Dienstag, 10. September 2013

[Die Story hinter dem Buch] Hampp, Rita - Im Dunkel der Schuld


heute:


Hampp, Rita - Im Dunkel der Schuld

 



Um was es geht

Ebba Seidel und ihre Geschwister Georg und Rosie wachsen in einem Haushalt voller Demütigungen und seelischer Grausamkeiten auf. Ihr alkoholkranker Vater tyrannisiert sie – bis er eines Tages bei einem Autounfall ums Leben kommt. Danach findet die Familie zum ersten Mal Frieden. Zwölf Jahre später hat sich die inzwischen dreißigjährige Ebba als erfolgreiche Galeristin einen Namen gemacht und lebt mit Pressefotograf Jörg in einer glücklichen Beziehung, obwohl ihr die grausame Vergangenheit noch immer zu schaffen macht. Auch die anderen Geschwister werden von ihren Erinnerungen heimgesucht. Ebbas Bruder Georg fühlt sich plötzlich verfolgt. Und als Georg unter mysteriösen Umständen stirbt, holt sie die Vergangenheit ein. Sein Tod ist erst der Anfang. Bald passieren Dinge, die Ebba mit ihren tiefsten Ängsten konfrontieren. Sie ahnt: Die Dämonen der Kindheit sind noch längst nicht besiegt. 

Woher es kommt

Die Idee zu diesem Thriller kam mir – wie so oft – an meinem Küchentisch. Ich koche nämlich gern und oft für Freunde, und dann geht es am Tisch hoch her. Alle möglichen Geschichten werden da erzählt, Kindheitserlebnisse ausgetauscht. Eines Abends hörte ich eine unglaublich erschütternde Episode, die mich nicht mehr ruhen ließ. Ich schmückte sie aus, überlegte hin und her, war elektrisiert und regelrecht besessen, dieses kleine Krümelchen weiterzufolgen. Es dauerte fast ein Jahr, bis ich die Geschichte rund hatte, und erst zu diesem Zeitpunkt war auch klar: wenn ich das aufschreibe, dann wird es ein Thriller. Und das, obwohl mir bewusst war, dass es nach vier Regionalkrimis und einem Familienroman mit einem erneuten Genre-Wechsel nicht leicht werden könnte. Werden meine bisherigen Leser mitwandern in neue Gefilde? Aber das war nur ein kurzer Gedanke, denn was nützt es, sich mit solchen Bedenken herumzuschlagen, wenn die Geschichte geschrieben werden will und muss.



Was mich berührte

Besonders hat mich das Grundthema nicht mehr losgelassen: Gewalt in der Familie. Damit meine ich nicht die körperliche Züchtigung, nicht Jähzorn, brutale Schläge oder gar sexuellen Missbrauch, sondern eine Seite, über die nicht oft gesprochen wird, die aber wohl jeder schon einmal erlebt hat: Die leise Gewalt des Schweigens, des Nichtbeachtens, der Missachtung, der seelischen Grausamkeiten und psychischen Quälereien, die ein Kind in der Seele tief verletzen kann und die die Betroffenen in ihrer Persönlichkeit verändern und sie über viele Jahre, ja, ein Leben lang im Griff haben und plagen.
Eine befreundete Psychologin unterstützte mich dabei, meine Helden mit den treffenden Persönlichkeitsmerkmalen auszustatten und ihr Psychogramm zu verfeinern.
Wenn ich während der Schreibphase im Kopf meiner Personen steckte, litt ich mit ihnen sehr mit. Ich glaube, man merkt dem Buch an, dass mir das Schicksal von Ebba und ihren Familienangehörigen sehr nahe ging.



Wo ich schreibe


Zum reinen Schreiben setze ich mich weg vom Schreibtisch, in meinen bequemen Sessel mit ausklappbarem Fußteil, in dem ich mit meinem Laptop auf den Knien automatisch eine entspannte Position einnehme. Beim vorletzten Buch habe ich gemerkt, wie wichtig das ist. Damals musste ich während der Schreibphase zweimal pro Woche zur Physiotherapie, weil ich so verspannt war. Irgendwann kam mir die Idee mit dem Sessel – und vorbei war es mit den Schmerzen, und meine damalige Lektorin, die mich über mehrere Jahre begleitet hatte, merkte es sogar meinem Schreibstil an.
Der Laptop mit dem für Verlagsarbeiten notwendigen Windows-Betriebssystem bleibt übrigens aus Angst vor Viren und Abstürzen strikt offline; er ist ein reines Schreibgerät.



Muss ich recherchieren, geht es an den Schreibtisch, zum großen Computer. Wie einfach die Suche nach Fakten heutzutage dank des Internets ist! Ich habe mich zwar zum Beispiel bei Fachleuten über das Thema Kampfsport erkundigt, aber die speziellen Handgriffe, die mich interessierten, habe ich mir anschließend stundenlang in entsprechenden Videos im Internet angesehen, bis wirklich jeder Handgriff und Fußtritt „saß“.
Außerdem kommuniziere ich via Blog, Facebook und e-Mails intensiv mit meinen Lesern. Diesen direkten Kontakt liebe ich sehr. Für mich ist das keine Spur von „Zeitverschwendung“, über die andere Kollegen manchmal klagen. Es ist ja nicht so, dass man 24 Stunden am Stück schreiben kann. Kreativität und Konzentration erlahmen bei mir nach ein paar Stunden, und dann sind die kleinen Pausen am online-Computer mehr als willkommen.


