Freitag, 13. Februar 2015

[Gastrezension] Todd, Anna - After (1/4) After passion

Gastrezension von Starbucks


Endlosschleife, aber starker Schluss


Mit „After passion“ hat Anna Todd einen siebenhundert Seiten starken Jugendroman geschrieben, den man sehr gut hätte lesen können, wären es nur 300 Seiten gewesen, denn danach war wirklich alles gesagt.



Zum Inhalt: Die junge, brave und wohlerzogene Studentin Tessa ist zum ersten Mal auf sich allein gestellt, als sie ein Studium an der Washington Central University (WCU), nicht, wie im Klappentext beschrieben, an der Washington State University, anfängt. Die gute und sehr organisierte Schülerin hat einen Freund, mit dem bisher noch nicht viel gelaufen ist, und eine strenge Mutter, die all ihre Hoffnungen in das Mädchen steckt. Für alle bricht fast eine Welt zusammen, als Tessas Mitbewohnerin ein tätowiertes Partygirl ist, die ebensolche Freunde fast Tag und Nacht ins Zimmer lässt. Aber besonders der coole Hardin hat auf Tessa eine so anziehende Wirkung, dass sie sich bald vom braven Mädchen in eine sexhungrige, aber auch sehr selbständige junge Frau verwandelt…

Das Buch fängt wirklich gut an. Man kann sich gut in Tessa hineinversetzen und wünscht ihr zwar, sie würde nicht auf diese Typen hereinfallen, kann aber ihr Loslösen und ihre neu erweckte Abenteuerlust auch gut verstehen. Auch sprachlich hat mir der Roman anfangs gut gefallen. Nach einer Weile merkt man aber, dass der Inhalt fast ganz fehlt, bzw. sich immer wiederholt. Tessa lässt sich auf Hardin ein, sie kommen sich näher, sie wird verletzt, sie versöhnen sich, und das dann immer und immer wieder. Sonst passiert fast nichts. Nach spätestens ca. zweihundert Seiten wird dem Leser klar, dass das nun immer so weiter geht, er also nicht viel zu erwarten hat.

Trotzdem gibt es auch immer wieder Stellen, die ans Herz gehen, aber das Buch schlendert nur so vor sich hin. Zudem gleitet meines Erachtens im Verlauf der Handlung die Sprache immer mehr in eine Jugendsprache ab, und das F___-Wort wird auch immer öfter gebraucht. Das hat mich schon gestört. Lediglich der Schluss, der mich überrascht, auch geschockt hat, der aber sehr gut zum Buch passt und mich dann wieder etwas entschädigt hat, ist einfach stark und gut gelungen. Schön, dass die Autorin hier noch mal die Kurve kriegt und nicht alles so ausklingen und plätschern lässt, wie es das Buch vorher getan hat.

In der Danksagung hinten schreibt Anna Todd, dass sie etwas ganz Großes geschaffen hat. Dem muss ich leider widersprechen. Ich kann es auch kaum glauben, dass es noch mehrere weitere Bände um Tessa und Hardin geben wird, dass die naive Tessa sich wohl dann noch zwei oder drei Bände lang verheizen lässt.

Als Autorin hat Anna Todd nichtsdestotrotz Potential, wenn sie etwas reifer ist. Ihr Schreibstil ist generell gut lesbar, trotz einiger Störfaktoren. Sie muss nur erst einmal aus dem „HDGDL“-Stadium herauskommen. Diese Danksagung spricht ja hier Bände.

Jugendliche mögen sich durch den Roman eher angesprochen fühlen; ob ich das Buch ihnen aber empfehlen würde, weiß ich nicht. Die Protagonistin ist ihrem Freund ja hier fast hörig und kann daher weder klare Gedanken fassen, noch die Warnungen ihrer zahlreichen Freunde annehmen. Daher ist es gut, dass sie ihre Lektion dann doch lernt.

Ein strafferer Inhalt auf weniger Seiten hätte diesem Buch gut getan. Ein weiteres Buch um Tessa und Hardin würde ich nicht lesen, ein weiteres, kürzeres Buch von Anna Todd, sollte es das irgendwann geben, würde ich aber schon zur Hand nehmen. Da ich mir immer wieder gewünscht habe, es wäre nicht mehr so lang, kann ich leider nur drei Sterne vergeben. Der starke Schluss hat mich noch etwas mit dem Buch versöhnt.

  • Broschiert: 704 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (9. Februar 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453491165
  • ISBN-13: 978-3453491168
  • Originaltitel: After (1)
  • Verlag:

Die Bände in der Übersicht:




1 Kommentar:

  1. Du bist die erste, die den Roman nicht in den Himmel lobt und das macht mich neugierig. Denn ich finde weder den Klappentext noch das Cover irgendwie ansprechend. Am Ende muss ich es wahrscheinlich selbst lesen um mir selbst ein Bild zu bilden.

    Liebe Grüße,
    Nazurka

    AntwortenLöschen