Dienstag, 29. Juli 2014

[Die Story hinter dem Buch] Patrycja Spychalski - Bevor die Nacht geht


heute:



Patrycja Spychalski - Bevor die Nacht geht

 



„Sag mal, was gibt es in Berlin eigentlich Interessantes zu sehen?“ 

Dieser Frage überforderte mich jedes Mal, wenn ich sie von Touristen gestellt bekam. „Puh…äh…ja…also kommt drauf an…“, antwortete ich mit einem gequälten Gesicht und suchte verzweifelt nach einer guten Location. 

Aber das konnte doch nicht sein! Schließlich lebe ich in Berlin, seit 27 Jahren schon und fast jeden Tag entdecke ich neue Plätze. Eine gepflasterte Straße, ein runtergekommenes Haus, einen Parkabschnitt wo noch gegrillt werden darf, ein Café, mit Graffiti besprühte Wände, Flohmärkte, Clubs, Flussufer, Museen und, und, und. 

Immer wieder neue Orte in Berlin entdecken.
 
Wenn die Touristen dann abzogen Richtung Brandenburger Tor, fühlte ich mich jedes Mal, als hätte ich ganz furchtbar versagt. Denn obwohl das Brandenburger Tor, der Fernsehturm oder der Kurfürsten Damm Berliner Wahrzeichen sind, haben sie nicht viel mit Berlin gemein. Dort trifft man nur selten einen Einheimischen an, der Kaffee ist viel zu teuer und warum man freiwillig ins Alexa zum Shoppen geht… nun- keine Ahnung! 

Eine Affenkapelle im Tiki Heart, einer Kneipe in Berlin- Kreuzberg

Ich beschloss also eine Liste zu machen mit all den guten Orten. Dort wo Flair ist, dort wo man etwas erleben kann, entdecken, den besten Döner essen, guter Musik lauschen, den Sonnenuntergang bewundern. Und während ich meine Liste schrieb, nisteten sich kleine Geschichten zu jedem Ort in meinem Kopf ein. Wie wäre es eigentlich mal in den Spreepark, einen stillgelegten Vergnügungspark, einzubrechen? Wie würde sich ein erster Kuss auf der Treppe vor dem Sowjetischen Ehrenmal anfühlen? Und warum nicht mal die alten Männer am Landwehrkanal fragen, ob man eine Runde Boules mit ihnen spielen darf? 

Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park. Perfektes Setting für den ersten Kuss.

Schnell musste eine Hauptfigur her. Und das Leben meinte es wieder gut mit mir. Abends, in der S- Bahn durfte ich ein ziemlich cooles Mädchen dabei beobachten, wie sie sich kackfrech zwischen eine Gruppe etwas angetrunkener Jungs, die sie nicht kannte, setzte. Sie lächelte breit, musterte die Reklame für eine Busreisegesellschaft und sagte: „Oh cool, für 19 Euro nach Kiel! Wollen wir da mal hinfahren?“ Die Jungs waren schrecklich überfordert: „Öhm… ühm…ja?...nein?...wir alle zusammen?“ „Na dann eben nicht!“ Und sie stieg aus, ließ die Jungs mit offenen Mündern zurück. Ich aber gab ihr den Namen Kim und klaute diese Szene als Opener für mein neues Buch. Der Rest entstand auf dem Fahrrad. Immer wenn ich irgendwohin musste, prägte ich mir die Stadt gut ein, beobachtete die Menschen, entwarf eine Route für einen Berlin- Trip. Auf der Elsenbrücke, die ich häufig passieren muss, traf ich gedanklich auf Jacob, das männliche Gegenstück zu Kim und schon konnte die Romanze beginnen!

Spreepark, ein stillgelegter Vergnügungspark in Berlin. Könnte man mal einbrechen.
 
In meiner acht monatigen Arbeit zu „Bevor die Nacht geht“ passierte es nicht selten, dass die Figuren plötzlich die Regie für ihre Story selbst übernahmen und meine Route durcheinanderbrachten. Zum Beispiel als Kim sich auf der Flucht vor dem Security- Typ im Spreepark ihren Arm am Zaun aufratscht. Der Umweg über das Urban- Krankenhaus war unvermeidbar. Hin und wieder habe ich geflucht, meist aber war ich den Beiden ziemlich dankbar, dass sie mich auf neue Wege brachten und somit meinen Horizont erweiterten.

Schlussendlich ist „Bevor die Nacht geht“ ein Berlin- Buch geworden, eine Liebesgeschichte in nur 24 Stunden (geht das wirklich gut?) und eine Liebeserklärung an diese Stadt, die Einigen rau und unfreundlich erscheinen mag. Wenn man aber genau hinschaut… ach, kommt doch einfach mit auf die Reise von Jacob und Kim! Seit 28 Juli im Buchhandel erhältlich.

Und wenn mich nochmal Touristen nach interessanten Orten fragen, kann ich ihnen mein Buch in die Hand drücken. Auf der letzten Seite ist auch eine Karte drin, dann können sie gerne die Orte ablaufen und ich muss mich nie wieder schämen versagt zu haben.




  • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
  • Verlag: cbt (28. Juli 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3570163032
  • ISBN-13: 978-3570163030
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren




1 Kommentar:

  1. Da bin ich ja gspannt, das Buch liegt ziemlich weit oben auf meinem SUB :)

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