Wie ich schreibe

Ich brauche feste Zeiten zum Schreiben. Früher bin ich schon um fünf Uhr morgens mit einer fertigen Szene im Kopf aufgestanden und habe losgelegt, in den letzten Jahren hat sich der Nachmittag als besonders günstig erwiesen. Zwischen 13 und 18 Uhr bitte nicht stören! Vor allem nicht, wenn gerade ein neues Buch entsteht. In der Phase, in der die erste Version geschrieben wird – das dauert in der Regel drei bis sechs Monate – bin ich sehr nervös und kann auch abends nur schlecht abschalten.

Davor habe ich schon viele Monate mit den Vorbereitungen für das Werk verbracht, habe Personen ausgearbeitet, die Handlung entwickelt und die Kapitel skizziert. Inhaltlich wird dank dieser Gründlichkeit während des Schreibens nicht mehr viel geändert, stilistisch dauert es allerdings mehrere Durchgänge, bis ich einigermaßen zufrieden bin.


Was mir passierte



Ich recherchiere möglichst genau. Zum Glück spielen alle meine Bücher in Baden-Baden, wo ich auch wohne. In „Im Dunkel der Schuld“ sollte meine Heldin Ebba ihre Galerie in der Nähe des Augustaplatzes mit Blick auf den Springbrunnen betreiben. Gar nicht so einfach, den geeigneten Ort dafür zu finden. Eigentlich hätte ich die Räume gern in das historische, wunderschön restaurierte „Goldene Kreuz“ gelegt, aber von dort hätte Ebba den Springbrunnen nicht „richtig“ sehen können. Also habe für sie eine riesige, helle Galerie erfinden müssen – das ist das Schöne an der Fantasie. Andere Dinge wiederum fügen sich aus der Realität nahezu magisch ins Geschehen, so die Schneekatastrophe Weihnachten 2010, während der auch in Baden-Baden der komplette Verkehr zum Erliegen kam. Ich hatte dieses Setting genau für diese Zeit in meinem Thriller gebraucht und staunte nicht schlecht, als mir einfiel, wie es damals tatsächlich auf den Straßen zugegangen war. Wunderbar!

Genauso detailliert, wie ich auf das Innenleben meiner Personen Wert lege, erforsche ich auch ihr Umfeld. Sehr spannend fand ich es zum Beispiel, mich bei Insidern über den Kunstbetrieb zu informieren. Ich interessiere mich seit meiner Zeit in New York, in der ich viele Maler persönlich kennengelernt habe, für Kunst. Weil meine Heldin Ebba Galeristin ist, habe ich nun quasi die Seiten gewechselt und ganz neue Facetten dieser faszinierenden Welt kennengelernt. Ich persönlich könnte mich nur schwer von einem liebgewonnen Bild trennen, aber das sehen die Profis ganz nüchtern. Für sie ist die Jagd und natürlich der Erfolg, für einen Kunden das gewünschte Bild aufzutreiben, der „Kick“; danach können sie das Werk wie eine „Sache“ loslassen.

Gemischte Gefühle hatte ich übrigens bei meinem Besuch in einem Bestattungsinstitut, der für eine bestimmte Passage in meinem Thriller nötig war. Die Firmeninhaber waren sehr, sehr nett und haben mir meine anfängliche Scheu genommen und mir offen alles erklärt. Ich habe einen Riesenrespekt für ihre Arbeit bekommen, auch wenn sich das in einem Thriller naturgemäß etwas anders liest. Eine Zeitlang war ich dann Stadtgespräch, weil ich mich – um es ganz genau zu wissen - auch in einen Sarg legte und den Deckel zuschieben ließ. Ob mich das Überwindung gekostet hat? Eigentlich nicht. Ich war eher unsicher, ob ich meine Schuhe anbehalten darf…
Tja, mehr verrate ich nicht. Aber wer will, kann sehr gerne noch in meiner Leseprobe schmökern. Viel Spaß dabei!



geschrieben von Rita Hampp



  • Taschenbuch: 512 Seiten
  • Verlag: Diana Verlag (9. September 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453357507
  • ISBN-13: 978-3453357501



Kennt ihr die Autorin aus ihren Regionalkrimis und werdet ihr ihr in den Thrillerbereich folgen?
Sagt euch die Geschichte zu? Ich bin gespannt!

Kommentare:

  1. Hallo Claudia,
    die Schriftstellerin kenne ich nicht. Aber was ich jetzt gelesen habe, macht mich neugierig auf mehr... Das Buch kommt jetzt sofort auf meine Wunschliste. Toll die Story hinter dem Buch.

    LG Ina

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  2. Hallo Claudia,

    nun auch mir ist diese Autorin unbekannt, aber ich bin immer interessiert gerade an solchen Autoren mit regionalem Bezug zu ihrem Geschichten, denn es macht alles viel plastischer, finde ich persönlich.

    Danke für den Tipp.

    LG..karin..

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  3. Hallo Claudia,

    ich kannte diese Autorin noch gar nicht (Schande über mein Haupt), aber die Story (und deinen Beitrag) finde ich so toll, dass "Im Dunkel der Schuld" auf meiner Wunschliste gelandet ist (und bald gekauft wird, da sich das Cover hervorragend für die Krimi/Thriller-Challenge eignet).

    Liebe Grüße von
    Sabine

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  4. Hallo Claudia,
    ich kenne alle Bücher von Rita Hampp und werde auch dieses lesen......freu mich schon drauf

    lg
    Marion

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