Montag, 15. April 2013

[Die Story hinter dem Buch] Hübner, Michael - Todesdrang




heute:




Hübner, Michael - Todesdrang
 




In meinem neuen Thriller Todesdrang geht es um die Gefahren, die das Internet und die moderne Kommunikationstechnik mit sich bringen. Den meisten dürften diese Gefahren mittlerweile bekannt sein, da sie auch immer wieder Thema in den Medien sind. Von Cyper-Mobbing ist da die Rede, von Hackerangriffen, Datenklau und Überwachung. Ganz zu schweigen von den Sicherheitslücken in sozialen Netzwerken. Gute Zutaten für einen Thriller, dachte ich mir. Das Schwierige an der Thematik Internet und drahtloser Vernetzung war, dass ich diese Technologien natürlich kritisch betrachten musste, um aufzuzeigen, wie sehr sie mittlerweile unser tägliches Leben bestimmen und wie angreifbar sie uns dadurch machen. Ich wollte dabei aber keinesfalls belehrend wirken oder, noch schlimmer, mit erhobenem Zeigefinger dastehen. Denn letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er mit diesen Medien umgeht und inwieweit er sie nutzt. Und um eines vorwegzunehmen: Ich bin kein Gegner elektronischer Medien. Als Autor bieten sie mir viele positive Möglichkeiten des Austauschs und der Recherche. Doch gerade in dieser Position sehe ich es auch als meine Pflicht an, mich kritisch damit auseinanderzusetzen und aufzuzeigen, dass diese Medien eben nicht nur Vorteile haben. Denn es erstaunt mich immer wieder, wie offen und sorglos viele Menschen, trotz aller Gefahren, mit ihren Daten im Netz umgehen. Vielleicht sind viele der Meinung, damit könnte ohnehin niemand etwas anfangen. Oder sie teilen die weitverbreitete Ansicht, dass so etwas immer nur den anderen passiert.

Ich habe mir daher bei der Konzeption der Geschichte eine einfache Frage gestellt: Was wäre, wenn es genau so jemanden treffen würde? Einen friedliebenden Familienvater, in leitender Position, der sozial gefestigt ist, ein glückliches Leben führt und niemals damit rechnen würde, scheinbar grundlos auf solche Weise attackiert zu werden. Das war die Ausgangssituation. Als Nächstes malte ich mir seinen Kontrahenten aus. Einen Gegenspieler, der über ein herausragendes informatisches Wissen verfügt und gleichzeitig die nötige Skrupellosigkeit besitzt, dieses Wissen für seine Zwecke einzusetzen. Ein Psychopath, der es als unterhaltsames Computerspiel betrachtet, in das Leben anderer Menschen einzudringen und es systematisch zu zerstören. Jemand, der Daten nicht stiehlt, sondern gezielt dazu nutzt, um andere Menschen zu manipulieren, zu überwachen und zu kontrollieren. Ich fragte mich daher, inwieweit das wohl möglich wäre und wozu es im schlimmsten Fall führen könnte?

Das Ergebnis dieser Überlegungen ist ganz sicher nichts für zarte Gemüter, so viel sei verraten. Mein Protagonist muss im Laufe der Geschichte einiges durchleiden, manches davon bewegt sich am Rande des Erträglichen. Vielleicht werden einige schockiert die Nase rümpfen und mich dafür verurteilen, aber für mich sind diese Ereignisse die logische Konsequenz dieser Überlegungen. Denn ein weiterer wichtiger Bestandteil der Geschichte ist die Frage: Wie weit kann Hass einen Menschen treiben? Und dieser Frage geht Todesdrang in sehr konsequenter Weise nach. Dabei beschränke ich mich keinesfalls nur auf die Sichtweise des Opfers, sondern dringe dabei auch tief in die Psyche des Täters ein. Was treibt ihn an? Was hat ihn dazu gemacht? Wie ist seine Sicht der Dinge? Dieser Aspekt war mir sehr wichtig. Er unterstreicht aber auch die Grausamkeiten, zu denen der Täter in der Lage ist.

Ich kann mich noch sehr gut an den Abend erinnern, als ich meiner Frau das fertige Manuskript überreichte. Sie saß im Wohnzimmer auf der Couch und arbeitete Seite für Seite ab. Ich denke, es ist nachvollziehbar, wie ich mich dabei gefühlt habe. Ich kam mir vor wie ein Schüler, der gerade seinen Aufsatz korrigiert bekommt und auf das vernichtende Urteil wartet. Natürlich erhoffte ich mir einen Kommentar oder irgendeine Art von Reaktion. Doch sie las nur ausdruckslos und konzentriert weiter. Ich war mir nicht sicher, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen war. Irgendwann beschloss ich, mich dem nicht länger auszusetzen, ging zu Bett und schlief. Am nächsten Morgen traf ich meine Frau in der Küche an. Sie hatte dicke Ringe unter den Augen und schien zu meiner Beunruhigung nicht gerade bester Laune zu sein. »Und?«, fragte ich, in der bangen Erwartung, gleich den Verriss meines Lebens zu bekommen. Sie sah mich mit müden Augen an und sagte mir, dass sie ziemlich sauer auf mich sei, weil ich ihr eine schlaflose Nacht beschert hätte. Dann fügte sie noch scherzhaft hinzu, dass sie mit dem Gedanken spiele, sich ein eigenes Schlafzimmer einzurichten, da sie allmählich Angst vor mir habe. Zu ihrer Verwunderung dankte ich ihr erleichtert und umarmte sie. Ihr war vermutlich nicht bewusst, dass sie mir als Autor damit das größte Kompliment gemacht hatte. Als ihr Ehemann sollte ich mir allerdings langsam Gedanken machen, denn das nächste Buch ... Nun ja, das ist eine andere Geschichte.

geschrieben von Michael Hübner




  • Taschenbuch: 320 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag (15. April 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442479037
  • ISBN-13: 978-3442479030




Ein Thriller für die Wunschliste bzw. für den nächsten Einkauf, oder nicht?




Kommentare:

  1. Auch bei mir steht "Todesdrang" auf der WL.
    L.G.
    Sabine

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  2. Wow, das ist ja mal ne tolle Story hinter dem Buch. Nachdem ich ja jetzt endlich auch die Mädchenwiese gelesen habe, muss ich mir natürlich Todesdrang auch holen.
    Gruß Mara

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