Montag, 5. Januar 2015

[Die Story hinter dem Buch] Claudia Brendler - Fette Fee




heute:



Claudia Brendler - Fette Fee

 



Die Geschichte der fetten Fee fing schon 2007 an. Wie immer bei mir mit den Figuren: Felicia, eine übergewichtige, unglückliche Fünfzehnjährige, die in einer selbsterfundenen Fantasiewelt lebt. Und die dynamische und gleichzeitig melancholische Jill, die ihren eigentlichen Namen Gundula verschweigt. Jill ist zweiundvierzig und die Ex-Freundin von Felicias Vater. Felicia ist ein Kind, das mehr oder minder ausversehen entstanden ist, das Ergebnis einer kurzen Affäre.
Soviel wusste ich 2007.
Und eigentlich sollte die Fee ein Jugendbuch werden.

In dieser Zeit schrieb ich außer an der Fee wie besessen an allem Möglichem: einem literarischen Roman (an dem ich heute noch arbeite), an dem Theaterstück Helenas Moment, das 2009 Premiere hatte, und gleichzeitig an komischen Texten. Und ich war mit den Queens of Spleens of Tour. Comedy war damals ein großer Teil meines Lebens. Dass die Comedywelt einmal Teil der fetten Fee werden sollte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. 


© Anna Meuer

Als die erste Version des Manuskripts fertig war, sollte die Fette Fee Filmstoff werden. Mit dem befreundeten Produzenten und dem Regisseur sprach ich oft über die Figuren, und obwohl sich die Filmidee später zerschlug, haben mich die Gespräche nachdenklich gemacht.
Mir wurde klar, dass der Stoff kein Jugendstoff ist. Die erwachsene Protagonistin Jill bekam also mehr Raum: sie wurde zur getriebenen Comedian, die verzweifelt auf der Jagd nach dem Witzigen ist und sich an Felicias Leben und ihren geheimen Geschichten bedient. Gleichzeitig erfand ich Felicias Fantasiewelt noch einmal neu. Felicia herrscht als schlanke, selbstbewusste Fee über das Fantasyreich Xo. Dort gibt es essbare Inseln, irdische Fremdwörter werden zu tolpatschigen, geschuppten Tieren und die Schulkameraden, die Felicia mobben, müssen als Zwerge in Ballettanzügen auf einer Pommesplantage Fronarbeit leisten.
Das alles hat eine komische Komponente, trotzdem steckt eine Menge Tragik in der Geschichte. Felicias Reich wird nach und nach zur Bedrohung für sie. Und Jill entwickelt wider Erwarten mütterliche Gefühle für Felicia; sie versucht einerseits, sie in die Realität zurückzuholen, spioniert sie jedoch gleichzeitig aus und benutzt ihre Ideen.

In der Zeit, in der ich mich nach und nach zum Kern der Geschichte vorabeitete und verschiedene Fassungen der Fee entstanden, schrieb ich Comedyromane für Knaur, drei in rascher Folge, das hieß: eng getaktete Abgabetermine, Comedy-Lesungen, dazu weitere Texte für die Bühne, Auftritte. Für die Fee blieb wenig Zeit. Aber da ich bekennender Workaholic bin und selbst im Urlaub arbeite, und meine Testleser und meine professionellen Begleiter mich immer ermutigt haben, blieb ich dran.

Workaholic in Norwegen
© Oliver Kraus

Mit der kontinuierlichen Arbeit daran trat das tiefere Motiv immer stärker hinter dem Plot hervor: Die Urheberschaft. Wie werden Ideen geboren? Kann man seinen eigenen Ideen und Texten eine gute Mutter sein? Wem gehört eine Idee? Wem gehört ein Kind?

Um diese Themen kreist die Fee auf verschiedenen Ebenen.
Man kann sie aber auch als „erfrischend andere Geschichte über das Erwachsenwerden, das Jungbleiben und das richtige Timing im Leben“ lesen, wie es im Klappentext heißt.

geschrieben von
Claudia Brendler



  • Taschenbuch: 304 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Januar 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423215666
  • ISBN-13: 978-3423215664



1 Kommentar:

  1. Es ist interessant, wie sich der Plot entwickelt hat, von der ursprünglichen Fassung zum fertigen Buch. Ich musste mich, wie so oft, auf die Sprache und den rasanten Schreibstil "einlesen", um schließlich ganz in die Thematik einzutauchen. Eine Verfilmung könnte ich mir übrigens gut vorstellen!

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