Dienstag, 13. Januar 2015

[Die Story hinter dem Buch] Christiane Güth - Lübecker Blut




heute:



Christiane Güth - Lübecker Blut

 


„Lübecker was?“
Das war meine erste Frage als der Verlag die Idee für den Titel meines neuen Buchs zur Sprache brachte. Ich hatte, wie auch bei meinen anderen Büchern, eine Liste mit Titelideen vorgelegt, doch irgendwie schienen die meisten nicht richtig zu passen. Und wenn sie passten, hatten sie die Titel bereits vergeben.
„Lübecker Blut“, sagte meine Lektorin vergnügt. Klingt ziemlich martialisch, dachte ich. Andererseits ist der Titel kurz und knackig und ich konnte mich gut damit anfreunden, obwohl in meinem Buch weniger Lübecker Blut fließt als die Leser denken mögen. Wenn ich schreibe, geht es mir nämlich immer mehr darum, eine fesselnde Geschichte zu erzählen und interessante, bisweilen schräge Figuren zu entwickeln als möglichst viel Blut spritzen zu lassen.

In meinen ersten beiden Romanen („Cheffe versenken“ und „Alle Wege führen nach Morden“) hatte ich eine junge, eigensinnige und leicht weltfremde Ich-Erzählerin namens Trixi als Hauptperson gewählt. Diesmal wollte ich etwas Neues ausprobieren und erschuf Jette und Kurt – ein Enkelin-Großvater-Duo, bei dem es an allen Ecken und Enden kracht.

Dass die Geschichte in Lübeck spielen sollte, war schnell klar. Die Stadt hat nicht nur viele interessante Viertel, sondern für mich auch eine persönliche Bedeutung. Die Familie meiner Großmutter stammt aus der Lübecker Bucht und meine Oma verlebte eine unbeschwerte Kindheit an der Küste. Ihr Fotoalbum ist voller Bilder von herrlichen Sonnentagen am Ostseestrand. Frisch verheiratet zog sie zu ihrem Mann nach Ostwestfalen, doch ihre Sehnsucht nach dem Meer blieb. Es folgten der Krieg und die deutsch-deutsche Grenze. Meine Großmutter durfte ihre Familie, die auf der Ostseite der Lübecker Bucht lebte, nur noch selten besuchen. Aus ihren Erzählungen wusste ich, dass sie jedes Mal eine Flasche frischen Ostseewassers nach Hause schmuggelte, um ihr Heimweh zu stillen. Manchmal fuhr sie auch nach Grömitz oder Scharbeutz. Von dort aus konnte sie ihre Heimat wenigstens von Weitem sehen. Die Wiedervereinigung erlebte sie leider nicht mehr.

Dem Verbrechen auf der Spur – bei Sonnenschein das reinste Vergnügen

Die Sehnsucht nach den eigenen Wurzeln und nach der Nähe zum Meer inspirierten mich zu Jette. Sie ist jung und reist von Kanada nach Lübeck, um ihren Großvater kennenzulernen und endlich an der Ostsee zu leben. Aber wie das in Krimis eben so ist, funkt das Schicksal dazwischen. Und Kurt ist auch nicht gerade ein Bilderbuch-Opa.

Recherche mit leichter Reiseübelkeit
Da ich nicht in Lübeck wohne, bin ich immer wieder in die Stadt gefahren, um zu recherchieren. Zum Beispiel brauchte ich Kurts Wohnort. Ich wusste, in welchem Stadtteil er leben sollte. Dafür muss ich nicht nur die Siedlung Gärtnergasse beschreiben, sondern auch wissen, wie lange Kurt von seinem Haus bis zu anderen Orten braucht. Um Szenen zu schreiben, in denen er mit seinem alten, klobigen VW Passat durch die Stadt gondelt, musste ich Zeiten stoppen. Zum Glück erklärte mein Mann sich bereit, mir dabei zu helfen. Das sah dann so aus, dass wir kreuz und quer durch Lübeck und Umgebung kurvten. Ich hatte einen riesigen Stadtplan auf dem Schoß und lotste uns durch alle Viertel. Mit der Stoppuhr in der Hand kritzelte ich Zeiten und Notizen auf den Plan. Leider hatte ich vergessen, dass mir schon als Kind beim Lesen im Auto schlecht wurde. Irgendwann war mir so übel, dass wir immer wieder anhalten mussten. 

Stadtplan und Fahrtenbuch in einem

Den Wohnort von Goran fand ich per Zufall. Wir schipperten über den Stadtgraben und die Trave und entdeckten ein schickes Appartementhaus. Die Wassergrundstücke gehören zu den besten Immobilienlagen der Stadt – genau die richtige Bleibe, mit der Goran Jette beeindrucken kann.

So oder so ähnlich könnte Goran wohnen
Im Buch spielen neben Kurt und Jette auch Kurts Freunde eine wichtige Rolle. Einer davon ist Fritz Brinktrine und er betreibt einen Kiosk auf der Mühlenbrücke. Obwohl ich in meinen Büchern zwar reale Orte, aber niemals reale Personen verwende, war es bei dieser Konstellation schwierig, da es auf der Mühlenbrücke einen Kiosk und natürlich auch einen Betreiber gibt. Kurzerhand habe ich ihn besucht und gefragt, ob es in Ordnung sei, wenn eine der Buchfiguren Besitzer seines Kiosks sei. Der „Echte“ war sofort begeistert und freute sich, dass sein Laden in einem Roman verewigt wird.

Natürlich habe ich auch meinen „Tatort“, den Lübecker Hauptbahnhof, unter die Lupe genommen. Um meine Eindrücke festzuhalten fotografierte ich die Gleise, die Halle und sogar die Toiletten. Nach wenigen Minuten hielten mich zwei Polizisten an, die mein Verhalten verdächtig fanden. Leider gibt es keinen Dienstausweis für Krimiautorinnen. Zum Glück konnte ich sie mit Pass und einem meiner Bücher, das in der Bahnhofsbuchhandlung auslag, überzeugen.

High Noon am Tatort: Der Lübecker Hauptbahnhof

Wie Ihr seht, sind Recherchereisen ziemlich spannend und sie machen viel Spaß. Beides wünsche ich Euch auch beim Lesen.

Herzlichst
Christiane Güth



  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch (7. Januar 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548286194
  • ISBN-13: 978-3548286198



Kommentare:

  1. Hallo Claudia,
    warum schreibst du Lübecker Mord, wenn das Buch doch Lübecker Blut heißt. *kopfkratz* Trotzdem sehr unterhaltend. Danke für den Einblick.
    LG Ina

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  2. Hallo Ina,
    das war natürlich ein Versehen. Habe ich schon geändert.
    LG Claudia

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  3. CHEFFE VERSENKEN mit der Protagonistin Trixie fand ich toll, weil ich humorvolle Krimis sehr mag.

    LG,
    Heidi, die Cappuccino-Mama

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