihren Schülern. So weit, so gut, aber ich frage mich, wie die beiden es mit ihrem Gewissen und ihrer Aufsichtspflicht vereinbaren können, dass sie die Schüler oft alleine lassen, um eine Radtour zu unternehmen. Verantwortungsbewusstsein sieht anders aus und das Verhalten ist für mich nichts realitätsnah.

Der Roman besteht aus diversen Kapiteln, die aus verschiedenen Sichten geschildert werden. So wird stets zwischen Beschreibungen einer lustigen Klassenfahrt, Johannsens "Ermittlungen" und Szenen von Dorfbewohnern, die mit der Vergangenheit kämpfen, hin und her gesprungen. Die Handlung konnte mich jedoch überhaupt nicht fesseln und ich musste mich immer wieder dazu zwingen, das Buch zu beenden.

Der letzte Kritikpunkt, den ich aufführen möchte, ist das geschilderte Dorfleben. Jedes Klischee wird dort bedient. Ich hatte das Gefühl in einem hinterwäldlerischen Dorf gelandet zu sein, in dem viele ihr Leben nur durch überhöhten Alkoholgenuss verkraften. Es mag tatsächlich noch ein paar solcher Dörfer geben, aber dazu gehört dann auch, dass die alt eingesessenen Dorfbewohner sich gegenüber Fremden abschotten und diese lediglich an besonders guten Tagen grüßen. Anders jedoch in "Nebelhaft". Hier ist jeder sofort bereit mit der Lehrerin zu reden, sie in den Dorf-Tratsch einzubinden oder ihr von alten Geschichten zu erzählen. Dieses Verhalten empfand ich ebenfalls als unglaubwürdig und es hat mich beim Lesen sehr gestört.


Fazit: Obwohl der Kriminalroman bisher hauptsächlich positive Bewertungen erhalten hat und die Kurzbeschreibung interessant klang, konnte mich das Buch aufgrund der o.g. Argumente nicht überzeugen.


  • Taschenbuch: 306 Seiten
  • Verlag: Wagner Verlag, Gelnhausen; Auflage: 1. (27. August 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3866837712
  • ISBN-13: 978-3866837713
  • Verlag:



1 Kommentar:

  1. Also irgendwie muss ich da sofort an Carmen Nebel denken :D

    AntwortenLöschen