Freitag, 2. August 2013

[Die Story hinter dem Buch] Sven Koch - Dünengrab


heute:

 
Sven Koch - Dünengrab
 


Die Geschichte vom „Dünengrab“ beginnt mit einer Nachrichtenmeldung. Mit einem Bericht über eine Mordserie auf Long Island/New York. Mit einer Frau, die bei einem Anwohner um Hilfe sucht, dann plötzlich wieder verschwindet und später tot aufgefunden wird in dem dichten Bewuchs an der Küste nahe den endlosen Atlantikstränden. Und weitere Leichen. Bis heute ist die Mordserie ungeklärt.  Es geht um den so genannten Craigslist-Ripper. Craigslist ist eine Internetplattform. Viele der elf Opfer haben dort als Prostituierte ihre Dienste angeboten.   

Ich bin oft an der Nordsee. Seit vielen Jahren immer wieder. Auf den Inseln von Sylt bis Ameland, auch in Dänemark, vor allem auf den ostfriesischen Inseln. Ich habe sie fast alle durch. Ist nicht weit von hier. Ich liebe die Weite, das Raue, das Meer, den Wind. Und auf Long Island sieht es fast so aus wie dort. Später erfuhr ich, dass Roman Polanski Teile seines Films „Der Ghostwriter“ mit Ewan McGregor auf Sylt gedreht hat. Sylt als Long Island. Er konnte nicht in den USA drehen, weil er dort sofort verhaftet worden wäre, aber das ist eine andere Geschichte.   


So entstand die Grundidee zum „Dünengrab“: Eine Person wird vermisst, die Polizei denkt sich nichts weiter dabei - und statt der Vermissten findet sie ein paar Leichen in den Dünen. Und dann denkt sie sich durchaus etwas dabei – während die Vermisste weiter verschollen bleibt, vielleicht in den Fängen eines Serienmörders ist. Und das alles in einem kleinen Urlaubsort, einer Hafenidylle an der Nordsee, wo jeder jeden kennt. Scheinbar.   

Die Geschichte zwang sich mir förmlich auf, als ich gerade „Totenmond“ geschrieben hatte. „Totenmond“ ist der dritte Krimi rund um meine Kriminalpsychologin Alex Stietencron, die im Westfälischen ermittelt. Nach „Purpurdrache“ und „Brennen muss die Hexe“ und dem dritten („Totenmond“ erscheint im November) hatte ich mal Lust, etwas anderes zu schreiben. Mir waren auch die Charaktere gleich klar: Tjark Wolf, ein Ermittler auf der Abschussliste und Abgründen, der mit einem laufenden Fall wieder zurück in den Sattel gelangen kann. Femke Folkmer, eine clevere und bodenständige Schutzpolizistin, die unter ihren Möglichkeiten in einer Mini-Behörde arbeitet. Er ein Städter, sie vom Dorf. Er ein bekannter Polizist, der ein Bestseller-True-Crime-Buch geschrieben hat – sie, die zunächst in Ehrfurcht erstarrt, als sie mit Tjark ermitteln soll, aber ihr „Denkmal“ bröckeln sieht…   


Ich schrieb also ein Exposée zu „Dünengrab“, und es gefiel meiner Agentin gut. Zum Glück auch meiner Lektorin, und es brauchte ein wenig Zeit, bis sie es im Verlag engagiert durchsetzte, „Dünengrab“ zu machen – denn immerhin habe ich bereits eine Serie laufen. Eine zweite dazu, das brauchte etwas Überzeugung, doch die Geschichte und das nordische Setting setzten sich rasch durch. Inzwischen ist klar, dass es der Auftakt zu einer zweiten Serie ist – Teil 2 habe ich schon geschrieben, er erscheint im Frühjahr 2014. An Teil 3 mit der gleichen Crew arbeite ich gerade. Dabei ging es mir von Anfang an darum, keinen Regio-Krimi zu schreiben. Regio-Krimis sind nicht meins, andere können das viel besser. Es ging mir darum, einen Krimi in ein nordisches Umfeld zu packen – mit der Nordsee als Klammer – und diesen natürlich mit etwas Lokalkolorit zu versehen. Insofern ist es so wenig ein Regio-Krimi wie alle Romane, die in New York, Paris, Berlin oder Göteborg handeln. Zudem sehe ich meine Romane nicht als reine Krimis. Sie haben stets viel von Thrillern, deswegen ist die Bezeichnung „Crime-Thriller“ vielleicht dir richtige.   

