Samstag, 20. Juli 2013

[Die Story hinter dem Buch] Beck, Lilli - Liebe verlernt man nicht

heute:
 

Beck, Lilli - Liebe verlernt man nicht
  




Der Inhalt:
Ü50 – und zu allem bereit! Drei Freundinnen jenseits der 50 haben genug davon, dass Männer nie da sind, wenn man sie braucht.

Paulas Sohn will sich verloben. Um sich vor ihrem Ex-Mann und seiner (deutlich jüngeren) Neuen keine Blöße zu geben, engagiert sie Karl, den Bruder einer Freundin als Begleiter für die Verlobungsfeier. Der Abend wird ein Erfolg, „Aushilfsmann“ Karl ist ein echter Volltreffer, und Paula kommt auf den Geschmack. Nie wieder sollen Frauen in ihrem Alter an Männermangel leiden! Gemeinsam mit ihren Freundinnen Biggi und Traudl beginnt sie, den Verabredungsmarkt zu sondieren und macht sich auf die Suche nach Männern ihrer Altersklasse. Obwohl es immer wieder zu altersbedingten Zwischenfällen kommt und auch mal ein Notarzt gebraucht wird, eröffnen die drei bald ihre Agentur „Herzflimmern“. Währenddessen knistert es gewaltig zwischen Paula und Karl, der sich ein Dauerengagement an ihrer Seite vorstellen könnte. Doch auch bei Ex-Mann Herbert erwachen alte Gefühle.

Die Initialzündung zum Roman ...
... kam durch den Film „Shoppen“, den ich klasse fand. Ich dachte: So was müsste es auch für Oldies geben. Stattdessen werden ältere Singles oft von hinterhältigen Partnervermittlungen über den Tisch gezogen, wie man in den Medien verfolgen kann. Als ich mit einer Freundin darüber sprach, erzählte sie mir, dass sie sich bei einem Ü50-Speed-Dating angemeldet hatte. Als der Termin wegen Männermangel mehrmals verschoben wurde, wurde ich richtig neugierig. Anscheinend hat das starke Geschlecht auch im fortgeschrittenen Alter „so was“ nicht nötig. Aber, fragte ich mich, was sind dass dann für Männer, die dennoch eine solche Anbandel-Möglichkeiten nutzen? Die Ausgangsidee für einen Roman wurde deutlicher. Womit wir zum nächsten Punkt kommen:

Die Idee ...
... dem Verlag präsentieren.
Da ich mit dem Aufbau-Verlag bereits bei „Liebe auf den letzten Blick“ sehr erfolgreich zusammen gearbeitet hatte, ging das telefonisch. Mein Vortrag kam auf Anhieb gut an, „Liebe“ ist ja in jedem Alter ein Thema, und ich setzte mich an die Ausarbeitung eines Exposés.

Hauptthema des Romans ...
... ist der Männermangel im fortgeschrittenen Alter.  Gerade jenseits der fünfzig leben viele Frauen wieder allein. Meist unfreiwillig. Teilweise stirbt der Partner, oder sie werden für eine jüngere Frau verlassen und fühlen sich deshalb umso einsamer. Leider reduziert sich ohne Mann an der Seite auch das soziale Leben, weil der Freundeskreis oft der des Mannes war. Wenn alleinstehende Frauen dann keinen eigenen gut funktionierenden Freundeskreis haben, auch noch arbeitslos und wenig kommunikativ sind, vereinsamen sie völlig. Das Gefühl alt und unattraktiv zu sein wird übermächtig, sie verkriechen sich regelrecht oder verbringen viel Zeit auf dem Friedhof, wie eine meiner Protagonistinnen. Der Wunsch nach einer neuen Liebe bleibt also für viele unerfüllt. Eine eher traurige Thematik. Die zu einer witzigen Geschichte zu verarbeiten, darin lag für mich der Reiz.

Das Schreiben ...
... beginnt mit Aufräumen und Putzen meines Schreibtisches.



