Freitag, 18. Oktober 2013

[Das Autoren 1x1 - Buchmesse-Special] Anika Beer

 proudly presents:



Anika Beer




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Autorenwelt
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1. Seit wann schreibst du?
Seit immer. Also ich weiß nicht, wann ich angefangen habe. Es gibt jedoch einen Punkt, den ich weiß, und zwar, dass ich mit 8 Jahren meine erste Schreibmaschine geschenkt bekommen habe, weil es noch ein Geburtstagsfoto von mir gibt, wie ich im rosa Bademantel an der Schreibmaschine sitze. Meine Eltern müssen da ja irgendwie drauf gekommen sein. Ich erinnere mich auch noch ganz dunkel an selbstgebastelte Heftchen, wo Geschichten von Tapsi, dem kleinen Hund drin stehen, die waren, glaube ich, noch vorher. Also schon ganz, ganz lange.

2. Warum ist „Autor“ für dich der beste Beruf der Welt?
Weil ich mir meine Zeit selbst einteilen kann und vor allem natürlich weil ich das mache, was ich immer machen wollte. Mit 12 habe ich gesagt "Ich werde die jüngste Schriftstellerin der Welt". Ich war dann doch 27, als das erste Buch raus kam, aber das passt ja so ungefähr.

3. Beschreibe dein Buch / eins deiner Bücher in weniger als zehn Worten und verrate, auf welchen Titel sich die Beschreibung bezieht.
Dystopie, Vampire, Genexperimente, Vampirjäger, verschollen, Liebe, Verzweiflung, Verrat, Knarren und Blut. (Die Blutgabe)

4. Wo schreibst du am Liebsten bzw. hast du besondere „Rituale“ beim Schreiben?
Es gibt gar keinen Ort, wo ich sage, dass ich am liebsten schreibe. Für mich ist es wichtig, dass ich immer mal zwischendurch den Ort wechsle. Also dass ich nicht immer am gleichen Ort sitze. Deswegen ist der Laptop mein bevorzugtes Arbeitsgerät. Einfach weil ich mal im Schlafzimmer sitzen kann, mal am Küchentisch, mal auf dem Sofa. Damit man nicht immer das gleiche sieht, wenn man hoch guckt.

5. Hast du einen Tipp für zukünftige Autoren?
Jede Menge eigentlich. Also zum ersten Geduld. Ganz viel Geduld und an sich selbst arbeiten. Nie denken, dass man gut genug ist. Es gibt immer etwas zu lernen und wenn man das Glück hat, dass jemand einem ernsthafte Kritik gibt: zuhören. Ich weiß, man neigt dazu immer dicht zu machen und am liebsten zu sagen "Aber nein, so ist das überhaupt nicht und ich hab das ganz anders gemeint“, aber wenn es jemand anders empfunden hat, dann hat er vielleicht einen Grund dafür. Und dann, was ich gar nicht oft genug sagen kann: Bezahlt niemals jemanden dafür, dass er euer Buch veröffentlicht. Niemals. Denn kein seriöser Verlag würde das tun. Ob es ein großer Verlag ist oder ob es ein kleiner Verlag ist. Der Verlag bezahlt den Autor, nicht umgekehrt. Alles andere ist kein richtiger Verlag. Der Mythos hält sich leider hartnäckig, dass man für eine Veröffentlichung bezahlen muss, aber NEIN. Das ist mir wichtig.




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Private Welt
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6. Was ist deine Lieblingsfarbe?
Grün.

7. Was war als Kind dein Traumberuf?
Schriftstellerin, zwischendurch auch mal Pferdewirtin. Aber das habe ich dann aufgegeben, Ich kann auch nicht reiten. Also selbst daran ist es schon gescheitert.