„Dünengrab“ habe ich dann zwischen Sommer 2011 und Frühjahr 2012 geschrieben – in zwei unabhängigen Strängen, die später zusammenlaufen, und die ich erst hinterher gemixt habe. Strang Eins erzählt die Geschichte der Polizei, Strang Zwei berichtet von der vermissten Vikki Rickmers. Dieser zweite Strang war komplett isoliert vom ersten – die Geschichte gibt das auch so her und fordert das sogar, und so konnte ich mich voll und ganz auf das konzentrieren, was Vikki geschieht, was in ihr geschieht, ohne dabei immer wieder beim Schreiben gedanklich zu den anderen zu springen.  


Tjarks Auftritt geschieht bei einer Razzia. Motorradbanden werden hier in den Fokus genommen, und die sind im Norden Deutschlands immer wieder präsent, auch in den Nachrichten. Mir gefiel die Idee, das Thema einzuarbeiten. Außerdem gefiel mir, Tjark zu einem Comicsammler zu machen. Ich sammle selbst welche, alte Marvels, und Tjark sammelt sie unter anderem als Wertanlage – dabei gibt der dauernde Kampf des Guten gegen das Böse in den Superhelden-Heften auch ein wenig von Tjarks Einstellung wieder: Tag für Tag antreten gegen die Kriminalität, ohne dass es jemals weniger wird… Das kann sicher auf Dauer desillusionieren…   

Bei der Recherche habe ich noch eine Menge über das Phänomen des Seenebels erfahren – und einiges an plattdeutschen Sprüchen gelernt. Dabei hat mir ein Verein der Plattdeutschen Sprache etwas geholfen – einerseits mit einem Online-Lexikon, andererseits per Mail, denn man muss sehr wohl zwischen dem Platt differenzieren, das in Emden vorherrscht, und dem, das in Aurich gesprochen wird. Aurich heißt übrigens „Auerk“ – und es war ganz schön, sich mal mit Städten zu befassen, an denen ich sonst nur vorbeifahre. Interessant waren überdies einige Details über die Seefahrt im Wattenmeer. Dass Boote dort „trocken fallen“ bei Ebbe, und natürlich entsprechend gebaut sein müssen.   


Insgesamt hatte ich furchtbar viel Spaß beim Schreiben am „Dünengrab“ – und es wäre toll, wenn das auch beim Lesen ankommt. Ich hoffe das natürlich, denn ich weiß nach dem Schreiben des zweiten „Dünen“-Krimis schon jetzt: Mit dem Spaß am Schreiben meiner nordischen Geschichten wird es verlässlich nicht weniger werden… 

geschrieben von Sven Koch

  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. August 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426513226
  • ISBN-13: 978-3426513224





Bei mir hat Sven Koch seinen Job erfüllt, denn seitdem ich die Story hinter dem Buch gelesen habe, steht das Buch auf meiner Wunschliste *g* Wie ist das bei euch?

Kommentare:

  1. Dank deines tollen Posts steht das Buch nun auch auf meiner Wunschliste, liebe Claudia. :)

    LG
    Sabine

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    1. *g* Mir ging es genauso. Eigentlich hatte ich das Buch nicht auf meiner Wunschliste. Nach dem Lesen der Story allerdings schon :)
      LG Claudia

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  2. Bei mir steht das Buch aus dem einfachen Grund nicht auf der Wunschliste, weil ich es bereits gelesen habe. Ich kann Spannung bis zur letzten Seite versprechen.

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