Dienstag, 5. Februar 2013

[Rezension] Abidi, Heike - Wahrheit wird völlig überbewertet

Statistisch gesehen lügt jeder Mensch mehrmals am Tag und zwar nicht nur ein- oder zweimal, sondern mindestens 50 Mal - bei manchen Statistiken nähert sich dieser Wert sogar der 200 an. Meistens sind es kleine Notlügen, die das Leben angenehmer machen, aber was, wenn sich das eigene Leben scheinbar von ganz alleine in ein kompliziertes Lügengeflecht verwandelt, aus dem man nicht mehr herauskommt? So ergeht es Friederike, deren Bauchpolster von den Kollegen auf einmal als Brutstätte angesehen werden. Eigentlich hatte sie vor das Missverständnis möglichst schnell aufzuklären, aber als das immer schwieriger wird, entdeckt sie plötzlich die Vorteile einer Scheinschwangerschaft.

Neben dem unterhaltsam klingenden Klappentext hat mich das Coverdesign sofort in seine Fänge gelockt. Der Bürostuhl ist eine Anlehnung an Friederikes Job in einer Versicherung und die abgebildete Frau scheint sehr ins "Lügen stricken" vertieft zu sein, so wie die Protagonistin des Romans, denn große Lügen zu spinnen und vor allem aufrechtzuerhalten ist schon ein Vollzeitjob, wie sie schnell merken muss. Alle Texte auf dem Frontcover und sogar am Buchrücken sind erhaben und lassen sich somit erfühlen und die Buchstaben- und Zahlendekoration am rechten Rand finden sich auf jeder ersten Seite eines Kapitels wieder.

Friederike habe ich schnell in mein Herz geschlossen. Die End­drei­ßi­ge­rin, Single, ohne Kinder mit einer Schwester, bei der ein Baby nach dem nächsten schlüpft, berichtet als Ich-Erzählerin über ein knappes Jahr ihres Lebens. Ziemlich schnell beginnen die Lügen, die lediglich durch ein dummes Missverständnis entstanden sind. Friederike findet leider nie den richtigen Zeitpunkt dieses aufzuklären und so ist sie quasi gezwungen ihr Lügenspiel immer weiter zu spinnen - was sie auch beinahe das ganze Buch über konsequent durchhält. Genau dieser Part hatte mich am meisten interessiert: Wie schafft sie es ihre Scheinschwangerschaft glaubhaft zu präsentieren. Irgendwann wird dafür wesentlich mehr Bauch benötigt, als nur ein paar überflüssige Pfunde und falls sie es bis zum Ende durchziehen sollte, woher bekommt sie dann das Baby? Sollte sie sich doch noch dazu entscheiden, aus der Nummer auszusteigen, wie stellt sie das an ohne jeden Menschen in ihrem Umfeld extrem gegen den Kopf zu stoßen? Für alle diese Fragen hatte die Autorin witzige Ideen parat, die dafür gesorgt haben, dass man Friederikes Sicht der Dinge nachvollziehen und ihr Handeln verstehen kann - auch wenn man es eigentlich nicht so gut findet.

Der lockere Schreibstil, die sympathische Protagonistin und zahlreiche Szenen, die einfach nur als "herrlich" beschrieben werden können, sorgen für amüsante Lesestunden. Friederike und ihr scheinschwangeres Umfeld haben mich gut unterhalten und es war lustig zu sehen, wie sich bei ihr eins zum anderen zusammenfügt und so manche Lügen quasi von alleine über ihre Lippen kommen.



Fazit: Heike Abidi hat die Romanidee humorvoll umsetzen können. Daher kann ich das Buch allen empfehlen, für die sich die Kurzbeschreibung interessant anhört.


  • Taschenbuch: 368 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. Februar 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426512092
  • ISBN-13: 978-3426512098
  • Verlagsgruppe:


Kommentare:

  1. Bin schon mächtig gespannt auf dieses Buch. Doch wenn ich dein Urteil lesen, glaube ich, dass wenig schiefgehen kann.

    Beste Stöbergrüße,
    Kora

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  2. Hallo Claudia,

    überbewertet ist z.Z.ein "Inwort" bei meinen Jungs, hi hi.

    Alles wird viel zu überbewertet....

    LG..Karin...

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  3. Das klingt ja nach einer ziemlich schrägen Geschichte.
    So eine ähnliche Story hab ich mal in einem Film gesehen (mit Lindsay Lohan, als sie noch gute Zeiten hatte).

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