Dienstag, 27. Januar 2015

[Die Story hinter dem Buch] Elisabeth Herrmann - Schneegänger




heute:



Elisabeth Herrmann - Schneegänger

 


„Der Schneegänger“ ist eine jener Geschichten, die es ohne eine andere nicht gäbe - „Das Dorf der Mörder“, ein Psychothriller, in dem sich eine junge Streifenpolizistin quasi selbst in mein Buch hineingeschrieben hat. Ja, das passiert! Und jeder Autor wird das bestätigen können: Es gibt diese Charaktere, diese Persönlichkeiten, die man am Anfang gar nicht auf dem Schirm hatte und die sich dann zu grandiosen Sidekicks entwickeln – oder, wie im Fall von Sanela Beara, zur Hauptperson, die den anderen die Show stiehlt.

„Das Dorf der Mörder“ war mein erfolgreichstes Buch. Ich war viel unterwegs damit, landauf, landab. Ich liebe Lesungen! Sie sind meine Belohnung, mein Goodie, nach all den Wochen und Monaten allein am Laptop, umgeben von erfundenen Gefährten, die ich manchmal besser kenne als gute Bekannte, obwohl es sie in der Realität gar nicht gibt … schon ein bisschen schizophren :). An diesen Abenden inmitten von realen Menschen wurde ich oft gefragt, ob eine Fortsetzung geplant ist, ein Wiedersehen bzw. – lesen mit Sanela. Sie ist ja ein taffes cookie, keine leichte, einfache Person. Umso größer war die Freude, dass am Ende vom „Dorf“ meine Leser Sanela genauso ins Herz geschlossen hatten wir ich.

Sanela ist jung, ehrgeizig, beseelt von ihrem großen Traum: Kriminalkommissarin zu werden. Dafür muss sie sich einen Platz an der Hochschule erkämpfen, und den bekommt sie. Nicht zuletzt dank ihres Einsatzes in einem sehr rätselhaften Fall in einem brandenburgischen Dorf. Der nächste Schritt war für mich also, sie als Studentin zu sehen. Als jemand, der es gerade geschafft hat, einen der begehrten Plätze zu ergattern. Alles könnte so schön sein – erster Flirt, unbeschwerte Tage, wenn KHK Gehring nicht auftauchen würde, weil er sie braucht.

Wofür? Sanela hat kroatische Wurzeln. Gehring würde sie nach allem, was im „Dorf der Mörder“ passiert ist, nicht noch einmal auf etwas ansetzen, wenn er sie nicht wirklich brauchen würde. Also muss meine Geschichte etwas mit Kroatien zu tun haben, mit Menschen, die aus diesem Land nach Deutschland kamen und hier hofften, ein neues Leben aufbauen zu können. Was kann solche Hoffnungen mit Wucht zerstören? Was kann dazu führen, dass ein Mord geschieht? Ich stellte mir verschiedene Familienkonstellationen vor und dachte natürlich auch über die Frage nach: Warum braucht Gehring Sanela? Für Verhöre gibt es Dolmetscher, für Observierungen geschulte Einsatzkräfte. Was kann es sein? Wo muss man sensibel vorgehen, in welcher Situation ist es gut, wenn jemand dabei ist, der die Heimatsprache spricht … beim Überbringen einer Todesnachricht vielleicht?

So reiht sich eins ans andere. Und da Berlin und Brandenburg so viele wunderbare Möglichkeiten bieten, einem Mann nach der Trennung von seiner Frau Unterschlupf zu gewähren, und weil ich mir jemanden vorstellte, der vom Wesen her düster, ein wenig unheimlich, aber gleichzeitig sehr anziehend und attraktiv sein sollte … ein Steppenwolf … kam ich auf die Wölfe.

Wenn ich soweit bin, muss ich den Schreibtisch verlassen und raus in die Welt. Es geht los mit Gesprächen mit Michael Tsokos, dem Rechtsmediziner, bis hin zum Besuch einer echten Wolfsstation in der Lausitz. Erst vor Ort kann ich mir ein Bild über die Lebens- und Arbeitsumstände der Wildbiologen machen. Erst im persönlichen Gespräch ergeben sich Bereicherungen, Ideen, neue Stränge, denen ich folgen kann oder die ich auch oft genug verwerfen muss. Wieder zurück am Schreibtisch nimmt die Geschichte dann Form an. Mittlerweile ist es fast schon ein Ritual, im Frühsommer die Koffer zu packen und ins Haus einer Freundin in den französischen Cevennen zu ziehen. Zwei Monate bleibe ich meistens dort. In der Ruhe und Abgeschiedenheit des kleinen Dorfes kann ich sehr konzentriert arbeiten und komme mit dem Stoff gut voran. Der Rest wird in den Wochen und Monaten nach meiner Rückkehr geschrieben, immer wieder unterbrochen von weiteren Recherchegängen und Gesprächen. Mal an der echten Hochschule für Wirtschaft und Recht, mal im Polizeipräsidium am Platz der Luftbrücke. Und so entsteht, ganz langsam, über eine sehr lange Zeit hinweg, ein neues Buch.

Der Rest ist – noch mal Arbeit. Meine Lektorin liest das Script, checkt Zusammenhänge, findet Fehler (zuhauf!), macht Vorschläge, einzelne Szenen eventuell noch mehr hervorzuheben oder sogar noch die eine oder andere dazuzuschreiben. In der Zwischenzeit kümmern sich Grafiker ums Cover, werden Katalog- und Umschlagtexte entworfen, beginnt ein ziemlich großer Apparat im Hintergrund, mit meinem Manuskript als Rohstoff zu arbeiten. Am Ende des Prozesses hält man ein gedrucktes Buch in den Händen und ist einfach glücklich.

Dann beginnt, zumindest bei mir, das Bangen und Hoffen, ob meine Geschichte den Lesern gefällt. Ich wünsche mir, dass „Der Schneegänger“ auch dieses Mal wieder die Herzen erobert und Ihnen ein paar spannende, unterhaltende Stunden schenkt.

geschrieben von
Elisabeth Herrmann




  • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag (26. Januar 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442313864
  • ISBN-13: 978-3442313860




 

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