8. Was ist dein Lieblingsessen?
Alles mit Nudeln.

9. Welches Genre liest du selbst am Liebsten?
Da bin ich gar nicht festgelegt. Ich bin sehr neugierig auf alles. Es darf nicht zu kitschig sein -  Hauptsache, es sind interessante Figuren drin, interessante Geschichten. Wenn mir jemand sagt, das ist ein gutes Buch, lies das! Dann lese ich es..

10. Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?
Man muss ja immer neue Projekte haben. Ich habe sonst immer gesagt, ich möchte einmal ein Buch veröffentlichen. Das habe ich nun mehrmals getan. Da denke ich also, ja okay, ich brauche ein neues Ziel für die Zukunft. Ich möchte mir ein Haus bauen im Stil alter japanischer Architektur mit Geheimgängen und allem drum und dran. Irgendwann möchte ich so viel Geld mit dem Schreiben verdienen, dass ich mir das leisten kann. Das ist einer meiner Träume, an denen ich noch arbeiten muss.


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Buchmesse-Special
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Welches Buch promotest du hier auf der Frankfurter Buchmesse?
Das ist "Wenn die Nacht in Scherben fällt". Das ist im Mai erschienen und ist mein neustes Jugendbuch bei cbj.

Ist es ein Einzelband oder Teil einer Reihe bzw. Trilogie?
Das ist ein Einzelband.

Worum geht es in diesem Roman?
Es geht um Träume und es geht um Nele, die eine besondere Beziehung zu Träumen hat. Sie ist Klarträumerin, sie kann ihre Träume verändern, wie es ihr gefällt.

Warum sollten Leser gerade zu diesem Buch greifen? Was macht es besonders?
Ich denke, Träume sind an sich immer ein spannendes Thema und Träume sind ein Thema, das eigentlich fast jeden betrifft. Jeder träumt ja irgendwie und es gibt ja tatsächlich auch diese Leute, die ihre Träume beeinflussen können. Und selbst wenn man das nicht kann, halte ich es für einen spannenden Gedanken und ich glaube es ist ein Thema, mit dem jeder etwas anfangen kann. Außerdem habe ich versucht, es auf eine neue Art anzugehen.

Deine bisherigen Bücher fallen alle in das Genre Jugendfantasy. Warum?
Das stimmt eigentlich so gar nicht, aber die anderen Bücher sind unter einem Pseudonym erschienen. Ich habe sowieso mit der Fantasy angefangen. In meiner Jugendzeit, so mit 15/16 habe ich sehr viel richtig klassische Fantasy gelesen. Damit habe ich im Prinzip auch das Romanschreiben angefangen und das bleibt mir bis heute ein bisschen erhalten. Eigentlich war ich auch gar nicht so in Richtung Jugendbuch orientiert. Also das erste Buch, das ich veröffentlicht habe war eine Dystopie mit Vampiren („Blutgabe“ im Aufbau Verlag) nebst Nachfolgeband. Und dann hatte ich diese Jugendbuchidee, die haben wir über meine Agentur separat angeboten. Um die Genre voneinander abzugrenzen haben wir eben zwei verschiedene Autorennamen genommen. Um es zusammen zu fassen: Die Idee war halt ein Jugenbuch und Fantasy habe ich schon immer gerne geschrieben.

Könntest du dir vorstellen auch in einem anderem Genre zu schreiben und welches wäre das?
Ja, tatsächlich. Klar, ich glaube es gibt fast nichts, was ich nicht mal ausprobieren würde. Ich bin da gar nicht festgelegt. Tatsächlich schreibe ich schon so lange, dass ich durchaus denke, es könnte auch mal interessant sein eine Geschichte ganz ohne Fantasy zu schreiben. Vielleicht macht man das mal und kommt danach wieder zur Fantasy zurück. Im Moment bastel ich an so etwas auch gerade, einfach mal um zu gucken, ob es mir liegt.

