Sonntag, 7. Dezember 2014

[Rezension] Genechten, Guido van - Ben der Schneemann...: Können wir nicht teilen?

Eine Schneeballschlacht mitten im Eisland. Zahlreiche Schneemänner, unter ihnen auch Ben, der kleine Schneemann, genießen das bunte Treiben. Einem Beobachter würde sofort auffallen, dass Schneemänner scheinbar stets etwas auf dem Kopf tragen. Ob nun Hut, Mütze, Blumentopf, Blechdose oder Strohhut - unbedeckt ist jedenfalls keiner. Doch mitten in diese Schneeballschlacht platzt ein Fremder, Dimitri. Er berichtet davon, dass er bei seiner Reise ins Eisland seinen Hut verloren habe und wirkt dabei ziemlich unglücklich.


Ben der Schneemann (2013) ist nach seinem ersten Abenteuer wieder zurück. Dieses Mal geht es ums "Teilen", denn die Schneemänner entscheiden, dass sie ihre Kopfbedeckungen teilen können. So hat jeder mal einen Tag ohne Bedeckung, aber dadurch gibt es eben keinen Schneemann mehr, der stets ohne Hut oder Mütze herumlaufen muss.

Dimitri, der aus der Fremde kommt und sich auch mit seinem Namen etwas absetzt, wird freundlich in der Mitte der Schneemänner aufgenommen. Mit Nächstenliebe leiht Ben ihm sogar für ein paar Tage seine Mütze. Beides tolle Aspekte für ein Kinderbuch. Nicht so gut gefallen hat mir hingegen, dass Demitri nach ein paar Tagen nicht mehr bereit war, die Mütze zurück zu geben. Am Ende löst sich dann zwar alles auf, da Ben Hilfe bei einem älteren Schneemann sucht und dann alle zusammen die Lösung erarbeiten, dass von nun an alle Schneemänner ihre Kopfbedeckungen täglich tauschen, aber zwischendurch missfiel mir die Entwicklung der Geschichte. Klein Ben verleiht etwas und bekommt es dann nur durch Hilfe von Erwachsenen wieder, da der Fremde sich nicht an die Spielregeln hält. Das hätte man sicherlich geschickter gestalten können.

© Aracari Verlag: Genechten, Guido van - Ben der Schneemann...: Können wir nicht teilen?

Bei der Illustration des Buches hingegen, gefällt mir alles. Die Schneemänner und ihre Kopfbedeckungen stehen klar im Vordergrund. Viel mehr gibt es somit auf den Seiten nicht zu entdecken, aber das ist in diesem Fall kein Manko. Obwohl die Gesichter der Schneemänner nur aus einer Karotte und einigen Steinchen bestehen, lassen sich stets die Emotionen der Figuren feststellen, was mir sehr zusagt. Die gewählten Farben passen hervorragend und das Kinderbuch ist wie der Vorgänger als stabiles Hardcover erschienen.

Fazit: Einen Abzug dafür, dass das Teilen anfangs in der Geschichte "bestraft" wird. Das halte ich nicht für ideal. Optisch hingegen wieder sehr ansprechend für Groß und Klein.






Kommentare:

  1. Liebe Claudia,
    interessant, wie unterschliedlich die Wahrnehmung zu einem Buch sein kann. Ich habe mich doch stark an dem Punkt gestört, dass Dimitri den Hut einfach behalten hat. Auch, dass ihm die Erwachsenen nicht helfen den Hut zurückzubekommen, fand ich ärgerlich. Aber am schlimmsten fand ich die Lösung am Ende, dass alle das Fehlverhalten des Neuen akzeptieren und dann dieses seltsame Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel beginnen. Das Ende und die ganze Idee des Teilens passt für mich einfach nicht. Die haben teilweise alte Dosen auf dem Kopf, warum suchen die nicht einfach nen neuen Hut oder so? Essen mal ne Dosensuppe und zack, haben sie nen neuen Hut. Es ergibt für mich alles keinen Sinn. Und latent ausländerdiskriminierend.... ach, lassen wir das. Ich habe das Buch weggelegt, denn ich habe kein gutes Gefühl dabei es meiner kleinen Tochter vorzulesen.
    Aber zum Glück sind Geschmäcker verschieden. ;)
    Liebe Grüße
    Mareike

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    1. Hallo Mareike,
      ich kann deine Eindrücke sehr gut nachvollziehen. Einiges davon habe ich ja auch in meine Rezension einfließen lassen.
      Ich war beim Lesen und Rezensieren nur etwas am Schwanken, wie sehr mich dieses negativ beeinflusst.
      LG Claudia

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