Donnerstag, 28. August 2014

[Das Autoren 1x1] Claudia Brendler

 proudly presents:



Claudia Brendler




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Autorenwelt
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1. Seit wann schreibst du?
Geschrieben habe ich schon als Kind. Einige dieser alten Geschichten und Gedichte habe ich aufgehoben, manchmal amüsiere ich mich darüber (ich war als Kind nicht eben wählerisch, was Reime betraf.) Später, als die Musik meine zweite Leidenschaft wurde, habe ich viele Songtexte geschrieben. Nachdem der bestandenen Aufnahmeprüfung für das Musikstudium glaubte ich, mich entscheiden zu müssen, habe in der kurzen Wartezeit zwischen Prüfung und Studienbeginn einen halben Roman geschrieben und ihn später weggeworfen. Danach wollte ich mich komplett auf die Musik konzentrieren – wie man sieht, hat es nicht geklappt. Ich habe angefangen, für die Bühne zu schreiben, Comedytexte und Theaterstücke und dann landete ich wieder bei den Romanen.

2. Warum ist „Autor“ für dich der beste Beruf der Welt?
Weil ich alleine arbeiten darf, wann und wie ich will, weil ich alleine etwas erschaffen darf. Andererseits ist es auch ein verflucht einsamer Job. Das heißt, wer nicht gern allein ist oder erst in der Gruppe oder durch andere inspiriert wird, wird diese Arbeit vielleicht nicht so lieben. Natürlich bleibt es nicht beim einsamen Erschaffen einer Welt, es gibt im Schaffensprozess eine Menge Leute, die etwas dazu sagen, und das ist auch gut so. Angefangen bei den ersten Mentoren oder Lehrern, über AgentInnen, LektorInnen, KollegInnen und TestleserInnen. Dann muss man auch Teamplayer sein können und trotzdem die eigene Stimme behalten. Auf alle Fälle ist es ein erfüllender, wenn auch äußerst arbeitsintensiver Beruf.

3. Beschreibe dein Buch / eins deiner Bücher in weniger als zehn Worten und verrate, auf welchen Titel sich die Beschreibung bezieht.
Ein ernster Roman über das Komische.
Das bezieht sich auf die Fette Fee, die im Januar bei dtv erscheint. Eine der beiden Hauptfiguren ist Comedian und muss unbedingt eine witzige Nummer schreiben. Ihre Gegenspielerin ist ein sehr dickes, sehr unglückliches sechzehnjähriges Mädchen, das in einer Fantasiewelt lebt, wo sie eine schlanke, selbstbewusste Fee ist. Es ist ein literarisches, tragikomisches Buch, wobei die Tragik sehr weit geht. Also ganz anders als meine bisherigen Bücher

4. Wo schreibst du am Liebsten bzw. hast du besondere „Rituale“ beim Schreiben?
Meine Rituale sind vor allem zeitlicher Natur. Ich versuche, so früh wie möglich anzufangen, weil morgens meine beste und kreativste Zeit ist. Beim Nachdenken über den Plot oder Figuren oder Dialoge laufe ich meist, es gibt feste Spazierrunden. Schreiben kann ich überall, auch in Zügen und Flugzeugen, ich schreibe relativ oft auf Reisen, manchmal tut eine andere Umgebung dem Text sehr gut. Musik ist wichtig, ich suche mir die Musik zum jeweiligen Roman gezielt aus. Und da ich ja selbst auch noch als Musikerin aktiv bin und bei den Lesungen Szenen musikalisch begleite, versuche ich, dies manchmal schon beim Entstehungsprozess zu machen, also etwas zu spielen, was der Stimmung entspricht bzw. durch Musik mehr über die Atmosphäre herauszubekommen.

5. Hast du einen Tipp für zukünftige Autoren?
Auf jeden Fall: Dranbleiben, diszipliniert und regelmäßig, mit festen Schreibzeiten. Kritik zulassen – allerdings nicht wahllos. Also zum Beispiel literaturbegeisterte Freunde, die sich vielleicht auch mit dem Genre auskennen, den Text lesen lassen, Seminare oder Internetforen besuchen, sich mit anderen vergleichen und später eine professionelle Beurteilung anstreben. Allerdings sollte man diesen Schritt erst machen, wenn man sich seiner Sache relativ sicher ist, man verspielt sonst vielleicht eine Chance.
Wichtig ist auch: Beim kreativen Schreibprozess den inneren Kritiker ausschalten. Nachher ist er wieder dran, beim Überarbeiten. Ich finde es wichtig, diese beiden Bereiche zu trennen, die Schere im Kopf hemmt die Kreativität. Aber damit muss wohl jeder seine persönliche Umgangsweise finden.



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Private Welt
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6. Was ist deine Lieblingsfarbe?
Orange. Beziehungsweise ein Orange, in das sich Gelbtöne mischen, also eine Feuerfarbe. Dies ist schon lange so und lange habe ich nicht gewusst weshalb. Bis ich gelesen habe, dass Orange den Appetit anregt ...

7. Was war als Kind dein Traumberuf?
Es gab mehrere. Künstlerische Berufe wie Schriftstellerin oder Musikerin, aber auch Ärztin und Forscherin. Studiert habe ich dann zunächst Philosophie, Germanistik, Englisch – das ging in Richtung Schriftstellerin, dann habe ich mich doch für das praktische Musikstudium entschieden, klassische Gitarre.

8. Was ist dein Lieblingsessen?
Da bin ich ganz offen ... ich esse auf jeden Fall gerne. Aber Fleischgerichte fallen weg, da ich seit meiner Kindheit ein Veggie bin. Deshalb gehe ich am liebsten indisch essen. Auch italienisch (Nudeln aller Art!) Selbst kochen ist nicht so meine Stärke ...

9. Welches Genre liest du selbst am Liebsten?
Ich lese eigentlich recht selten Genreliteratur und wenn, dann meist die Bücher von Kollegen, die mich interessieren. Ansonsten lese ich am liebsten und häufigsten das, was man bei uns in Deutschland als „E-Literatur“ bezeichnet. Ich versuche, mich halbwegs über die interessanten Neuerscheinungen auf dem Laufenden zu halten, lese aber auch gerne die „Klassiker“. Besonders mag ich gern Grenzgänger zwischen „U“ und „E“ vor allem Tragikomisches, sehr gern auch aus angelsächsischen Ländern, die zu dieser Mischung ein etwas entspannteres Verhältnis haben als wir.

10. Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?
Ich würde gern die Bücher schreiben, die mir am Herzen liegen und dafür ausreichend Zeit zur Verfügung haben. Auch wäre es schön, wenn ich Reisen und Schreiben noch besser verbinden könnte, auch für längere Zeit. Unterwegs sein tut mir und meinen Geschichten gut. Ich will nicht gleich Weltreise sagen, aber ein langer Trip mit meinem Freund, mit genügend Geld, um relativ sorglos zu reisen – ohne in Luxus zu schwelgen – und dabei die Möglichkeit zu haben, an einem Manuskript zu arbeiten, das mir schon lange am Herzen liegt, ja, das wäre schon ein Traum.


Diese Bücher von Claudia Brendler könnten z.B. in eurem Bücherregal stehen:



Vielen Dank Claudia, dass du beim "Autoren 1x1" teilgenommen hast :)

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