Dann geht’s los: mit viel guter Laune, schwarzem Tee und Zuversicht. Während ich das Exposé erarbeite, fällt mir der erste Satz für das erste Kapitel ein,  und so beginne ich zeitgleich am Text schreiben. Eines ergibt sich aus dem anderen und wenn das Exposé steht, ist auch das erste Kapitel fertig. Obwohl das jetzt ziemlich locker-flockig klingt, läuft der Anfang zäh. Es kann schon mal passieren, dass ich vor dem Laptop sitze und am Ende des Tages keine halbe Seite geschrieben habe. Für mich sind das aber keine Schreibblockaden. Die kann ich mir nämlich nicht leisten. Wie im richtigen Leben läuft es auch beim Schreiben nicht immer nach Wunsch. Es gibt gut und schlechte Tage. Da hilft nur eiserne Disziplin: dranbleiben, dranbleiben, dranbleiben! Diese drei Worte schreibe ich in dicken Großbuchstaben an den Beginn des ersten Kapitels und lösche sie erst, wenn ich mit den Figuren warm geworden bin und die Handlung an Fahrt gewinnt. Das dauert ca. 50 Seiten. Im Verlauf der Geschichte ergeben sich natürlich Fragen, die nicht vom Exposé beantwortet werden. Dann beginne ich zu recherchieren.

Recherchearbeit ...
... war bei diesem Projekt äußerst vergnüglich! Eine wichtige Frage war: Wo findet Frau Ü50 eine neue Liebe? Oder auch nur einen Partner zur Freizeitgestaltung? Aber vielleicht will sie sich gar nicht wieder fest binden, sondern mal ein Theaterstück ansehen, das Tanzbein schwingen oder in den Urlaub fahren. All das macht allein wenig Spaß. Ich begann online nachzuforschen, und gab bei der allseits bekannten Suchmaschine: „Freizeitgestaltung für Oldies“ ein. Angeboten wurden mir Seniorenzentren, sowie Aktivitäten für Senioren. Bei dem Wort „Senioren“ denkt man ja gerne an Gebissreiniger, Stützstrümpfe und Inkontinenzeinlagen. Aber ich wollte nicht voreilig urteilen, zudem ein Seniorenzentrum kostenlose Yogakurse anboten, was ja auch nicht uninteressant ist. Nicht alle Oldies verfügen über ein gutes Einkommen oder eine fette Rente. Außerdem hält Bewegung jung und lässt vielleicht auch eine paar Speckröllchen schwinden.
Im Vorraum des Seniorenzentrums stolperte ich über eine Ansammlung von Gehwägelchen. Was wurde hier gegeben: Yoga am Krückstock? Rollatorrennen? Oder wurden beim Kaffeeklatsch doch nur Krankengeschichten ausgetauscht? Ich beschloss, es nicht näher zu ergründen und konzentrierte mich auf Fitnessstudios. Einige entpuppen sich als Anabolika-Tempel mit vorwiegend muskelbepacktem Publikum unter 50. Andere gehörten zu den Trend-Sportstätten, die meine Heldin liebend gern besucht hätte – wenn sie 30 Jahre jünger wäre. Doch ich fand auch Studios, die kein Problem mit älteren oder sportfaulen Menschen hatten. Schwimmbäder kamen natürlich auch infrage, vor allem könnte frau dort das Objekt ihrer Träume gleich in voller Schönheit betrachten. Noch „genauer“ wäre das in einer Sauna möglich, doch damit hat meine Heldin ein spezielles Problem. Nachzulesen im Roman. Der letzte Punkt auf meiner Rechercheliste war das Speed-Dating, von dem meine Freundin erzählt hatte. Davon versprach ich mir am meisten Input. Dass meine Heldin so eine Veranstaltung besuchen würde, stand bereits fest. Und es hat sich gelohnt! Was ich da erlebt habe, konnte ich mit der „nötigen Übertreibung“ wunderbar im Roman verarbeiten. Eine Regel, die Rainer-Werner Fassbinder stammt: „Das richtig Maß an Übertreibung kommt der Wahrheit am nächsten!“

geschrieben von Lilli Beck

  • Taschenbuch: 320 Seiten
  • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (22. Juli 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3746629462
  • ISBN-13: 978-3746629469




Wenn ihr Lust auf das Datingverhalten älterer Menschen,verpackt in einen humorvollen Roman habt, dann schreibt euch das Buch auf eure Wunschliste. Ab Montag ist es erhältlich :)



Kommentare:

  1. Das klingt klasse. Ich kann es mir schon richtig gut vorstellen, zumal ich "Liebe auf den letzten Blick" schon mochte und damit den Schreibstil von Lilli Beck schon etwas einschätzen kann. Das landet ganz sicher auf meiner WuLi.

    LG Beate

    AntwortenLöschen
  2. ...ich werde es mit in den Urlaub nehmen und im Strandkorb lesen ;-) Liebe Grüße, Monika

    AntwortenLöschen