Freitag, 13. März 2015

[Rezension] Moll, Franziska - Egal wohin

Bald ist Jo achtzehn Jahre alt. Ein Tag, den sie mehr herbeisehnt, als alles andere. Denn dann ist sie unabhängig und kann endlich ihr Elternhaus verlassen, dass ihr eh keine Wärme und Nähe bietet, und mit Koch, einem Kollegen aus dem Restaurant, in dem sie jobbt, nach Kreta auswandern. Doch plötzlich verschwindet Koch und stattdessen taucht Amar im Restaurant auf. Langsam lernen sich Jo und Amar kennen, aber Jo zählt weiterhin die Tage, bis sie mit Koch das Land verlassen will, denn sie ist überzeugt, dass er zum Abreisetag wieder zu ihr zurückkommen wird und in ihrem alten Leben hält sie nichts.

Letztes Jahr habe ich von Sabine Both alias Franziska Moll "Was ich dich träumen lasse" gelesen, und mich von dieser Liebesgeschichte verzaubern lassen. Es hat mich extrem gepackt und berührt. Somit war klar, dass ich auch ihr nächstes Buch lesen wollte. Mit "Egal wohin" ist nun ihr zweiter Roman entschieden und der Verlag hat es mit diesen Worten angepriesen: "Die berührende Liebesgeschichte zwischen einem Mädchen, das vor ihrem Leben flieht, und einem Jungen, der für sein Leben kämpft." (© Loewe Verlag). Somit habe ich etwas Ähnliches erwartet - und etwas ganz anderes vorgefunden.

Als erstes fällt auf, dass Jo (eigentlich Johanna) eine ziemlich untypische Protagonistin ist. Sie ist keine Sympathieträgerin auf den ersten Blick, denn sie ist zynisch, von der Welt und besonders ihren Eltern angenervt und hat ihren Platz in der Welt noch nicht gefunden. Sie weiß nur, dass dieser definitiv nicht bei ihrem wohlhabenden Eltern zu finden ist. Seit sie versucht hat sich umzubringen, nerven ihre Eltern sie noch mehr und zwingen sie zu Therapiestunden. Aber auch dort öffnet sie sich nicht. Die einzige wirkliche Verbindung hat sie zu ihrem Arbeitskollegen aufgebaut, allerdings ist diese bei näherer Betrachtung auch lediglich oberflächlich. Jeder, der Jo helfen will, wird weggestoßen. Sie will selbständig und unabhängig sein, auch wenn das Einsamkeit bedeutet.

Ich musste mich zunächst wirklich erst an Jo als Charakter und an Molls Schreibstil gewöhnen, da ich vom Buch etwas anderes erwartet und von der Autorin etwas anders gewohnt war. Schnell jedoch fand ich Zugang zur ungewöhnlichen Protagonistin und fand sie sehr authentisch. Dass sie sich so entwickelt hat, hat seine Gründe und diese werden mit Fortschreiten der Geschichte immer klarer. Molls Schreibstil, der zum großen Teil aus kurzen, knappen Sätzen ohne offensichtliche Gefühle (außer Wut vielleicht) geprägt ist, passt hervorragend zu Jos direkter Art und vermittelte der Figur eine Glaubwürdigkeit. 

Auf den ersten Blick passiert in der Geschichte nicht viel. Jo zählt die verbleibenden Tage rückwärts und der Leser begleitet sie dabei. Regelmäßig geht es zur Therapie, regelmäßig hat sie Stress mit ihren Eltern oder ihrem Chef und regelmäßig hat sie lediglich bei Koch das Gefühl, er würde sie verstehen. Koch bewirkt etwas in ihr und später auch Amar, allerdings begreift Jo gegen Ende des Romans, dass auch Koch ihr gegenüber Geheimnisse hat. Diesen Part fand ich sehr interessant, nicht vorhersehbar und hat für ein schönes Ende gesorgt.

Fazit: "Egal wohin" hat mich sehr überrascht. Die vom Verlag angekündigte Liebesbeziehung findet man kaum und daher führt diese Aussage meiner Meinung nach auf eine falsche Fährte. Jos direkte, zynische Art muss man mögen, dann kann man den Schreibstil auch genießen. 3,5 Sterne, die ich auf 4 aufgerundet habe.
 
  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: Loewe (9. März 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3785580223
  • ISBN-13: 978-3785580226
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
  • Verlag:



Bücher von Franziska Moll





Kommentare:

  1. Schöne Rezension. Das Buch habe ich mittlerweile auch auf dem SuB liegen und freue mich nun umso mehr aufs Lesen, danke!

    Liebste Grüße,
    Nazurka

    AntwortenLöschen
  2. Sehr schöne Rezi, natürlich steht das Buch bei mir auf der WL, weil mir "Was ich dich träumen lasse" so berühren konnte.
    Danke, dass Du mich vorwarnst besser etwas anderes zu erwarten. Jetzt bin ich noch gespannter :o

    Liebe Grüße,
    Tascha

    AntwortenLöschen