Mittwoch, 12. Juni 2013

[Die Story hinter dem Buch] Raabe, Marc - Der Schock

heute:


Raabe, Marc - Der Schock
 



Am Anfang von »Der Schock« stand ein großer Reset-Button. Da ich keine Fortsetzung von »Schnitt« schreiben wollte, musste alles auf Null.  
Auf der Suche nach einer Grundidee fiel mir ein, wie sehr mich als Kind die Vorstellung fasziniert hat, unsichtbar zu sein. Was könnte ich nicht alles anstellen, wenn ich unsichtbar wäre! Niemand könnte mich kontrollieren und ich könnte tun und lassen, was ich wollte. Sofort kam meine Phantasie in Gang und damit stand – noch vor der Handlung – für mich ein Arbeitstitel für mein nächstes Buch fest: Unsichtbar.  
 Natürlich ist klar, dass es niemanden gibt, der unsichtbar ist – jedenfalls nicht in einer Geschichte, die in der Realität verankert ist. Aber ich habe mich gefragt, was passieren würde, wenn dieses „unsichtbar sein“ für jemanden zur fixen Idee wird, und dieser Jemand seinen ganz eigenen Weg findet, unsichtbar zu werden.
Einen Abend und mehrere Kaffees später war der Prolog geboren und ich hatte die Basis für mein neues Buch.  

Als ich meinem Verlag den ersten umfangreicheren Probetext vorgestellt habe, gab es zunächst Bedenken. Nicht wegen der Idee oder der Story, sondern weil es – im Vergleich zu »Schnitt« - eine Ähnlichkeit gab. Den Prolog. „Schon wieder ein Junge in Not“, hieß es, „und auch noch im fast gleichen Alter“.  
„Warum?“, rutschte es mir heraus. „Im Zweifelsfall fängt bei mir jede Geschichte in der Kindheit an.“ In diesem Alter werden so viele Weichen für ein Leben gestellt, dass mir eine Figur „ohne“ Kindheit viel weniger reizvoll erschien. Erst wenn man erlebt, wie jemand aufwächst, versteht man, warum er ist wie er ist. 
Ab diesem Moment waren die Bedenken ausgeräumt.  

Erst später ist mir klar geworden, dass ich in diesem Moment festgelegt habe, wie ich in Zukunft in meine Geschichten einsteige. Vor kurzem habe ich den Prolog für meinen dritten Thriller geschrieben und dabei – ganz selbstverständlich – aus der Perspektive eines Kindes erzählt.


Mein Schreibtisch. Links mit einem Stapel Leihgaben von meiner Frau, Fachliteratur von und für Psychologen.

Irgendwann im Verlauf des Schreibens von »Der Schock« sprach ich mit meiner Frau, die Psychologin ist, über meinen Antagonisten, und sie runzelte die Stirn. „Irgendetwas stimmt an dem, was diese Figur mit den Frauen macht, noch nicht“, sagte sie.  
Sie hatte den Finger auf die Wunde gelegt. Ich hatte schon die ganze Zeit das Gefühl gehabt: Irgendetwas fehlt. 
Einen Tag später, auf einer Fahrt über einen holprigen Feldweg in Holland, kam mir eine Idee, die mir aber zunächst recht brutal erschien. Ich fuhr rechts ran, rief meine Lektorin an, die glücklicherweise sofort abnahm, und erzählte ihr davon.  
Sie schwieg einen Moment. Einen langen Moment. Und atmete hörbar aus. Ich dachte schon: Hm. Vielleicht doch keine gute Idee? Dann sagte sie leise: „Gratuliere. Das ist zwar sehr grausam aber auch sehr gut.“  
Im Nachhinein macht für mich genau diese Idee die Geschichte rund. Ich vermute, diejenigen, die »Der Schock« bereits gelesen haben, wissen, was ich meine, wenn ich sage: Es geht um den Raum mit dem Stuhl.

Ein weiterer Punkt, der für mich bei »Der Schock« von Anfang an feststand: Im Finale gibt es einen Moment, wo ich versuchen wollte, den „Aha-Effekt“ des Buches möglichst auf einen einzigen Satz, vielleicht sogar nur auf ein einzelnes Wort zu reduzieren, so dass man schlagartig das Buch noch einmal in einem ganz anderen Licht sieht.  
Letztlich ist es auch genau dieser Moment, der dem Thriller später seinen Namen gegeben hat: »Der Schock«.  
Und ich bin mehr als gespannt, wie meine Leser diesen Moment erleben.

geschrieben von Marc Raabe


  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch (10. Juni 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548285244
  • ISBN-13: 978-3548285245



Seit 2 Tagen ist das Buch erhältlich. Sollten wir euch also neugierig gemacht haben, dann ab mit euch in den nächsten Buchladen oder packt es auf eure Wunschliste :) Außerdem könnt ihr dem Autor auf Facebook folgen, dann verpasst ihr keine Infos mehr --> Klick hier zur Facebook-Seite von Marc Raabe




Kommentare:

  1. Wieder einmal eine interessante Story hinter dem Buch. Ich finde diese Rubrik wirklich klasse und freue mich auf weitere ;) Das Buch habe ich bereits gelesen und es ist mein absolutes Highlight in diesem Jahr, daher kann man das Buch aktuell auch auf meinem Blog gewinnen.
    Das Ende des Buches war spitze und ich kann auch dem Titel viel abgewinnen. Seine Worte spiegeln sich meines Erachtens gut in der Story wieder. Weiter so, Herr Raabe ;)

    LG Jens

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    1. Danke für dein liebes Feedback :)Ich kenne das Buch noch nicht, bin aber schon gespannt drauf!

      LG Claudia

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  2. Ich freu mich shcon total auf das Buch, denn "Der Schnitt" fand ich klasse! Danke für den tollen Blick hinter die Story! Sehr interessant!!
    Liebe Grüße
    Martina

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