Sonntag, 22. März 2015

[Rezension] Fitzek, Sebastian - Passagier 23

Ein Ort, in dem niemand seine Nachbarn kennt oder auf sie achtet. Ein Ort, in dem zwar die üblichen Gesetze gelten, aber es keine Gesetzeshüter gibt. Ein Ort, in dem alle entspannen wollen und niemand mit dem Tod konfrontiert werden möchte. Die Kreuzfahrt, ein perfekter Ort für Mord und Selbsttötung. Klingt nach Fiktion, aber tatsächlich verschwinden jährlich ca. 20 Menschen auf hoher See. Die Gründe bleiben meistens unbekannt und die Vertuschungsaktionen sind groß. Wieso auch nicht, es kommt ja doch keiner von diesen Passagieren zurück und kann darüber berichten. Aber genau das ändert sich, als ein seit Wochen vermisstes Mädchen plötzlich wieder auf der "Sultan of the Seas" auftaucht.

Martin Schwartz ist Polizeipsychologe und hat seit dem Tod seiner Ehefrau und seines Kindes vor fünf Jahren auf einem Kreuzfahrtschiff sein Leben aufgegeben. Selbstzerstörerische (Polizei-) Aktionen stehen auf der Tagesordnung, aber er kann das Leben nicht mehr spüren. Plötzlich wird er genau auf das Kreuzfahrtschiff gerufen, auf dem seine Familie starb. Eine ältere Dame will Beweise dafür haben, dass seine Frau sich nicht selbst getötet hat. Aufgrund einer Kurzschlusshandlung befindet er sich plötzlich auf diesem Schiff und die alte Frau mit ihren merkwürdigen Verschwörungstheorien sollte für Schwartz in den nächsten Tagen das einzig Normale auf dieser Reise werden.

Was Fitzek schreibt, landet bei mir im Bücherregal. Bisher habe ich diese Regel noch nie bereut und auch "Passagier 23" bildet keine Ausnahme. Dass es optisch ein Highlight ist, lässt sich in jeder Buchhandlung auf den ersten Blick feststellen, denn das Bullauge des Schutzumschlages ist in Wirklichkeit ein Loch in ebendiesem Umschlag und die Wellen sind direkt auf das Buch gedruckt und somit gar nicht Teil des Umschlages. Das Buch hat jedoch weitere Reize, schließlich stammt es von einem der erfolgreichsten Thrillerautoren Deutschlands.

Da ich selbst bereits einmal einen Urlaub auf einer Kreuzfahrt verbracht habe und die Geschichte auf der wahren Begebenheit beruht, dass jedes Jahr einige Menschen auf See verschwinden, war ich sofort Feuer und Flamme für diesen Roman. Bei Fitzek braucht es nie lange, um in den Roman einzutauchen. So auch hier, auch wenn der Anfang des Romans sich noch auf einen Polizeieinsatz bezieht, der nichts mit dem Kreuzfahrtsrisiko zu tun hat. Dass der Autor schreiben und unterhalten kann, steht meiner Meinung nach gar nicht zur Debatte. Daher möchte ich eigentlich nur auf zwei besondere Punkte zu sprechen kommen.

1.) Fitzek hat mich fesselnd unterhalten. Es ist mir schwer gefallen, den Roman zwischendurch zur Seite zu legen, da ich stets wissen wollte, wie es weiter geht. Obwohl die Geschichte spannend ist, hatte ich im Vergleich zu vielen seiner vorherigen Romane keine "es ist so spannend, der Nervenkitzel bringt mich um"-Atemaussetzer. Die Art, wie der Autor mich gefesselt hat, war einfach eine andere.

2.) Bei vielen Roman fehlt mir mittlerweile der Inhalt. Mir wird zu wenig geboten und ich erwarte mehr Input, als mir präsentiert wird. Bei "Passagier 23" ist dieses absolut nicht der Fall. Eher das Gegenteil ist eingetreten, denn die Story war schon fast zu komplex. Eine Information, ein Hinweis, eine Idee, eine Spur jagt die/den nächste/n. Beinahe das ganze Geschehen spielt sich auf diesem Schiff ab. Trotzdem gibt es unglaublich viele Handlungsstränge, die über mehrere Ecken miteinander verknüpft werden. Dabei immer wieder "Masche aufnehmen, Masche fallen lassen". Den Leser irritieren und verwirren. Man versucht fragliche Situationen nicht aus den Augen zu verlieren, um beim Fortschreiten festzustellen, ob Fitzek dafür eine authentische Erklärung liefert oder nicht. Nichts möchte man unbeachtet lassen, gleichzeitig bricht aber auch ganz viel Neues auf den Leser ein. Das gesamte Konzept war somit erfrischend und ansprechend, aber auch leicht an der Grenze von "fast zu viel Input zum Jonglieren".

Ein paar Elemente empfand ich tatsächlich als Effekthascherei, nur um den Leser für kurze Zeit auf eine falsche Fährte zu locken. Ich hoffe, dass sich das bei Fitzek nicht festsetzt, denn dieses hat der Spannungsautor absolut nicht nötig. Alle zunächst unglaubwürdigen Szene, die ich mir merken konnte, wurde aufgeklärt. Klar, manchmal hilft der Zufall mit, manchmal auch etwas mehr, trotzdem sind die meisten Situationen durchaus vertretbar. Es muss nicht alles auf der Hand liegen, manches darf man auch der kreativen Ader eines Autors zuschreiben.

Fazit: "Passagier 23" ist anders als die bisherigen Bücher von Fitzek. Es besitzt ebenfalls unerwartete Wendungen, aber die Art, wie der Roman fesselt, ist eine andere. Manches ist vielleicht etwas "Over the Top", etwas zu sehr gewollt, aber warum sollte eine Autor nicht auch einmal damit spielen? Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und kann mir vieles, das Fitzek in seine Geschichte eingebaut hat, tatsächlich als realitätsnah oder zumindest -machbar vorstellen.


  • Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
  • Verlag: Droemer HC (30. Oktober 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 342619919X
  • ISBN-13: 978-3426199190
  • Verlagsgruppe:



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen