Montag, 24. November 2014

[Rezension] Martens, Anna - Engelsschmerz

Jules Mutter hat seit Wochen nichts mehr von ihrer Tochter gehört. Sie versucht ihrem erwachsenen Kind zwar Freiräume zu geben, aber mittlerweile ist sie sicher, dass Jule etwas zugestoßen ist, denn trotz ihres Dranges nach Unabhängigkeit hätte sie sich in den letzten Wochen zumindest einmal kurz gemeldet. Die Polizei will der besorgten Mutter jedoch nicht glauben. Erst Kommissarin Annette Kirchgessner scheint die Sorge für gerechtfertigt zu halten und ermittelt auf eigene Faust. Währenddessen durchlebt Jule die Hölle.



Anna Martens ist ein Pseudonym der Autorin Anna Schneider, die bisher Jugendthriller geschrieben hat. Mit "Engelsschmerz" wurde nun ihr erster Roman für Erwachsene veröffentlicht. Die Handlung spielt in zwei Zeitebenen. Zum einen in der Vergangenheit (Juli), in der Jule in ihre bedrohliche Lage gerät und ums Überleben kämpfen muss, und zum anderen in der Gegenwart (September), in der die Mutter nach Jule sucht und schließlich Ermittlungen stattfinden. Da jedes Kapitel mit einer Datumsanzeige versehen ist,  bleibt der Roman strukturiert und die Wechsel die Zeitebenen führt nicht zu Verwirrungen.

Wie bereits bei den Jugendthriller bewiesen, hat Anna Martens einen flüssigen Schreibstil, was das Lesen sehr angenehm macht. Überrascht war ich, dass der Verlag das Buch als Thriller deklariert, die Autorin in ihrer Danksagung jedoch von einem Krimidebüt spricht. Der Roman beinhaltet von beiden Genres etwas - für mich dominiert jedoch eindeutig der Krimianteil. Für einen Thriller bietet mir "Engelsschmerz" zu wenig Spannung. Für einen Krimi hingegen ist die Handlung gut gelungen, auch wenn es inhaltlich keine großen Überraschungen gibt. Es ist ein solider Krimi mit einem zusätzlichen Fokus auf den Täter.

Mir hat gefallen, dass die Szenen aus unterschiedlichen Perspektiven geschildert werden. So kommen die Mutter, Jule und die Kommissarin zu Wort, aber auch der Täter, der mit sich selbst in der zweiten Person spricht und dadurch einen leichten Hang zum Wahnsinn erhält. Eine richtige Bindung zu den Charakteren konnte ich nicht aufbauen. Einige sind durchaus sympathisch, andere hingegen blieben etwas blass. Gut fand ich, dass die Mutter, trotz ihrer Verzweiflung, da die Polizei ihr nicht glaubt, nicht plötzlich selbst zur Super-Kommissarin mutiert und den Fall (ohne Fachwissen) schnell löst. Von diesen unglaubwürdigen Charakterentwicklungen gab es in letzter Zeit einfach schon zu viel.

Fazit:  Als Thriller hat der Roman für mich zu wenig Spannung, aber ich bin auch ein Spannungs-Junkie, was solche Romane betrifft. Die Autorin bietet inhaltlich nicht viel Neues, hat aber einen tollen Schreibstil, der den Leser rasant durchs Buch führt. Ich hoffe, dass es bald weiteres von Anna Martens zu lesen geben wird und vergebe dem Buch knappe 4 Sterne. Lesenswert für Krimileser, die solide Romane mit einem flüssigen Schreibstil zu schätzen wissen.

  • Format: Kindle Edition
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 290 Seiten
  • Verlag: Midnight (14. November 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • Verlagsgruppe:


1 Kommentar:

  1. Guten Abend, Claudia!

    ich habe es mir mal auf meinem Reader geladen und bin sehr gespannt darauf. Jetzt aber möchte ich einen Weihnachtsroman lesen. Es werden ja auch noch Karten geschrieben, Geschenke eingekauft und verpackt, da passt ein leichteres, gefühlvolles Buch besser in meinem Alltag, als ein Thriller/Krimi. Hab noch einen netten Abend und eine gute Nacht.

    AntwortenLöschen