Dienstag, 20. August 2013

[Rezension] Rhue, Morton - Ich knall Euch ab

Gary und Brendan sind nur zwei Schüler aus einer immens hohen Anzahl von Teenagern, die in der Schule gemobbt werden. Demütigungen stehen an der Tagesordnung und ihre Lehrer schauen weg. Der Hass in den beiden Jugendlichen steigt ins Unerträgliche, bis sich langsam ein Gedanke breit macht: Sie wollen den Amokläufern von Littleton nacheifern. Dafür erarbeiten sie ein detailliertes Konzept, lassen sich von niemandem abbringen und bereiten alles für den Tag der Abrechnung vor - der Tag des Abschlussballs.

Amokläufe an Schulen, die von Mobbingopfern durchgeführt werden, stehen zwar noch nicht an der Tagesordnung, aber jeder Anschlag dieser Art ist einer zu viel. Trotz der Erschütterung, die nach jedem Amoklauf folgt, scheint es die Menschen nicht stark genug zu treffen und sie verschließen weiterhin die Augen. Die Mobbingopfer müssen so sehr leiden, dass ihnen nur noch der Freitod als Möglichkeit erscheint und da der Hass auf die Täter nach Monaten oder Jahren der Qual enorm zugenommen hat, erscheint die Möglichkeit einer Abrechnung eine verlockende Alternative zum Selbstmord zu sein. Morton Rhue versucht mit seinem Roman das Bewusstsein für diese Taten zu erhöhen, aufzuweisen, dass jeder einzelne etwas dagegen unternehmen muss und das solche Taten absolut vermeidbar wären.

Ruhe hat sich eine fiktive Geschichte ausgedacht, in der er 22 verschiedene Personen zu Wort kommen lässt. Betroffene Schüler, Lehrer, die Eltern der beiden und Gary und Brandon anhand ihrer Abschiedsbriefe. Jede Person hat ihren eigenen Sprecher und dadurch erlangt die Präsentation eine besondere Authentizität. Die einzelnen Wortmeldungen der Beteiligten setzen sich wie ein Puzzle zusammen und erzeugen das Bild einer Gewalttat, welches sowohl die Ursachen, als auch die Resultate darlegt. Diese Präsentation erscheint sehr realitätsnah und durch die unmittelbaren Gedanken der beteiligten Personen verliert man schnell das Bewusstsein dafür, dass es sich um reine Fiktion handelt. Zu real und zu erschütternd wirkt die Geschichte.

Ich war am Anfang überrascht, dass der komplette Roman nur aus Berichten von Augenzeugen besteht. Dessen war ich mir vorher nicht bewusst. Nach kurzer Zeit habe ich mich jedoch daran gewöhnt, auch wenn ich einen üblichern Schreibstil wahrscheinlich mehr zu schätzen gewusst hätte. Ich fand nicht alle Stimmen für ein Hörbuch geeignet, aber bei der Masse an Sprechern kommt jedem nur eine geringe Anzahl an Minuten zu, daher war es nicht wirklich störend. 

Fazit:  Die Rekonstruktion des Amoklaufes nimmt die meiste Zeit des Hörbuches ein und somit erhält der Hörer ein detailliertes Gesamtbild, wie es zu dem Amoklauf kam und wie dieser anschließend ablief. Rhue packt erneut ein brisantes Thema an, über das weiterhin so viel wie möglich berichtet werden muss, bis dieses unsinnige Sterben aufhört. Der Erzählstil ist jedoch gewöhnungsbedürftig.

  • Audio: 2 CDs - ca 128 Minuten
  • Verlag: Jumbo Neue Medien (28. August 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3833722908
  • ISBN-13: 978-3833722905
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 15 Jahre
  • Verlag:



Kommentare:

  1. Das klingt nach einem wirklich unglaublichen (Hör-)Buch. Danke für die Rezension, vermutlich hätte ich das Buch sonst nicht entdeckt und das ist ein Buch, das ich wirklich lesen möchte (vor allen Dingen, nachdem die Welle mich schon so nachhaltig beeindruckt hat.)

    Alles Liebe, Chimiko

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  2. Hallo und guten Morgen,

    nun ich habe das Buch gelesen und muss sagen Morton Rhue hat schon eine eigenartige Weise Dinge auf den Punkt zu bringen.

    Aber wenn man sich darauf einlässt bekommt man eine interessanten/vielschichtigen Roman.

    Die Sache mit den verschiedenen Personen kann ich mir gut vorstellen kommt im Hörbuch noch besser rüber.

    LG..Karin..

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  3. Das Buch habe ich auch gelesen.
    Grad im Zusammenhang mit dem Film "Bowling for Columbine" und den ganzen Überfällen die an deutschen Schulen zu der Zeit passiert sind, war das Buch noch ergreifender.

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