Sitzt du evtl. schon an einem neuen Buchprojekt, über das du eine Kleinigkeit verraten darfst?
Ich sitze tatsächlich an mehreren Projekten. Also es wird bei cbj auf jeden Fall noch ein neues Buch im nächsten Herbst geben und das ist ... nein, ich darf leider noch nichts verraten. Es ist kein Folgeband zu einem der ersten beiden. Aber es wird auch wieder eine fremde Welt geben, verbunden mit unserer Realität.

Was am gesamten Werdegang von der Idee, übers Schreiben, dem Verlag vorstellen, Änderungen vom Lektor umsetzen, bis zum Buch in der Hand halten oder erste Rezensionen lesen usw. ist für dich am schönsten, was am stressigsten oder nervigsten.
Natürlich ist es immer besonders schön, wenn das Buch erscheint und man es in der Hand hält. Ein ganz toller Moment ist auch, wenn man das Cover zum ersten Mal sieht. Bisher habe ich dabei auch immer Glück gehabt. Es kann ja auch mal sein, dass man ein ganz doofes Cover erhält. Man kann natürlich sagen, dass möchte ich bitte gar nicht, aber im Normalfall wird eben schon erwartet, dass man den Leuten vertraut, dass sie schon wissen, wie es sich vermarkten lässt, und bisher bin ich mit den cbj Covern sehr zufrieden.

Und wie ist das beim Schreiben, manche Autoren erzählen ja immer von kleinen Lebenskrisen zwischendrin. Kennst du das?
Ja. Ja immer. Das ist vor allem interessant, wenn man mehrere Romane geschrieben hat, kann man dann auch schon so einen Rhythmus feststellen. Also man fängt an, ist total begeistert und schreibt und dann läuft es alles ganz prima. Dann so nach den ersten 100-150 Seiten kommt dann der Punkt wo man denkt "... und jetzt noch so lange bis zum Ende und ich hab eigentlich schon diese neue Idee, die ich jetzt viel, viel lieber schreiben möchte“. Wenn es dann wieder aufs Ende zu geht, dann geht es meistens wieder besser. Mit Action und alles ist richtig cool und dann schreibt es sich auch wieder prima. Deswegen kann man über diese Flaute in der Mitte des Buches irgendwann besser hinweg kommen. Man weiß, man muss da einfach irgendwie durch und dann neigt man nicht so sehr dazu, ein Buch eben nicht zu Ende zu schreiben.

Hast du stets eine besondere Beziehung zu deinen Protagonisten oder kommt es auch vor, dass du deine Hauptfigur im Laufe der Geschichte gar nicht mehr besonders magst, bzw. könntest du überhaupt einen ganzen Roman schreiben, wenn du keine Bindung zu deinem Protagonisten aufbauen kannst?
Ich glaube nicht. Ich glaube, wenn ich jemanden überhaupt nicht leiden könnte, dann würde das nicht funktionieren. Man muss ja wirklich sehr viel Zeit mit dieser Person verbringen und auch irgendwie versuchen die Gedankengänge nachzuvollziehen. Also, man muss sich ja sehr in diese Person hinein versetzen und wenn man die dann nicht mag, … das wäre ja, als wenn man mit jemandem in eine WG ziehen würde, den man auf den Tod nicht ausstehen kann. Ich stelle mir das sehr schwer vor. Vielleicht würde man es durchziehen, aber dann kann man, glaube ich, auch nicht erwarten, dass die Leser die Figur mögen. Man merkt einem Buch ja zum Beispiel auch an, wenn ein Autor seine Figur zur sehr gemocht hat, das ist auch immer schwierig. Also so ein bisschen professionelle Distanz ist nicht verkehrt. Aber wenn man merkt, der Autor mochte sich gar nicht richtig mit seiner Figur beschäftigen, dann ist das für den Leser, glaube ich, auch blöd.

