Dienstag, 21. April 2015

[Die Story hinter dem Buch] Rebecca Michéle - Das Flüstern der Wände



heute:


Rebecca Michéle - Das Flüstern der Wände
 



Verabschiede dich nie von früheren Ideen
 – du könntest sie nochmal gebrauchen …

November 1997 – ich verbringe einige Zeit allein an meinem Lieblingsort – Cornwall in Südwestengland. An einem milden, sonnigen Tag wandere ich auf dem Küstenpfad zwischen den Fischerdörfern Looe und Polperro. In einer einsamen, romantischen Bucht sehe ich hoch auf den Klippen ein altes Haus stehen. Sofort entstand eine Geschichte in meinem Kopf. Damals befand ich mich noch am Anfang als Schriftstellerin, hatte keinen festen Verlag und auch noch keine Literaturagentur. In den folgenden Monaten schrieb ich über das Haus auf den Klippen – eine Geschichte, die sich über mehrere Jahrhunderte zieht und das wechselnden Schicksale der Menschen wiedergibt. Am Ende wurden es über 900 Manuskriptseiten. Von den Verlagen, denen ich mein Manuskript schickte, hagelt es nur Absagen. Es ist zu umfangreich für eine damals noch „No-Name-Autorin“, außerdem sind Geschichten, die über mehrere Jahrhunderte hinweg spielen, auf dem Markt nicht gefragt.


Bedruthan Steps

Blick vom Coast Path


Herrenhaus Cotehele

„Das Flüstern der Wände“ – wie ich mein Werk getauft habe, verschwindet in den Tiefen meiner Schreibtischschublade. Bald darauf arbeite ich dann auch mit festen Verlagen und einer Literaturagentin zusammen, die mir den richtigen Weg auf dem Markt aufweisen.

2012 – ich bin überglücklich. Nach dem Erfolg meines ersten Cornwallkrimis („Die Tote von Higher Barton“) wird es einen zweiten Band mit der resoluten Krankenschwester Mabel Clarence und dem kauzigen Tierarzt Victor Daniels geben. Mit Feuereifer mache ich mich an das Schreiben. In diesem Band („Der Tod schreibt mit“) versucht Mabel sich selbst als Schriftstellerin, um in den näheren Umkreis der Verdächtigen zu gelangen. Auf der Suche nach einer passenden Geschichte erfährt Mabel von einer lange zurückliegenden Legende eines Familiengeheimnisses auf Higher Barton.
Nun brauchte ich eine Geschichte, über die Mabel „ihren“ Roman schreiben möchte. Da erinnerte ich mich an zwei der Handlungsstränge in meinem früheren opulenten Manuskript. Das würde doch gut passen, dachte ich, denn zu Cornwall und einem jahrhundertealten Herrenhaus gehört einfach ein Familiengeheimnis, eine Tragödie und vielleicht auch ein wenig Mystisches. Was ich vor vielen Jahren zu Papier brachte, lässt sich nun problemlos auf Higher Barton umsetzen.
In dem Krimi „Der Tod schreibt mit“ deute ich hin und wieder auf die längst verstorbene Evelyn Tremaine an, ohne jedoch zu sehr ins Detail zu gehen oder gar das Ende zu verraten. Damals sollte es nur ein einmaliger Hinweis auf ein Teil der bewegten Vergangenheit Higher Bartons sein.

Cornisches Cottage

Hafen von Polperro

2014 – Mittlerweile schreibe ich an dem vierten Cornwall-Krimi mit Mabel und Victor, die sich einer ständig größer werdenden Leserschaft erfreuen. In meinem Kopf ist die Geschichte mit dem Titel „Ein tödlicher Schatz“ längst geplant, und ich greife die Gerüchte über Evelyn Tremaine, auf die Mabel zwei Jahre zuvor gestoßen ist, erneut auf. In diesem Krimi gehe ich mehr ins Detail und deute immer wieder auf die Ereignisse auf Higher Barton im Jahr 1850 an. Ich bin etwa in der Mitte des Manuskriptes, als mir klar wird, dass ich meinen Lesern nun die „wahre“ Geschichte von Evelyn Tremaine und dem gut gehüteten Familiengeheimnis offen legen muss. Das haben meine Leser nicht nur verdient, es ist auch mir ein Bedürfnis, diese Geschichte zu erzählen. Ich greife zum Telefon und rufe Sandra Thoms, die Verlegerin des Goldfinch-Verlages an:
„Sandra, was hältst du davon, wenn ich das Schicksal von Evelyn Tremaine nicht in den Krimi einfließen lassen, sondern wir daraus einen eigenständigen Roman machen?“
Zuerst herrschte Stille, dann antwortete Sandra, und ich konnte ihr Lächeln durchs Telefon spüren: „Was für eine charmante Idee! Mach!“

Crown Mines

St Michaels Mount

So kam es zu dem vorliegenden Roman „Das Flüstern der Wände.“ Als ich diese Geschichte schrieb, merkte ich bereits nach wenigen Seiten, dass es die richtige Entscheidung war. Das Familiengeheimnis im Rahmen des Krimis mit nur ein paar Seiten abzuhandeln, wäre zu schade gewesen – und hätte die Familie Tremaine auch nicht verdient.
Es freut mich besonders, dass der Titel, den ich mir 1997 ausgedacht habe, für diese Geschichte beibehalten werden konnte.

Da in Verbindung mit Cornwall auch immer von zwei landesüblichen Spezialitäten die Rede ist (auch in diesem Roman), hier noch zwei Fotos dieser:

Die Herstellung von Cornisch Clotted Cream

Cornish Pasty – ursprünglich die Nahrung der Arbeiten in den Zinn- und Kupferminen
geschrieben von  Rebecca Michéle



  • Broschiert: 362 Seiten
  • Verlag: Dryas Verlag (26. Februar 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3940855618
  • ISBN-13: 978-3940855619


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