Wie lange bist du auf der Buchmesse und was bedeutet sie dir? Kannst du diese auch privat genießen oder hetzt du nur von Termin zu Termin?
Ich bin am Mittwoch angekommen, war abends auf der Randomhouseparty und jetzt bin ich heute (Donnerstag) und morgen (Freitag) hier. Heute ist relativ dicht mit Terminen, also ich hab immer zwischendurch mal eine halbe Stunde Zeit und man geht mal rum und schaut kurz, aber so richtig Zeit mir was anzugucken habe ich heute nicht. Aber morgen ist es von den Terminen lockerer und dass finde ich auch ganz gut, so ein bisschen bei den anderen Verlagen gucken, andere Autoren treffen. Das ist immer schön. Oder solche Interviews wie das hier mag ich auch eigentlich ganz gerne. Ich bin vorher immer total nervös, aber eigentlich ist es wirklich schön, auch Leser zu treffen und mal aus erster Hand zu hören – wie haben die Leute mein Buch gefunden? Oder mich mit den Leuten aus dem Verlag zu treffen, die auch alle total lieb sind, das ist einfach schön. Man trifft sie einmal im Jahr oder zweimal, aber viele sind ja auch gar nicht in Leipzig, da ist die Wiedersehensfreude immer groß. Daher fühle ich mich auch immer sehr wohl auf der Messe.

Wenn du einen Roman schreibst, hast du dann schon ein ungefähres Cover vor Augen und musst dich dann an den Verlagsentwurf erst gewöhnen oder konzentrierst du dich ganz aufs Schreiben? Wie sieht es mit deinem Arbeitstitel und dem späteren Buchtitel aus?
Eigentlich nicht. Ich hab da noch nie so drüber nachgedacht, dass ich mir auch selbst ein Cover ausdenken könnte. Das ist eigentlich immer ganz schön zu sehen, was die Grafikerin daraus für ein Cover macht. Es ja ist auch spannend zu sehen, wie nehmen andere Leute meine Geschichte wahr. Klar hat man selbst seine Bilder im Kopf, aber ich hätte jetzt keins, wo ich sage, das möchte ich unbedingt als Cover haben. Deshalb bin ich da immer ganz offen und auch leicht zu begeistern.

Arbeitstitel habe ich natürlich immer, aber die sind manchmal auch ganz abstrus. Also "Wenn die Nacht in Scherben fällt" habe ich "Traumfänger" ursprünglich genannt, was ja auch noch irgendwie Sinn macht, im Vergleich mit dem Buch. Aber z.B. „Als die schwarzen Feen kamen“ hieß ursprünglich einfach nur "Die Stadt". Das kann alles sein. Deswegen habe ich auch nichts dagegen, wenn jemand noch einen aussagekräftigeren Titel vorschlägt. Und da wir ähnliche Titel haben wollten für die beiden Bücher, war mir schon klar, dass der zweite Roman nicht „Traumfänger“ heißen wird. Aber „Wenn die Nacht in Scherben fällt“ habe ich mir tatsächlich auch selbst ausgedacht, und da haben die im Verlag bloß noch gesagt: "Nehmen wir, dann brauchen wir uns ja keine Gedanken mehr zu machen“.


Diese Bücher von Anika Beer könnten in eurem Bücherregal stehen:


Vielen Dank Anika, dass du beim "Autoren 1x1" teilgenommen hast :)


Kommentare:

  1. Ich kenn Anika Beer ja nur von den Autorenfotos auf der Randomhouse-Seite und ich meine auch in den Büchern. Aber ich glaube, sie hätte auf der Messe mit Buch in der Hand neben mir stehen können, ich hätte sie nicht erkannt ;)
    Ihre cbj-Bücher mag ich allerdings beide sehr.
    Schönes Interview.

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  2. Die vorletzte Frage, wie lange Anika auf der Buchmesse ist, da steht die vorherige Antwort noch einmal! ;-)

    Ansonsten ein schönes Interview! Und doch, man erkennt sie. *grins*

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    1. Habe ich korrigiert. Danke für die Info, Janika!
      LG Claudia

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